reflections

Wir haben’s einfach getan – Kapitel 1

Warum lese ich überhaupt?

 
Die Presse ist was schönes,
solang sie nicht über dich schreibt.
Denn sobald sie das tut,
kommt eh nur Scheiße bei raus.





Zu oben beschriebener Einsicht kam ich als ich an einem wunderschönen Samstagnachmittag, der auch noch mit Freizeit gesegnet war, die Starflash las.
In solchen Momenten in denen ich mich zu diesem Zeitpunkt befand, stellte sich mir immer die alles entscheidende Frage warum ich kein Analphabet war.
Die konnten die Scheiße wenigstens nicht lesen die über sie geschrieben wurde. Und wenn sie, sie sich vorlesen ließen dann umschrieb die Person die es vorlas, zumindest solange sie sozial war, alles immer in schönen Worten.
Leider Gottes war ich kein Analphabet und musste dieser bösartigen und hämisch grinsenden Wahrheit ins Gesicht sehen. Oder wohl eher auf die Buchstaben die mir entgegenlächelten als hätten sie kein anderes Hobby außer mir den Tag zu vermiesen.

Bill verliebt! Er hat heimlich eine Freundin! – Was würde passieren, wenn diese Schlagzeile eines Tages in der Zeitung steht?

Sagt ihr es mir doch.

Dazu ein Bild, auf dem Bill ein süßes blondes Girl in den Armen hält und es leidenschaftlich küsst! Für tausende TH-Fans würde eine Welt zusammenbrechen. Die Mädchen würden weinen, ihre Träume zerplatzen, sie wären am Boden zerstört! Und die Karriere von Tokio Hotel wäre wohl auch zu Ende…

Wolln die mich verarschen? Als ob das bei meinem Zeitmangel dazu kommen würde. Außerdem ist blond gar nicht meine Farbe.

Doch Bill, der zurzeit umschwärmteste deutsche Popstar, ist solo. Dabei wird er mit Liebesbriefen bombardiert. Viele Girls sind hoffungslos in ihn verliebt, es wäre für Bill ein Leichtes, das Mädchen seiner Träume zu finden. Bill genießt die Liebe der Fans – und schweigt!

Was soll ich sonst machen? Ein Lied darüber schreiben?

Wenn es um sein Liebesleben geht, gibt er sich sehr zugeknöpft. Bill: „Musik ist mir wichtiger als Sex!“ Über seine wahren intimen Gefühle und Sehnsüchte redet er selten, über Sex fast gar nicht.

Anscheinend denken die echt ich sollte ein Lied drüber schreiben. Reicht denen Tom’s Sexleben nicht mehr oder was? Außerdem reicht es ja wohl wenn Tom jeden scheiß Winkel meiner Psyche kennt. Das reicht mir schon.

Bis heute weiß niemand, ob er überhaupt je mit einem Mädchen geschlafen hat. Für einen 17-jährigen Jungen ungewöhnlich. In diesem Alter machen Teenager grundlegende Erfahrungen: Sie verlieben sich, sie trennen sich, sie erleben Lust und Frust, Leid und Leidenschaft und haben den ersten Sex.

Ist es berechtigt wenn ich mir gerade wie ein Mönch vorkomme? Das ist ja wohl nicht zum aushalten. Nur weil Tom die ganze Zeit darüber quatscht heißt das doch nicht dass ich das auch tun muss.
Außerdem hatte ich schon Sex, nur um das mal klar zu stellen. Und garantiert nicht nur einmal.

Nicht so Bill. Er lebt keusch wie ein Mönch, hat seit drei Jahren keine Freundin. Es ist niemand da, der ihn küsst, der ihn knuddelt, der ihm Geborgenheit und Nähe gibt.

Warum nimmt mich eigentlich jeder so wörtlich? Ich bin kein Mönch, und werde auch nie einer sein. Dann knutscht mich halt keiner ab, wen interessiert das denn? Geknuddelt werd ich wohl, und zwar von Tom. Tom ist meine Nähe und meine Geborgenheit. Auf die Idee kommen die anscheinend nicht. Idioten.

Das Liebesglück geht an ihm vorbei. Wie hält Bill das bloß aus? Nach außen hin gibt er sich locker und cool, aber sein Herz ist voller Sehnsucht.

Ja, voller Sehnsucht diesen Schreiberling meine Fingernägel in die Halsschlagader zu rammen.

Bill gesteht: „Ich wäre so gern wieder verliebt!“ Die Einsamkeit quält den sensiblen Boy, er hat sogar einen Song darüber geschrieben („Hilf mir fliegen&ldquo. Bill: „Ich glaube an die große Liebe und die wird mir eines Tages zufliegen!“

WANN zur Hölle hab ich das denn gesagt? Da wüsste ich jetzt aber was von. Die tun ja so als würde ich jeden Moment von der Brücke springen. Außerdem war der Song für Tom, was keiner wissen muss. Weiß er ja nicht mal selber.

Bill opfert die Liebe für die Karriere von Tokio Hotel. Er verzichtet auf das private Glück, um die Träume seiner weiblichen Fans nicht zu zerstören. Damit folgt er einem ungeschriebenen Gesetz im Pop-Business: Teenie Stars dürfen keine Freundin haben! Sie müssen solo sein!

Boah, ihr könnt mich doch. Ich opfere hier gar nichts. Ich hab nicht mal Zeit mir ne Freundin zu suchen, wie sollte ich die dann noch in meinem Terminplaner unterbringen? Die haben vielleicht Vorstellungen:


Wütend warf ich die Starflash auf mein Bett und zündete mir erst mal eine Zigarette an.
Insgeheim fragte ich mich wie ein einzelner Mensch nur so viel Scheiße auf einer halben Seite fabrizieren konnte.
Das war schon kein Talent mehr das war bestimmt ein Fluch. Irgendeine alte Hexe hat ihn damals als er noch klein war verhext und dazu bestimmt nur scheiße über mich zu schreiben.
Mich hasst man ja genug. Ich wette der ist in Wirklichkeit ein Hater. Da wette ich meine Tazumatasche drum.

Ich warf meinen schmalen Körper neben die Zeitschrift aufs Bett und starrte verbissen an die Decke.
Theoretisch war ich nicht gewillt diesen scheiß Artikel weiter zu lesen. Praktisch sah das anders aus, als ich nach der Zeitschrift griff und den Teil übersprang wo nichts von mir stand.
Bis ich wieder erwähnt wurde.


Ist die Angst vor dem Absturz der Grund, warum Bill wie auch die anderen drei Boys von Tokio Hotel auf Beziehungen verzichten? Bill scheint die Liebe der vielen Fans zu reichen. Noch ist sein Bedürfnis nach der intimen Zweisamkeit einer Beziehung nicht sehr groß.

Korrekt Alter.

Es scheint ihm nichts auszumachen, auf Sex mit Mädchen zu verzichten. Bei Tom, Gustav und Georg sieht das schon anders aus.

Von wegen. Bei Gusti sieht das noch schlimmer aus als bei mir.

Vor allem Tom ist bekannt dafür, dass er nichts anbrennen lässt und sich auf One-Night-Stands einlässt. In einem Interview gab er kürzlich offen zu: „Ja, ich habe Sex mit Fans!“

Von wegen kürzlich. Das ist bestimmt schon bald 2 Monate her. Unter kürzlich versteh ich was anderes. Der lebt wohl auf dem Mond.
Außerdem…WARUM ZUR HÖLLE MÜSSEN DIE MIR TOM’S SEXLEBEN AUCH NOCH PER ZEITSCHRIFT UNTER DIE NASE REIBEN?????

„Waaaaaaaaaah“
So etwas nannte ich einen verzweifelten Schrei.
Und so wie ich meine Stimmbänder kannte war der nicht gerade leise.
Was sich auch kurz darauf bestätigte als es wie wild an meiner Zimmertür hämmerte und ich die Stimmen meiner Bandkollegen erkannte.

„Bill? Bill um Himmels Willen, was ist los?“ rief Gustav panisch an die Tür und in mir wuchs das Bedürfnis etwas zu zertrümmern.
„Bill? Hallo? Ich tret jetzt die Tür ein“ kam es von Tom und ich starrte die Tür sprachlos an.
Noch ehe ich etwas tun oder sagen konnte krachte die Tür mehr als ungesund und landete in meinem Zimmer vor meinen Füßen wo ich sie geschockt anstarrte und dann die kaputten Türangeln.
Meine drei Bandmitglieder standen draußen und guckten mich geschockt an. Zumindest war das bei Georg und Gustav der Fall.
Tom dagegen stand peinlich berührt davor und räusperte sich kurz was ihm meine Aufmerksamkeit entgegenbrachte.

Das hieß so viel wie das ich an seinem Shirtkragen hing und ihn durchschüttelte.
„Hast du noch alle Latten am Zaun oder was? Das war meine Tür. Die wir nun ersetzen müssen. Und das schlimmste ist meine Privatsphäre wird nun von jedem verletzt der da draußen vorbeigeht. Dir geht’s ja wohl zu gut“ schrie ich ihn an und schüttelte ihn weiter.

„Bill! Bill, beruhige dich doch“ redete Gustav auf mich ein und ich schickte ihm einen Todesblick.
„Beruhigen? Wir können ja jetzt gerne Zimmer tauschen, dann will ich sehen wie du dich beruhigst“ fauchte ich und drehte mich zu Georg als dieser mir auf die Schulter tippte.

„Du kannst jetzt aufhören Tom zu schütteln. Er ist dein Bruder und kein Sixpack Red Bull“
Von mir handelte sich Georg nur einen verständnislosen Blick ein.
„Ein Sickpack Red Bull wäre das letzte was ich schütteln würde“ meinte ich dann trocken und ließ Tom los ehe ich mich wieder auf mein Bett fallen ließ auf das man vom Gang aus einen wunderbaren Blick hatte.

„Was war denn überhaupt los?“ wurde ich von unserem Drummer gefragt der sich neben mich setzte und ich drückte ihm den Artikel gegen die Nase.
„Siehst du das? Da! Jetzt wird mir schon da Tom’s Sexleben unter die Nase gerieben, das ist ja wohl nur noch grausam“
„Neidisch?“
Mein Blick schoss wieder zu Tom der augenblicklich einen Schritt zurückging.
„Neidisch? Auf dich und dein penetrantes Stöhnen? Ganz sicher nicht.“

Grummelnd verschränkte ich meine Arme vor der Brust und zog an meiner Zigarette.
Ja, ich war neidisch. Aber wirklich nicht auf Tom der immer alle Weiber bekam die er wollte. Sondern auf die Weiber. Weil er ihnen schon lange mehr Aufmerksamkeit schenkte als mir. Weil ich mir vorkam als wäre ich Tom einfach nur lästig und würde bald unsichtbar werden.

Ein Grummeln entwich meinen Lippen als ich von hinten an etwas Warmes gequetscht wurde.
Wir hatten Mai, und um ehrlich zu sein war mir auch so schon warm genug ohne dass ich noch an etwas gepresst wurde.
Als ich meine Augen in den Augenwinkel wandern ließ stellte ich ohne Erstaunen fest das es Tom war der mich an sich drückte.
Um ehrlich zu sein hätte es mich in diesem Moment auch ziemlich geschockt und traumatisiert wenn es Georg gewesen wäre.

Bei Gott, nichts gegen Georg. Aber Georg und ich in so einer Pose und ein paar unserer Bandmitglieder würden vor lachen sterben.
Und ich konnte wirklich keine zwei Leichen in meinem Zimmer gebrauchen. Mein einziger Vorteil in so einer Situation wäre gewesen, dass ich Georg nicht lange dazu hätte überreden müssen die Leichen verschwinden zu lassen.

„Was ist?“
Das war meine einzige Frage an Tom seit der mich festhielt. Ich wollte gar nicht wissen wie lange schon.
„Ich sorg schon dafür dass du ein Sexleben kriegst“ flüsterte er mir ins Ohr was mir eine Gänsehaut bescherte. Er wusste doch wie empfindlich ich am Ohr war.
Was er damit allerdings genau meinte sagte er mir natürlich nicht, das hätte auch nicht zu Tom gepasst.
Aber ich ahnte schon dass es nichts Gutes sein würde.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Gott sei Dank noch keine Ahnung wie Recht ich damit hatte.


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