reflections

Wir haben’s einfach getan – Kapitel 5

Tom, komm und rette mich!


 

Ich weiß,
das man andere Menschen nicht mitten in der Nacht stört.
Andererseits weiß ich auch,
dass abgeschissene Situationen,
abgeschissene Maßnahmen erfordern.



Auf der Flucht von David und seinen Pornoheften – nur in Boxer und Shirt das aussah wie ein Schwangerschaftskleid – flüchtete ich den Hotelflur entlang zum Zimmer 483.
Ich wusste eigentlich genau, dass ich nicht das Recht hatte diese arme Person jetzt zu stören. Aber andererseits war sie dazu verpflichtet mich zu retten und vor allem mich vor einem psychischen Selbstmord zu bewahren.

Als ich bei besagtem Zimmer angekommen war, war das erste das mich empfing lautes Stöhnen. Männlein und Weiblein bei der Kalorienverbrennung.
Jeder normale Mensch hätte jetzt umgedreht und sich seinem Schicksal ergeben. Ich war aber nicht normal, und das war in diesem Moment auch gut so.

So kam es das ich meine Hand zu einer Faust ballte und gegen die Zimmertüre hämmerte.
Wenn es sein musste hätte ich auch die Tür eingehämmert.
Aber kurz darauf erstarb das Stöhnen und die Tür wurde reichlich genervt aufgerissen.
Vor mir stand die größte Filzlaus die ich kannte. Tom Kaulitz, mein Zwillingsbruder. Die größte Filzlaus in freier Wildbahn.

„Rette mich, sofort. Ich will mir das nicht noch länger antun“
Diesen Schwall von Verzweiflung ließ ich über Tom herein prasseln und er guckte mich mehr als genervt mit einem Hauch von Verwirrung an.
„Bill, später“ war das einzige was ich entgegengesetzt bekam und die Tür war wieder vor meiner Nase.
Innerlich fragte ich mich ob ich Tom wirklich schon so egal war, dass er die ganzen Weiber mir vorzog und mir nicht einmal half wenn ich es wirklich nötig hatte jemanden in meiner Nähe zu haben der mich nicht verbiegen, anbaggern oder aufklären wollte.

So kam es auch, das ich mich in meinen absolut geilen Klamotten – hört man meinen Sarkasmus? – auf den Boden fallen ließ und neben der Tür hocken blieb.
Wenn ich warten musste dass Tom mal Zeit für mich hatte, dann tat ich das eben.
Als das Stöhnen jedoch wieder anfing kam ich zu der Feststellung dass Tom kein Sexleben brauchte. Zumindest nicht wenn ich hier total in der Scheiße steckte und von lauter Irren umgeben war.
Also stand ich wieder auf und hämmerte wieder gegen seine Tür.

„Tom Kaulitz! Mach diese verschissene Tür auf und lass mich rein. Ich schwör dir bei allem was mir heilig ist, ich verleihe ‚Spring nicht’ eine neue Bedeutung und spring vom Dach. Und es ist mir scheißegal ob ich dabei dein Lieblingsshirt anhabe oder nicht“ brüllte ich gegen die Tür und hämmerte munter weiter.

Kurze Zeit später ging die Tür auch wieder auf und Tom sah mehr als nur erweicht aus.
„Warte“
Die Tür wurde wieder zugeknallt und keine fünf Minuten später kam eine Tussi raus die mich nur sauer anstarrte.
Hehe, Pech du blöde Kuh.
„Komm schon rein, ich dusch nur schnell“

Meiner Ansicht nach war das bei Tom’s Anblick auch wahnsinnig nötig. Mit dem Ständer den er hatte wollte ich wirklich nicht mit ihm in einem Bett liegen.
Nicht das ich das mit Tom nicht schon mal durchexerziert hätte, aber damals waren wir noch klein. Jetzt nicht mehr, ich hätte mir nur Sorgen gemacht und eventuell noch eine Paranoia gegenüber meinem Bruder entwickelt.
Und das wollte ich weiß Gott wirklich vermeiden.

Als Tom mit dem Kleiderständer in seiner südlichen Region ins Bad watschelte ließ ich mich auf dem Bett nieder, stand jedoch sofort wieder auf wo ich das Licht anknipste und meiner Funktion als kleiner Bruder nachging.
Ich untersuchte das ganze Bett nach eventuell vorhandenen Flecken, Flüssigkeiten oder noch so etwas das darauf hinwies das hier mehr als ein Groupie drin gelegen hatten.

Obwohl ich nichts dergleichen gefunden hatte schnappte ich mir das Telefon und rief den Zimmerservice an, wo ich neue Bettwäsche orderte.
Keine zehn Minuten später war die auch da und ich machte mich daran das Bett zu beziehen. Ich wollte nicht unbedingt darauf schlafen wo diese merkwürdige nicht zu identifizierende Schnepfe gelegen und Tom schmutzige Sachen – die obendrein wahrscheinlich noch nicht mal Sinn ergaben – ins Ohr gestöhnt hatte.

Eine sich öffnende Tür erregte meine Aufmerksamkeit und ich hoffte inständig das es einfach nur Tom war der aus dem Bad kam.
„Tom?“
Der unsichere Ton in meiner Stimme ließ sich nicht vermeiden und als ich keine Antwort bekam stieg die Panik in mir hoch.
Was war wenn es Gustav war, der mir Vitamine verabreichen wollte? Oder Georg, der sich schon wunderbar perverse Sexfantasien ausmalte? Oder David, der mich dazu zwingen wollte dass ich mir die Pornohefte ansah?
Oder – das kleinere Übel – einfach nur ein Massenmörder der mich nicht leiden konnte?

Ich spürte wie Arme sich um mich schlangen und ein kleines Prusten. In diesem Moment wurde mir klar, dass Tom, boshaft wie er war, mir einfach nur Angst machen wollte.
„Du Idiot“ murrte ich nur und wurschtelte weiter in dem Bezug herum.
„Du siehst aus wie ein Geist. Komm ich helf dir“ kam es von Tom nachdem er mich losgelassen hatte.
Und er half mir tatsächlich mich aus dem Bezug zu befreien und die Betten zu beziehen. Insgeheim fragte ich mich wie Tom es schaffte nicht selbst in dem Bettbezug zu versinken, so wie ich.
Andererseits war Tom vielleicht dabei einfach nur logischer. Das wäre ein guter Grund. Meine Gedanken waren nie von Logik beseelt und würden es wohl auch nie sein.

Nach guten zwanzig Minuten hatte ich – oder wir – es vollbracht das scheiß Bett zu beziehen und ich ließ mich darauf fallen wo ich seufzte und an die Decke starrte.
Ich hatte heute einfach schon zu viel ertragen müssen um mich jetzt noch überzeugend über Tom’s Weibergeschmack aufzuregen.
Außerdem brauchte ich dieses Asyl. Ich wollte nicht zurück in die Hölle, da verbrachte ich meine Zeit doch lieber damit, Tom’s Bett nach Spermaflecken abzusuchen.

„Bill?“
Müde drehte ich meinen Kopf zu meinem Zwilling wo ich ihn fragend ansah.
„Danke, dass du mir die Tür halb eingehämmert hast“
„Warum?“
„Die war so schlecht, das glaubste nicht“

Ich guckte Tom verstört und ungläubig an ehe ich das Lachen anfing und mich zusammenrollte.
Das konnte ja nicht wahr sein. Mein Bruder war froh dass ich ihn beim Sex genervt hatte. Besser konnte es ja nicht mehr kommen.
„Das ist gut“ lachte ich und rollte mich weiter zusammen als ich Finger in meiner Seite spürte, die es darauf anlegten mich zu kitzeln.

„Lach nicht so“ kam es lachend von hinter mir und ich jappste.
Tom war einfach wahnsinnig gut darin mich zu kitzeln und mich somit mehr oder weniger zum ersticken zu bringen.
Ich war ihm deswegen weiß Gott nicht böse, denn ich gab die Hoffnung nicht auf, dass wenn ich schon mal abkratzen musste es wenigstens in Tom’s Armen tun konnte.
Die Bühne wäre auch nicht schlecht gewesen. Zumindest wäre es origineller als auf nem fuck Totenbett in nem Krankenhaus.

„Tom…ich ersticke“ bekam ich keuchend heraus und ich spürte erleichtert wie Tom aufhörte mich zu pieken, aber dennoch hinter mir liegen blieb.
Seine Hand an meinem Bauch verpisste sich auch nicht und ich konnte nichts dagegen sagen, da ich immer noch nach Luft röchelte.

„Tom…nimm die Hand da weg“ murrte ich und drehte mich auf den Rücken um Tom vernünftig ansehen zu können.
Was nicht wirklich was brachte da ich feststellte dass Tom seine Augen geschlossen hatte und ruhig atmete.
Wie konnte man eigentlich so leicht einschlafen? Das fragte ich mich wirklich. Genauso wie ich mich fragte warum Tom mich näher zu sich zog, so das kein Millimeter Platz mehr zwischen uns war.

Trotzdem machte ich nicht einen Versuch mich von ihm weg zu drücken und blieb einfach so liegen wo ich die Gesichtszüge meines Zwillings betrachtete.
Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen und ich angelte mit einigen Verrenkungen nach dem Lichtschalter wo ich das Licht ausknipste, einen Kuss auf Tom’s Wange hauchte und dann ebenfalls einschlief.


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