reflections

Wir haben’s einfach getan – Kapitel 7

Nur ein Kuss?


 

Küssen ist ja bekanntlich was schönes,
da konnte ich keinem widersprechen.
Aber wie würde es euch gehen,
wenn derjenige dann einfach flüchtet?



Ich war mehr bis überhaupt nicht begeistert darüber das Gustav mich immer noch angrinste als hätte er sich die ganze Nacht irgendwas in die Nase gezogen. Und um genau zu sein wollte ich auch gar nicht wissen was der Rest der Band in der Nacht trieb. Vor allem nicht Georg. Obwohl ich das ja mehr als gut verdrängen konnte. Das war das positive wenn man einen Zwillingsbruder hatte der mehr nackte Weiber in seinem Leben gesehen hatte als der Rest der Band. Man konnte einfach alles ignorieren. Das lag aber auch nur daran das ich dafür einfach sehr begabt war und zum anderen lag es daran das ich nie wissen wollte welche Stellung Tom denn nun vorzog. Das konnte mein armes Hirn beim besten Willen nicht verkraften, wobei ich mir die Ignoranz einfach so zugelegt hatte ohne irgendjemand zu fragen.

„Böses Billy“ grinste mich Gustav an und ich hatte so ein schlechtes Gefühl.
Das Gefühl bestätigte sich als sein Grinsen noch breiter wurde und er somit aussah wie ein durch geficktes Eichhörnchen. Hilfe, Mami!
„Wie kannst du nur so über Tommy schreiben?“

Oh mein Gott. Ich wusste es schon immer. Wenn das jemand lesen würde, dann würde ich sterben. Darauf hatte ich im Moment keine Lust. Dass Gustav näher zu mir trippelte beruhigte mich nicht wirklich.
„Wir lieben dich doch“ lächelte er selig und ich schrie auf ehe ich aufsprang und nach oben rannte.
Mit Gustav im Nacken.
„Toooooom“ kreischte ich nur und rannte ins Zimmer wo ich meinem Bruder um den Hals fiel.
Vielleicht hatte ich auch zuviel Schwung, denn wir landeten Beide auf dem Boden und ich wollte ihn ums verrecken nicht mehr loslassen. Lieber starb ich durch Tom als durch Gustav. Das war nämlich weniger unheimlich.

Nebenbei ignorierte ich das mich alle Anwesenden ansahen als wäre ich gerade aus dem Zoo entsprungen und krallte meine nicht gerade kurzen – dafür aber manikürten – Fingernägel in Toms Schultern, was dieser mit einem Zischen kommentierte.
Och, tat’s weh?
„Hilf mir, Gustav ist durchgeknallt. Ihm tut das Grünzeug garantiert nicht gut“ jammerte ich dann und besagter Drummer stand auch schon im Raum.
„Aber Billy, du musst doch nicht vor mir flüchten“ lächelte er und ich quiekte nur was das Bohren meiner Nägel nicht unbedingt beeinträchtigte sondern eher verstärkte.
„Der sieht aus wie ein durch geficktes Eichhörnchen“
Wenigstens waren Tom und ich immer noch derselben Meinung.

„Okay Jungs, alle raus. Die Beiden müssen alleine sein“
Tom und ich sahen Zaki verständnislos an und hoben jeweils eine Augenbraue. Doch er grinste nur und schob den Rest nach draußen ehe er die Tür schloss und ich meinen Griff entspannte, was ich auch hätte schon früher tun sollen.
Das bemerkte ich als ich die roten Flecken auf Toms Shirt entdeckte und sah ihn schuldbewusst an. Er grinste nur.
„Kennst mich doch, ich steh auf Schmerzen“ lachte er dann und ich nickte ehe ich aus den Augenwinkeln beobachtete wie er sein Shirt auszog.
Himmel Maria und Josef…ich werde gläubig.
Warum zur Hölle hatte mein Zwilling auch so nen verdammt geilen Oberkörper? Das war doch nur ungerecht.

„Hilfst du mir mal?“
Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch und sah Tom fragend an der auf seine Schultern deutete und mit Wundsalbe in der Luft wedelte.
Also nickte ich nur und Tom setzte sich vor mich wo ich die Salbe vorsichtig, und extrem darauf bedacht ihn nicht noch mal zu krallen, auf die Striemen auftrug und die Tube dann wieder zuschraubte.

Eigentlich wollte ich dann flüchten. Wenn es sein musste auch das Land verlassen. Nur leider hatte ich die Rechnung, mal wieder, ohne meinen Zwilling gemacht der mich einfach in den Arm nahm und mich an sich quetschte. Das beruhigte mein Herzklopfen nicht im Geringsten das gerade eingesetzt hatte und ich guckte fragend zu ihm hoch.
„Wir haben schon lange nicht mehr gekuschelt“ nuschelte er dann und ich nickte.
Ich glaube wenn ich was gesagt hätte dann wäre nichts vernünftiges dabei raus gekommen.
Also blieb ich so sitzen und ließ mir durch die Haare streichen.

Um ehrlich zu sein hatte ich keine Ahnung wie lange wir so saßen und ehrlich gesagt wollte ich das auch gar nicht wissen.
Ich wollte einfach hier auf diesem scheiß harten Boden sitzen bleiben und weiter an Tom kleben.
Hätte auch gut funktioniert wenn nicht schon wieder irgendein Irrer ins Zimmer gestürmt wäre. In diesem Fall Georg diese blöde Schlampe.

„Tut mir leid euch zu stören. Aber wir machen Sightseeing. Also kommt in die Gänge“

Tom seufzte genervt und ich stimmte mit ein ehe ich mich von ihm löste und aufstand. Ich hatte wirklich keine Lust mir diese bekloppte Stadt anzusehen und ich glaubte nicht das Tom großartig Lust darauf hatte.
Trotzdem wurden wir von unserem genialen Produzenten durch die Stadt geschliffen und ich grummelte vor mich hin während ich reichlich Abstand zu den anderen hielt.
Das letzte was ich jetzt gebrauchen konnte waren noch mehr Vorschläge von Georg und Tom die versuchten mein Sexleben aufzupushen.
Funktionierte eh nicht.

„Guckt mal Jungs! Die Kirche ist doch toll. Barockstil oder so was“
Hilfe!
„Hilfe“ kam es von meinem Zwilling und ich musste grinsen. Wir hatten halt doch ne spezielle Verbindung. Deswegen konnte ich mir auch nicht vorstellen dass ich mit irgendwem mehr Zeit verbrachte als mit ihm.
Wären wir keine Brüder wären wir das perfekte Paar.
Wie ich auf diesen Gedanken kam war mir zwar unklar aber ich musste trotzdem lächeln.

Wir liefen weiter und ich achtete gar nicht auf den Weg, bis jemand meine Hand schnappte und ich verpeilt aufsah und direkt in die Augen die meinen so ähnlich waren und doch viel schöner.
„Du läufst falsch“ grinste mich mein Bruder an und natürlich meinte mein Kopf wieder rot anlaufen zu müssen.
Tom schien auch nicht vor zu haben meine Hand demnächst loszulassen und so liefen wir eine ganze Weile hinter den Anderen her durch die Stadt bis wir zu einem Café kamen und Georg lautstark nach Essen verlangte.

„Hunger!“
„Georg, wir sind gerade mal 2 Stunden unterwegs“ meckerte David und ich verdrehte die Augen.
Wir waren doch keine Rentner die den ganzen Tag durch die Stadt rannten und sich langweilige Sehenswürdigkeiten ansahen nur um wenigstens einen Tag tot zu schlagen.
„Hunger!“ stieß ich ebenfalls aus und machte ein leidendes Gesicht.

Das positive an so ner weiblichen Visage war einfach nur das dir garantiert kein männliches Wesen was abschlagen konnte. Und das nutzte ich nun mal gerne aus. Auch wenn’s nur ums essen ging und ich keine Lust mehr hatte hier durch die Stadt zu rennen und einen auf Rentner zu machen.
David seufzte und nickte ergeben und schlenderte mit uns ins Café. Ich liebte meine Fähigkeiten.

„Bestellt ihr für mich nen Sandwich mit? Ich geh kurz aufs Klo“ meinte ich dann und erhob mich während ich mich ins Klo flüchtete und mein Make up checkte.
Wunderbar. Es war mal wieder teilweise verlaufen und um es dezent auszudrücken sah es einfach nur scheiße aus.
„Siehst gut genug aus“ tönte es hinter mir und ein Blick in den Spiegel verriet mir dass es Tom war. Ich nickte nur und gähnte kurz. Das war einfach alles zu viel für meine Nerven.

„Du Bill?“
„Mhm?“
Ich wühlte in meiner Tasche nach meinem Kajal, kam aber leider nicht mehr dazu ihn raus zu nehmen da ich umgedreht wurde und Tom mich ernst musterte.
Hoffentlich kam jetzt kein Vortrag über irgendwas und das ich doch mit ihm reden konnte, wo ich nicht mal nen Schimmer hatte worüber.
„Tut mir leid“
Ich hatte keine Ahnung wovon er überhaupt sprach.
„Wa..?“

Weiter kam ich jedoch nicht da meine Frage im Keim erstickt wurde als Tom seine Lippen auf meine legte.
Meine Augen mussten zu dem Zeitpunkt ausgesehen haben wie Suppenteller in Übergröße. Noch ehe ich ihn wegschubsen oder erwidern oder sonst etwas tun konnte hatte sich mein Bruder schon gelöst und zur Tür begeben.
„Komm schon, Essen ist gleich da“ meinte er dann und verschwand aus der Toilette.
Das musste ich jetzt nicht verstehen oder?


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