reflections

Wir haben’s einfach getan – Kapitel 12

Morgendliches Drama!


 

Ausreden sind der Sinn der menschlichen Psyche.
Wenn an keine Ausrede hat ist man geliefert.
Und manchmal fragt man sich warum man sich überhaupt die Mühe macht.
Ganz einfach,
man will auf jeden Fall vermeiden das Georg was mitbekommt.




„Ich bin nicht rot“ schoss es aus mir heraus und ich widmete mich voller Hingabe meiner wahnsinnig interessanten Waffel.
Wo war ich denn rot? Das war meine normale Gesichtsfarbe. Ich sah schon immer aus wie ne Tomate. Hatte das noch keiner bemerkt?

„Bill, du siehst aus wie Ketchup“ gab Georg seinen Senf dazu und ich wünschte dass er zu eben solchen mutieren würde.
Wie konnte man nur so dämlich sein und mich darauf ansprechen wenn ich unmissverständlich klar gemacht hatte, dass ich nicht darüber reden wollte.
Das war ja wohl die Höhe.
Außerdem war ich nicht gewillt irgendwas aus meinem Privatleben oder gar meinem fast nicht vorhandenen Sexleben Preis zu geben.

„Lasst ihn doch in seiner Phantasie verweilen. Der Junge braucht das auch mal“
Mein Blick wanderte im Zeitlupentempo zu Tom der einfach nur dreckig grinste und somit die Aufmerksamkeit der anderen Volldeppen auf mich lenkte.
Das würde Rache geben. Mir musste nur noch was einfallen.

„Ist immerhin ganz schön frustrierend kein Sexleben zu haben“ gab er von sich.
Keine Ahnung was mich in diesem Moment geritten hatte aber ich hatte das Bedürfnis seinen guten Ruf – je nach dem wie man es betrachtete auch schlechten Ruf – zu zerbröseln.
Wollten wir doch mal sehen wie viel die Psyche meines Zwillings so aushielt.

„Ja“ seufzte ich und stützte mein Kinn auf meine Hand ehe ich ihn ansah und anzüglich lächelte.
„Ist schon echt frustrierend.“
Das mich alle anstarrten als wäre ich bekloppt – wie war das noch mal mit Privatsphäre – ignorierte ich geflissentlich und schloss meine Augen.
„Aber jetzt weiß ich wenigstens was die Weiber so an dir finden“ nuschelte ich dann und schob mir ein Stück meiner Waffel in den Mund.

Tom sah mich entgeistert an als ahnte er schon so was ähnliches was bald mal kommen würde.
Vom Rest der Anhängsel erntete ich nur fragende Blicke.
„Tom schafft es echt einen zum schreien zu bringen. Aber er ist einfach zu gut“
Gustav verschluckte sich an seinem Kaffee und David triftete schon ins Wachkoma ab. Ich fand das herrlich.
Vor allem den entsetzten Gesichtsausdruck den mein Zwilling zum Besten gab.

„Was willst du uns hier jetzt mitteilen?“ wurde ich von Georg gefragt und sah ihn unschuldig an.
„Überleg doch mal von wem Toms Kratzspuren stammen wenn er angeblich nur bei mir war“ lächelte ich selig und ich hatte das Gefühl das sich unser armer Produzent schon ausmalte wie er von der Brücke sprang um das nicht mehr ertragen zu müssen.

Man sah Georgs Gehirnzellen förmlich arbeiten und es rauchte symbolisch gesehen aus den Ohren.
Ja, ja. Denken war schon was Schwieriges wenn man es nicht konnte.
„Oh mein Gott!“ ließ er los und sah zwischen uns Beiden hin und her.
Ich glaube sogar Tom hätte mich am liebsten erwürgt.

„Gib mal Hand“ verlangte Gustav und zog meine Hand zu Toms Arm wo er meine Krallen auf die Schnitte legte.
„Die passen Haargenau. Tom verdammt, wie notgeil muss man sein?“ gab er fassungslos von sich und ich brach innerlich in einen Lachkrampf aus.

„Lass ihn doch. Er hat’s halt drauf“ grinste ich und erntete alle Blicke.
Trotzdem befand ich dass es Zeit war das Spielchen dem Ende entgegen zu bringen und stand deswegen auf.
„So Jungs. Ich lass euch dann mal alleine. Ich muss meinen Arsch ausruhen. Bye Bye“ meinte ich dann und bewegte mich winkend aus dem Speisesaal.

Im Aufzug angekommen fing ich nur das Grinsen an.
Das ich Tom bei der Meute allein gelassen hatte geschah ihm ganz recht. Man sollte mich nicht provozieren. Vor allem nicht in aller Herrgotts Frühe und nachdem man mir einen runtergeholt hatte.
Thats life. So war halt nun mal das Leben. Arme Sau. Man konnte schon fast Mitleid mit ihm haben.

Das Tom sauer auf mich sein würde war eigentlich ein Naturgesetz.
So was Ähnliches wie das die Schwerkraft ein Brot prinzipiell dazu bringt auf die Nutellaseite zu fallen.
Und was schließen wir daraus? Eine Konfrontation der besonderen Art mit meinem geliebten Zwilling ließ sich nicht vermeiden.

Das stellte ich fest als es eine halbe Stunde später an meiner Zimmertür hämmerte als wolle sie jemand einschlagen.
Ob ich aufmachen sollte war die andere Frage.
„Mach die verdammte Tür auf oder ich trete sie ein“ donnerte es von draußen und ich beschloss das sich die Frage erübrigt hatte.

Also öffnete ich das arme und leidende Holz und an mir preschte auch gleich mein Bruder vorbei der die Tür zudonnerte und mich dagegen drückte.
„Bei dir hakts wohl total oder? Was sollte denn der Scheiß bitte?“
„Lass mich überlegen. Ach ja…ich bin ja so sexlos“ gab ich sarkastisch von mir und sah ihn genauso sauer an.

Wir wollten hier mal nicht vergessen wer wen zuerst blöd angemacht hatte.
„Oder wolltest du mir damit per Blume erzählen dass du gern mal Sex mit mir hättest?“
WTF?
„Geht’s noch gut bei dir da oben? Du spinnst doch. Wer will mit dir schon Sex?“ giftete ich ihm entgegen und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien.
Was leider nicht funktionierte.
„Hm…lass mich mal überlegen. Die ganzen Weiber vielleicht?“
„Die haben auch kein Niveau. Ich schon, und jetzt lass mich los du tust mir weh“

Tatsächlich ließ Tom mich los und trat einen Schritt zurück.
„Sorry“ nuschelte er und ich fragte mich wofür er sich entschuldigte. So ne kleine Auseinandersetzung hatten wir ja öfter.
Nur das es da eben nicht um nen Fick zwischen uns ging.
Aber dafür hatte er sich wohl nicht entschuldigt. Zumindest ging mir die Glühbirne auf als ich seine Lippen auf meinen kleben hatte.

Hilfe?
Was tut man wenn einen der eigene Zwilling knutscht. Und wenn es darüber einen Ratgeber gibt, wo kriegt man den zum kaufen?

Nach einer Weile – keine Ahnung was mich geritten hatte – schloss ich meine Augen und erwiderte den Kuss.
Was an sich schon dämlich war. Noch dämlicher fand ich es aber das ich ohne mein zutun meine Arme um seinen Nacken legte.
Jetzt wusste ich zumindest was die ganzen Groupies an Toms Küssen fanden. Die waren nun mehr wirklich nicht mehr normal.
Ne Mischung aus sanft und wild. Und ich fragte mich in diesem Moment ob er die Weiber auch so küsste oder nur mich.


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