reflections

Tom, Ich und das Chaos – Kapitel 2

Noch mehr Kinder?





Ich erholte mich nur langsam von dem Schock meines Lebens.
Kinder!
Tom und Vater.
Ich hätte mich ja am liebsten kaputt gelacht aber ich glaube ich hätte den ganzen Bus angesteckt – so wie immer – und Tom wäre sich verarscht vorgekommen.

Vater….
Tom und Vater…
Vater?
Hilfe, ich bin für den Rest meines Lebens geschädigt.

Tom und Vater das passte genauso gut zusammen wie Bill und Georg. Bloß nicht dran denken Billy, sonst wird dir wieder schlecht.
Ich wollte da wirklich nicht dran denken. Aber das verging mir auch relativ schnell als ich meinen geliebten Bruder quer durch den ganzen Bus brüllen hörte.
„Verdammt ich hab ein Kondom benutzt“

Langsam fragte ich mich ob die Tussi es geil fand wenn mein Zwilling die Farbe wechselte und rumbrüllte wie Godzilla oder ob sie wirklich so dumm war und ihn noch hundert Mal anrief.
Auf dem Weg zu unseren Betten – ich wollte heute eigentlich nicht den ganzen Tag in meiner geilen Trainingshose rum rennen – kam mir Gustav aufgescheucht entgegen und hinterher gleich Georg der anscheinend beschlossen hatte sich im laufen anzuziehen.
Punkte standen dem ja mal so gar nicht.

Aus diesem Flüchten schloss ich einfach mal das Tom nicht nur so aussah als würde er gleich explodieren sondern auch kurz davor war.
Ich drehte mich wieder um. Meine Trainingshose war eigentlich schon sehr bequem und sah gut aus. Und auf Fotos würde sie sich auch gut machen. Also warum behielt ich sie nicht einfach an.

Ein Fingerzeig von Gustav in die andere Richtung machte mir klar dass es nun meine Aufgabe war Tom wieder auf dem Boden der Tatsachen – er hatte ganz sicher ein Kondom benutzt – zu holen und dass ich nicht einfach so vor meinem Leben flüchten durfte.

Da ich ein netter Mensch war – zu sozial um es genau zu sagen – drehte ich mich wieder um und lief zu unserem Schlafzimmer wo ich in der Tür stehen blieb und meine Augenbrauen in die Höhe wanderten.
Tom war gerade dabei seinen Koffer ins Jenseits zu befördern während er der Tussi am anderen Ende der Leitung zuhörte.

Ob es nun wirklich klug war sich da einzumischen war eine schwerwiegende Frage. Ohne Cornflakes konnte ich einfach nicht wirklich denken.
Und schon der Gedanke daran dass ich keine Cornflakes essen konnte trieb meine Stimmung auf den Nullpunkt.

So kam ich zu dem Entschluss dass ich dringend meine Wut ausleben musste – sonst bekam mein makelloses Gesicht noch Falten und Furchen – und ging auf Tom zu wo ich ihm das Handy wegschnappte.
„Hör zu. Tom hat hundert pro ein Kondom benutzt. Wer will bitte schon dass sich deine Fresse vermehrt. Und ruf bloß nicht mehr an sonst haste mich und ne fette Klage am Arsch hängen“ knurrte ich in Toms Kommunikationsgerät und drückte die rote Taste.

Ich hatte zwar keinen Schimmer wie die Tussi aussah aber das machte auch nichts. Für mich war jede Frau hässlich die Tom anschleppte.
Es könnte auch daran gelegen haben das die genauso wie mein werter Bruder schon einige Promille intus hatten.
Keine Ahnung warum, aber Frauen schienen bei Alkoholkonsum immer aufzugehen wie ein Hefekloß.

„Was war DAS denn?“
Die Entgeisterung in Toms Stimme brachte mich dazu sadistisch zu grinsen.
„Sagen wir es so. Du warst Schuld das ich keine Cornflakes bekommen habe also musste halt irgendwas leiden. Und sei froh das sie es war und nicht du“

Damit warf ich mich auf mein Bett und zog mir die Decke über den Kopf.
Einen wirklichen Drang mich jetzt noch umzuziehen hatte ich nicht wirklich. Wieso auch. Wir würden erst in ein paar Stunden in Warschau ankommen und ich war nicht gewillt mich schon so früh darüber aufzuregen das es in diesem Bus keine Privatsphäre gab.

Das ich keinen Widerspruch hörte war für mich ein Zeichen das meine Botschaft ankam oder mein Bruder eben jetzt in einer Art Leichenstarre vor sich hinsiechte.
Was mir auch im Moment egal war. Keine Cornflakes…diese Assis. Püh!
Ich beschloss noch eine Runde zu schlafen und war auch gerade dabei den Schlaf mit offenen Armen zu empfangen als ich merkte wie meine Matratze sich einem nicht von mir stammenden Gewicht beugte.

Kurze Zeit später hatte ich auch schon Toms Griffel um meinen Bauch und seinen Atem im Nacken.
Dazu schlängelte sich noch sein wohliges Seufzen in meine Gehörgänge und ich machte die Augen schlagartig wieder auf um zu checken dass alles hier komplett real und leider Gottes keine Einbildung war.

„Raus hier. Ich will pennen verdammt noch mal“ murrte ich und erntete von Tom nur seinen ruhigen Atem.
Mein Hirn weigerte sich es zu begreifen aber ich checkte es trotzdem. Tom war im Sekundenbruchteil eingepennt und meinte mich jetzt als Plüschtier missbrauchen zu müssen.
Eigentlich war ich auch boshaft genug um ihn aus dem Bett zu kicken wie ich es hundert Mal davor auch schon getan hatte.

Aber erstens hatte ich dafür jetzt keinen Elan und zweitens wollte ich auch nicht die Wärmequelle hinter mir verlieren.
Alle schlechte Laune über Board werfend schloss ich meine Augen wieder und dämmerte eine Weile ehe ich ganz einschlief.

Keine Ahnung wie spät es war, aber irgendwas weckte mich und ich versuchte mich verzweifelt an meinem Schlaf festzuklammern.
Man konnte mir das nicht antun jetzt wieder aufzustehen und womöglich noch mal ein Telefonat von Tom mit zu bekommen wo er in den Hörer brüllte dass er sehr wohl ein Kondom benutzt habe.
Extra feucht. Ja, was man nicht alles so beim aufräumen findet.

Als meine Augenlider mir den Dienst verweigerten und sich öffneten registrierte ich erst dass Tom nicht mehr hinter mir lag.
Wahrscheinlich hatte der sich weiß Gott wann aus dem Staub gemacht um Georg und Gustav mit dieser Story auf den Piss zu gehen.
Wenigstens musste ich jetzt nicht leiden. Auch wenn mir die Beiden Leid taten, soviel Egoismus musste einfach mal sein.

Müde schob ich meine Beine aus dem Bett und wankte Richtung Essecke ehe ich stehen blieb und die Stirn runzelte.
Das konnte ja wohl nicht wahr sein.
„Tom? Isst du da gerade Cornflakes?“
Tom nickte nur mit vollem Mund und deutete auf die Kiste mit Milch die ich betrachtete ehe mein Blick wieder zu meinem Bruder wanderte.

„Hast doch gesagt ich bin schuld. Jetzt schaufel rein du Fresskanone“ grinste er nachdem er geschluckt hatte und ich schüttelte nur den Kopf.
Da ich allerdings jetzt erst aufgestanden war konnte man das als Frühstück bezeichnen.

Also setzte ich mich mit meiner Schale Cornflakes Tom gegenüber als ein nervtötender Klingelton durch den Bus schallte und Georg über mich drüber kroch um an sein Handy zu kommen.
Nach einigem zuhören klappte Georg den Mund auf und ich hörte den Satz den ich niemals hören wollte.
„Verdammt, ich hab ein Kondom benutzt“


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