reflections

Zweisames Zerbrechen – Kapitel 3
Viele unserer Träume!


Man spürt selten,
was Glück ist,
aber man weiß meistens,
was Glück war.


Unbekannter Dichter






Der nächste morgen war für mich ein einziges Fiasko.
Man sollte meinen, nachdem ich mir gestern einen Teil meiner Schuld eingestanden hatte, ginge es mir besser. Das ist ein Fehlschluss.

Das erste was mir nämlich an diesem morgen auffiel, außer das diese verdammte Sonne immer dann schien wenn ich ausschlafen konnte, und somit nicht mehr schlafen konnte, war, das ich allein im Bett lag, und der Teil auf dem Tom gelegen hatte bereits kalt war wie der Nordpol.
Also musste sich der feine Herr schon vor Urzeiten aus dem Staub gemacht haben, und das allein beförderte meine Laune in den Keller.
Wenn das alles gewesen wäre, wäre ich glücklich gewesen.

Nein, die Tragödie musste natürlich weiter gehen.
Als ich meinen sexy Hintern irgendwann aus dem Bett bewegte und dabei innerlich die Sonne und somit das ganze Himmelssystem verfluchte, stieß ich mir mein Knie an dem Nachttisch an und es tat mehr als weh.
Laut fluchend und schimpfend versuchte ich dann irgendwie ins Bad zu gelangen um meine Laune zu retten, indem ich eine warme und lange Dusche nahm.

Natürlich wurde mir wieder ein Strich durch die Rechnung gemacht, als ich mich wegen meinem Klamottenhaufen vollends auf die Fresse legte und den Teppichboden somit sehr genau betrachten konnte.
Als ob das nicht schon genug gewesen wäre, verbrannte ich mich mit dem Wasser in der Dusche und bekam keine zehn Minuten später Shampoo ins Auge woraufhin ich heulte wie ein Kleinkind.

Angenervt, angepisst und mit der schlechtesten Laune seit damals als Tom bei einer Klassenfahrt in meine Tasche gekotzt und mich nicht gewarnt hatte ehe ich reinlangte, schaffte ich es mich zu stylen und in Klamotten zu schlüpfen mit denen ich ansatzweise fotografiert werden konnte, sollten Fans auftauchen, schleppte ich mich runter in den Speisesaal und wurde erst einmal mit skeptischen Blicken beäugt.
Diese Blicke und die dazugehörigen Augenpaare gehörten keinen Anderen als David unserem Produzenten, Zaki unserem Bodyguard, Gustav und Georg unseren Bandmitgliedern und dieser Mistmade Tom, der laut Papier meinen Bruder darstellen sollte.

Murrend und Tom voll und ganz ignorierend ließ ich mich auf den freien Platz neben Gustav fallen der mir auch gleich einen Schwung voll Zettel unter die Nase hielt.
Natürlich wusste ich dass es sich wieder um eine dieser sagenumwobenen Fanfictions mit Twincest Inhalt handelte.
Aber das war auch nicht der Grund warum ich das Gesicht verzog, es gab einen Anderen.

„Du findest das auch grausig oder?“ kam die hoffnungsvolle Frage von Tom.
In diesem Moment beschloss ich mich das erste Mal offensichtlich gegen ihn zu stellen und ihn somit zu verwirren.
„Nein, find ich nicht. Mir ist das relativ egal. Es geht hier um die Rechtschreibfehler. Hast du dir mal die Grammatik angeschaut? Hier guck mal. Hier, siehst du? Nun guck doch endlich“

Das war wahrscheinlich der längste Satz, oder besser gesagt, der erste Redeschwall seit Monaten den ich auf Tom einprasseln ließ, und das verwirrte ihn offensichtlich. Oder besser gesagt, es überforderte ihn schlichtweg.
Er machte den Mund auf um was zu sagen, nur kam irgendwie nichts raus.
„Du…hast nichts dagegen das diese Weiber so was über uns schreiben?“ kam es verdattert von ihm und er glubschte mich an als hätte ich gerade gestanden das ich schwul war, eine heimliche Affäre mit Georg hatte, David mein Ex war und ich eigentlich vor hatte mit Zaki eine Beziehung zu beginnen ehe ich mich entschlossen hatte doch lieber auf Tom umzusteigen.

„Scheiß auf die Weiber, es geht hier um die Grammatik, siehst du das nicht? Das sticht einem ja ins Auge und die Augäpfel gleich raus. Das ist einfach grausam. Findest du nicht?“ labberte ich weiter auf ihn ein und guckte ihn unverständlich an. Also das Grammatikproblem musste man doch sehen.
„Äh….ich kann weiß Gott nichts entdecken“
Tom klang baff und starrte mich immer noch an.

„Mich wundert es nicht im Geringsten wenn du nichts siehst. Auf meinem Gesicht steht auch nichts. Hier…guckst du hier! Daaaaaaaa~ sind allein schon 7 Fehler drin, in einem einzigen Satz. Und im ersten auch noch“
Bei diesem Getexte stellte ich mich hinter Tom und hielt ihm den Blätterstapel vor die Nase was er mit einem ‚Äh’ kommentierte und mich dann über seine Schulter hinweg ansah.
„Du bist eindeutig Grammatikgeil. Aber das es schon so weit geht, hätte ich nicht gedacht“

Ein Schnauben und ein giftiger Blick von meiner Seite signalisierten ihm, dass er gerade ganz dezent und unauffällig meine gute Laune in den Abgrund gestoßen und somit meine Schlechte wieder zu Tage befördert hatte.
Ziemlich sauer ließ ich mich wieder auf meinen Platz fallen und goss mir Kaffee in die Tasse ehe ich über den Tisch langte und Georg eine Zigarette aus der Schachtel entwendete die ich anzündete und daran zog.
Während die Anderen mich sprachlos und Tom zerknirscht anstarrten grabschte ich nochmals über den Tisch und krallte mir somit Davids Kugelschreiber wo ich anfing diese Geschichte zu korrigieren während ich weiter rauchte.

Insgeheim fragte ich mich jedoch ob es wahr war das ich Grammatikgeil war.
Ich meine, ich war wirklich extrem was Rechtschreibung oder Kommasetzung anging.
Das überstieg manchmal sogar das Maß unseres früheren Deutschlehrers, aber ich konnte es nicht lassen.
Ich konnte es einfach nicht ertragen etwas zu lesen das ich Aufgrund der Grammatik kaum entziffern konnte. Vielleicht war ich doch ein bisschen gestört und gehörte in Behandlung so wie es mir meine damalige Klassenlehrerin vorgeschlagen hatte.
Andererseits hätte ich somit zugegeben dass mit meiner Psyche etwas nicht stimmte, und das konnte ich nicht riskieren.
Vor allem nicht Tom gegenüber.
Das wäre der Verlust meiner Autorität, und das wollte ich auf keinen Fall.

Die ungläubigen Blicke meines Bruders ignorierte ich gekonnt, während ich weiter diese mit Grammatikfehlern verseuchte Geschichte korrigierte und feststelle, beim überfliegen versteht sich nicht beim lesen, das dieses Teil genial war, vom Inhalt her versteht sich.
Vielleicht sollte ich doch so schnell wie möglich diese verdammte Internetseite aufsuchen und mir etwas von dieser Lektüre zu Gemüte führen.
Der Tag war perfekt dazu. Ich hatte nichts vor, hatte keine Termine, hatte nicht vor mein Zimmer zu verlassen geschweige denn dieses Hotel und schon gar nicht kam in Frage das ich mich mit den Anderen zusammensetzte und über ein Thema plauderte bei dem ich eh nichts vernünftiges beisteuern konnte. Sprich: Frauen, Sex, Flirt und alles was damit verbunden war.
Ich hatte kein Sexleben, das wusste jeder, sogar unsere Fans. Also wozu sollte ich mir die Mühe machen und darüber auch noch reden, um festzustellen, dass sogar Gustav mehr Sex hatte als ich.

Für mich war dieses Thema einfach nur furchtbar frustrierend und zudem auch gar nicht gut für meine Nerven.
Wenn ich jemanden ein Messer sonst wohin rammen wollte, dann brauchte ich dazu garantiert nicht dieses Thema.
Es machte mich aggressiv, frustriert und depressiv.
Kein normaler Mensch tat sich das freiwillig an. Es sei denn sie waren Masochisten und standen auf Schmerzen, aber darüber wollte ich gar nicht nachdenken.

„Er korrigiert jetzt nicht wirklich diese Fanfiction oder?“ kam die verzweifelte Frage meines Bruders und wanderte stolzierend über den Tisch zu den Anderen die mich ebenfalls entgeistert betrachteten.
„Ähm…doch, tut er“ kam es von Georg und ich hob eine Augenbraue ehe ich sie der Reihe nach fixierte.

„Was denn? Irgendwer muss es ja machen wenn die Schnepfe das nicht allein auf die Reihe bekommt“
War ja auch wahr. Welcher Mensch mit einem funktionierenden Schmerzsystem konnte das Ding schon lesen ohne einen Schreikrampf zu bekommen. Und damit meinte ich garantiert nicht den Inhalt.
Das war so wie bei…äh…bei Peperoni. Es tat einfach weh auch wenn es nicht scharf war und man sich den Schmerz nur einbildete.

Irgendwann hatte ich es geschafft und reichte Gustav den Blätterhaufen wieder ehe ich seufzte und mich zurücklehnte.
Meine Zigarette war irgendwann während dieser harten und schmerzvollen Arbeit in meiner Kaffeetasse untergegangen und ich hob eine Augenbraue.
Den konnte ich eh vergessen, also beschloss ich mir lieber Kaffee, und zwar Literweise, aufs Zimmer bringen zu lassen und mich dort intensiv und voller Hingabe den restlichen Fanfictions zu widmen.

Gedacht, getan. Also stand ich auf, streckte mich kurz und teilte den anderen mit das ich mich nun wieder in meine vier Wände begeben und dort weiter schlafen würde, was sie alle mit mitleidigen Blicken kommentierten.

Ja, ja, haltet mich ruhig für geistesgestört, dachte ich mir und verschwand aus dem Speisesaal wo sich ein Grinsen auf meine Lippen legte.
„Was grinst du so?“
Die Stimme neben mir hatte mich so erschreckt das ich aufquiekte und die Person die dort stand, kein geringerer als Tom der dem Teufel irgendwann mal geschworen hatte mich zu belästigen bis ich freiwillig Suizid beging, anstarrte ehe meine rechte Hand den Weg auf mein Herz fand.
„Bist du irre? Ich wollte meinen 18. eigentlich noch erleben.“ fauchte ich und beruhigte mich langsam wieder.

„Warum grinst du so?“
Ging ihn das in irgendeiner Weise was an? Wann, wieso, warum und weshalb ich grinste war mein Problem.
Wenn es Tom störte musste er nicht hinsehen, aber das tat er natürlich um mir weiter auf den Sack zu gehen.
„Ich dachte gerade an mein Bett und wie schön es wäre wenn sich heute der Rest der Menschheit von mir fern hält bis ich meinen Arsch wieder da raus bewege“ gab ich bissig von mir und ging zum Aufzug.
Als ich eingestiegen war und mich umdrehte um den Knopf zu drücken, war das einzige was ich noch sah bevor sich die Türen schlossen, meinen Bruder der mit hängendem Kopf auf den Boden sah und versuchte das Glitzern in seinen Augen, das von kommenden Tränen herrührte, zu verbannen.

In diesem Moment tat es mir unglaublich leid, dass ich so zu ihm war, wie ich eben war.
Es tat mir unendlich leid, dass ich Tom nicht das geben konnte was er versuchte zu bekommen. Meine Aufmerksamkeit und meine Bruderliebe.
Und es tat mir so unendlich leid, dass ich nicht bemerkte wie er jedes Mal innerlich zerbrach wenn ich ihn so behandelte.

Mein schlechtes Gewissen wurde jedoch sofort ausgeblendet als ich daran dachte, wie oft er mir schon den Schlaf geraubt und mich für diese Weiber links liegen gelassen hatte.
Denn eigentlich brauchte er mich nur wenn es mit seinem Sexleben nicht gut genug lief.
Für ihn war ich nicht sein Zwilling sondern derjenige der immer in seiner Nähe war wenn was scheiße lief, oder er sonst niemanden hatte.

Ohne schlechtes Gewissen und mit einem gleichgültigen Gefühl ihm gegenüber in der Magengegend betrat ich mein Zimmer und schmiss hinter mir die Türe zu.
Ich schaffte es ohne Zwischenfälle an den Schreibtisch und somit zu meinem Laptop der heute hoch fuhr ohne Zicken zu machen, was mich wiederum glücklich machte.
Es waren eben doch die einfachen Dinge im Leben die einen glücklich machten.

Kaum war das Internet angesprungen tippte ich die Internetadresse ein und –flopp- schon erschien sie.
Sah eigentlich ganz nett aus, wenn darüber nicht in Großbuchstaben ‚TWINCEST’ gestanden hätte. Aber das war jetzt mal nebensächlich. Wenigstens konnten sie dieses Wort richtig schreiben.

Der Entschluss erst einmal durch dieses Forum zu tümpeln und mich danach den Geschichten zu widmen, hatte sich in meinem Gehirn festgefressen und ließ nicht los.
Also gab ich nach und tat eben das zuerst was man normalerweise immer tat. Man verschaffte sich einen Überblick über das Schlachtfeld und schmiedete dann einen Plan um den Feind, in diesem Fall die Grammatikfehler, auszumerzen.
Bei genauerer Überlegung kam ich zu dem Schluss das ich klang wie ein 70-jähriger alter Sack, der über den zweiten Weltkrieg redete, und das war sicher kein Zeichen meiner makellosen Psyche, das war einfach nur krank.

Während ich den Gedanken beiseite schob war ich irgendwie in den Suche-Theard geraten und entdeckte ein Wort das ich nicht kannte.
‚Suche Betaleser’
Was zur Hölle waren Betaleser?
Neugierig wie ich nun mal war klickte ich darauf und las mir den Text durch.
Betaleser waren Menschen die zuviel Zeit hatten oder zu wenig Freunde oder einfach kein eigenes Leben und stattdessen Fanfictions korrigierten.

Ich scrollte wieder nach oben und klickte auf ‚anmelden’ wo ich mich einfach in diesem Forum registrierte.
Das war mein Traumjob auf den ich ewig gewartet hatte. Außer der Musik natürlich, ich war halt doch Rechtschreibgeil.
Selbst konnte ich nichts dafür. Ich wäre wahrscheinlich nie so geworden wenn Tom nicht immer diese abartigen Fehler gemacht hätte, die Lehrerin ihn zusammengeschissen hätte und ich nicht so viel Mitleid mit ihm gehabt hätte, das ich anfing seine Deutscharbeiten zu korrigieren.
Dann kamen Englisch und Französisch dazu. Und somit war ich Rechtschreibgeil oder Grammatikgeil geworden. Tom war also schuld, das ich so war wie ich war.

Kaum war ich registriert schrieb ich dem Mädel zurück das ich wahnsinnig gerne Betaleser machen würde, weil ich sonst eh nichts Besseres zu tun hatte und außerdem Grammatikgeil war.
Damit gab ich mich zufrieden, sie würde sich schon melden wenn sie mich noch brauchen würde.
Ich befand es als sehr positiv, so musste ich mich im Van nicht mit Tom auseinander setzen sondern konnte in Ruhe korrigieren während ich mich mit lauter Musik beschallen ließ und somit mein Gehör dazu zwang sich zu verschließen.
Natürlich hätte ich auch auf meine Gesundheit achten können und einfach die Ohren nicht mehr putzen können, aber das war einfach nur eklig.

Als ich ein grausames Geräusch hörte das klang wie ‚aoh’ in einer quietschenden Kinderstimme registrierte ich das ich über ICQ angelabert worden war.
Neugierig klickte ich auf die Nachricht und eine gewisse ‚Türpi’ meldete sich, die mich fragte ob ich Lust hätte ihre Fanfiction zu korrigieren.
Mir kam das mehr als recht und ich schrieb ihr zurück das ich sehr wohl Lust hatte, ein großer Tokio Hotel Fan war (was ja auch stimmte, ich sang ja in besagter Band) und sowieso nichts besseres zu tun hatte.
Kurz darauf wurde mir auch schon besagtes Dokument geschickt und ich speicherte das in einem Ordner den ich in meiner Inspirationsphase ‚Traumjob’ genannt hatte.

Ein bisschen in Gedanken versunken wühlte ich mich durch diverse Bilder von uns die, die Fans gezeichnet hatten und stieß dabei unerwartet, okay ich hatte es erwartet aber das würde sich so anhören als hätte ich nur deswegen die Bilder durchwühlt, auf eine Bildmontage wo Tom und ich so zusammen geschnitten worden waren, das es aussah als würden wir uns im nächsten Augenblick küssen.
Fasziniert, nicht über das Bild sondern wie man so etwas hinbekam, betrachtete ich das Ding bestimmt 5 Minuten bis ein penetrantes Klopfen an mein Ohr drang.

Wer auch immer jetzt etwas wollte musste sterben.
„Was?“ rief ich also und drehte mich zur Tür um, um die Antwort besser zu verstehen.
„Bill kann ich rein?“
„Moment“ quiekte ich und hopste auf wo ich mich prompt am Schreibtisch anschlug und durch die Gegend hüpfte.
Das hatte bestimmt lustig ausgesehen. Ich sah schon die Schlagzeile vor mir.

Tokio Hotel Sänger Bill Kaulitz steigt bei US5 ein.
Hier die Hupfduhleneinlage für Maria.

So weit durfte es niemals kommen, aber was machte ich jetzt mit dem Twincest-Scheiß?
Ich hatte keine Zeit den Laptop runter zu fahren also klappte ich ihn nur zu und machte meinem Bruder die Türe auf der mich argwöhnisch ansah.
„Ich dachte du wolltest ins Bett?“
Ach ja, ich hatte gesagt ich wollte ins Bett. Hatte ich das? Ach ja, unten.
„Öhm…ja…das wollte ich auch aber dann…ist mir was dazwischen gekommen“ log ich und ließ Tom rein ehe ich hinter ihm die Tür schloss.

Während ich ins Bad ging um mein Knie zu untersuchen, machte ich so nebenbei den größten Fehler meines Lebens und ließ Tom allein in meinem Zimmer.
Das allein war nichts Schlimmes. Und bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich auch noch, dass Tom nicht in meinen Sachen herumschnüffeln würde, weil er das nie tat, im Gegensatz zu mir. Aber das tat ich wiederum auch nur wenn ich einen triftigen Grund hatte wie zum Beispiel die Blondine die in der Nacht so laut gestöhnt hatte.

„Bill? Kommst du mal?“
Innerlich fluchte ich und hopste nach draußen um zu sehen warum Tom jetzt schon wieder was von mir wollte.
„Was ist das?“
Als ich Tom’s Blick folgte traf mich im Alter von zarten 17 der Schlaganfall und trieb mich dem schwarzen Abgrund noch näher.
„Öh…Twincest?“ fragte ich zurück und schluckte kurz.
Warum mir das so peinlich war konnte ich selbst nicht sagen. Wahrscheinlich lag es daran das ich dachte, was Tom über mich denken musste wenn ich Inzest unter uns Beiden auf dem Bildschirm meines Laptops hatte.

„Und warum hast du das auf dem Laptop?“
Konnte er mit der Fragerei nicht aufhören? Es machte mich nicht nur nervös ich musste auch den Grund angeben.
Und den wollte ich Tom weiß Gott nicht sagen.
„Weil ich mal genauer wissen wollte was das ist und mit was die anderen Beiden als nächstes ankommen!“ gab ich trocken von mir und setzte mein Pokerface auf.

Von Tom erntete ich einen ungläubigen und durchdringenden Blick und versuchte mein Gesicht ausdruckslos zu lassen.
Im Inneren wünschte ich mir jedoch nur das ich Gevatter Tod endlich die knochigen Flossen schütteln durfte um somit aus der Schmach zu entkommen.


Eigentlich hätte mir schon früher auffallen müssen, dass Tom schon lange nicht mehr mit mir einer Meinung war.
Mir hätte auffallen müssen, dass Tom es vorzog mir einfach meinen Willen zu lassen und nichts dazu zu sagen, so wie sonst.
Mir hätte einfach auffallen müssen, dass Tom schon lange nur noch eine Hülle mit zerbrochenem Inhalt war.
Es hätte mir auffallen müssen, dass Tom’s Herz und seine Seele schon längst auf dem Weg waren zu sterben.

Wir hatten so viele unserer Träume erreicht die wir uns damals zusammen ausgemalt hatten.
Wovon wir zusammen geträumt hatten.
Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, aber tief in mir wohnten noch die Erinnerungen an diese eine Nacht.
Die Nacht in der wir zusammen im Gras in unserem Garten lagen, unsere Finger verhackt und die Sterne betrachtet hatten. Diese eine Nacht in der wir uns geschworen hatten uns niemals zu verändern und den Anderen nie alleine zu lassen, auch wenn wir mal berühmt werden sollten.

An diesem Tag hätte ich mich daran erinnern sollen.
Und an genau diesem Tag hätte mir auffallen sollen, dass Tom innerlich nach meiner Hilfe schrie.
Das er um seinen Bruder weinte, flehte und zitterte.
An diesem einen Tag, hätte mir auffallen müssen, das mein Bruder eine Wette mit dem Tod geschlossen hatte.
An diesem Tag, hätte ich bemerken müssen dass Tom sein Leben für meines hinwarf.



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