reflections

Zweisames Zerbrechen – Kapitel  6

Irgendwann endet alles


 

Achte steht’s auf deine Gedanken, sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte, sie werden zu Handlungen
Achte auf deine Handlungen, sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, sie werden zu deinen Charaktereigenschaften.
Achte auf deinen Charakter, er wird dein Schicksal.


 

Unbekannter Dichter







Der nächste morgen war nicht wie jeder Andere. Das ich nicht aufwachen, geschweige denn aufstehen wollte, war es nicht was mich stutzig machte.
Denn das was an diesem morgen anders war, war die Tatsache, dass Tom noch immer bei mir lag und anscheinend schon eine Weile wach war.
Das bewies mir das gleichmäßige Streicheln auf meinem Rücken. Wenn Tom erst kurz vor mir aufgewacht wäre, dann würde dieses Streicheln sich abgehackt anfühlen, da er in diesem Zustand seine Bewegungen nicht sonderlich koordinieren konnte.

Obwohl ich mich nicht erinnern konnte wann er mich das letzte Mal so berührt hatte, und es für mich reichlich ungewohnt war blieb ich liegen und drückte mich instinktiv noch mehr an meinen Bruder.
Ich weiß, dass es egoistisch war, aber ich wollte mehr von diesen Berührungen spüren.
„Morgen“
Die Stimme von Tom klang an diesem morgen nicht so wie ich sie in Erinnerung hatte.
Sie klang nicht nach dem Macho der er nun mal war und dessen Charakter ich inn- und auswendig kannte.
Unerwarteter Weise klang sie sanft und liebevoll, was mir eine Frage in mein Hirn meißelte.
War Tom zu allen so sanft mit denen er im Bett lag? Mit den ganzen Schnepfen die am nächsten morgen noch da waren?

Bei dieser Frage hätte ich schwören können, dass meine Galle hoch kam. Ich wollte nicht wahr haben, das mein Tom zu jedem so sanft war und nicht nur zu mir.
Doch vergrub ich diese Gedanken schnell unter dem Wahnsinnsgefühl das seine Berührungen auslösten.
Meine Hand, die noch vom Vorabend auf Tom’s Taille lag, legte ich automatisch auf seinen Rücken und hielt ihn somit fest. Mit dieser Tat erntete ich ein Seufzen von ihm und blickte ihn verwirrt an.
„Kuschelhase“ bekam ich als antwort und zog eine Schnute.
Er wusste doch, dass ich diesen Namen nicht leiden konnte.
Früher hatte er mich immer so genannt…aber heute nervte es mich nur und ich sah Tom an das er es anscheinend vergessen hatte, denn sein Blick sprach Bände.

Das sanfte Lächeln das sich auf meine Lippen legte, konnte ich nicht wegwischen. Ich hatte keine Ahnung woher es kam oder warum es blieb aber ich versteckte mein Gesicht wieder in Tom’s Halsbeuge und atmete seinen Duft ein während ich die Augen schloss.
Es war schon immer so gewesen, dass Tom eine Wirkung auf mich hatte wie kein Mensch sonst.
Für mich war immer klar, dass wenn ich eine Freundin hätte, sie mit Tom leben müsste. Denn diesen hätte ich für nichts in der Welt hergegeben.

Zu diesem Zeitpunkt fiel mir eine peinliche Angelegenheit ein, die wir damals in der 7. Klasse fabriziert hatten.
Es war schon immer so, dass Tom und ich komplett aufeinander fixiert waren, aber zu dieser Zeit war es am schlimmsten. Wir konnten uns keine zehn Minuten trennen, weil wir Angst hatten den Anderen nicht wieder zu sehen.
Im Matheunterricht kamen wir zum Schluss auf die geniale Idee unsere Namen auf die linke Hand des jeweils Anderen zu schreiben.

Natürlich erhielten wir auf dem Pausenhof doofe Kommentare, aber mich störte das nicht. Ich hing halt an Tom, für mich war das normal.
Nach der Pause ging Tom noch aufs Klo und ich versuchte seinen Arsch zu retten indem ich meine Französischarbeit auf sein Heft übertrug, damit er wenigstens die Hausaufgaben hatte.
Ich wünschte ich hätte es nicht getan, denn als Tom wieder kam fehlte etwas. Mein Name auf seiner Hand fehlte, dafür war diese komplett rot.
Er musste wirklich wie ein Verrückter geschrubbt haben um ihn runter zu bekommen, da dieser mit Edding geschrieben war.

Und wenn ich ehrlich war, es tat mir weh. Aber ich sagte nichts dazu sondern schenkte ihm nur ein Lächeln und ließ seinen Namen über Wochen hinweg verblassen bis er verschwunden war.

Wenn ich heute so darüber nachdachte hatte Tom wohl recht gehabt. Es war kindisch gewesen und er hatte es halt bemerkt.
Trotzdem tat es heute immer noch weh, da ich mir sehr gut vorstellen konnte, dass Tom diese Schwuchtelkommentare nicht hören wollte und meinen Namen deswegen weggewischt hatte.
Soviel zu der Zeile in ‚Rette mich’.
Eigentlich wollte ich nicht darüber nachdenken aber diese Gedanken kamen einfach, weil ich das Bedürfnis verspürte seinen Namen auf meine Hand zu schreiben.
Allerdings konnte ich das nicht bringen. Erstens würde mich jeder für total bescheuert einstufen und Zweitens war da immer noch die Presse.
Und weiß Gott, ich hatte keine Lust auch noch in einem Interview über Twincest ausgequetscht zu werden.
Ich wollte auch gar nicht wissen, was die Leute im Studio über mich denken würden, wenn ich das getan hätte.

STUDIO!
Ich hatte doch heute meine Aufnahmen, verdammt noch Mal.
Erschrocken fuhr ich hoch und suchte den Raum nach irgendeiner Uhr oder einem Handy ab während ich Panik schob.
Eine Hand auf meinem Bauch die mich wieder in die Kissen zog ließ mich mit meinen panischen Gedanken jedoch inne halten und stattdessen Tom ansehen.

„Du hast um 10.00 Aufnahme. Wir haben es 08.30 Uhr.“
Ich kann gar nicht beschreiben wie erleichtert ich war nicht verschlafen zu haben und atmete dem entsprechend aus.
Tom fand das Ganze wohl sehr witzig, da er mich nur angrinste und zu mir rückte, da ich als ich mehr oder weniger in die Höhe geschossen, von ihm weggerutscht war.
„Grins nicht so“ murrte ich ihn an und sein Grinsen wurde noch breiter was mich schmollen ließ.
„Du siehst aus wie ne Palme“
Hä? Ich tastete meine Haare ab und seufzte, war ja klar das die da standen wo ich sie nicht gebrauchen konnte.
Aber in diesem Moment störte mich das nicht. Ich war zu sehr damit beschäftigt mich auf dieses Gefühl zu konzentrieren.
Es war in diesem einen Augenblick genauso wie früher und ich genoss es sichtlich, ehe ich mich wieder zu Tom drehte und ihn einfach ansah.

Aufschrecken tat ich als Tom’s Hand sich meinem Gesicht näherte und er mit einem Finger meine Wimpern entlang fuhr.
Das hatte ihn so viel ich wusste schon immer fasziniert. Also nicht Wimpern, sondern das ich so lange Wimpern hatte und er nicht.
Aber ich war halt das zierliche Persönchen das man locker für ein Mädchen halten konnte.
Und wenn ich ganz ehrlich war, es machte mir Spaß das zu sein. Ich wusste, dass ich mich im Grunde immer auf Tom verlassen, mich immer hinter ihm verstecken konnte und mir mein Rückhalt sicher war.

Genau aus diesem Grund existierte der Song ‚An deiner Seite (Ich bin da)’. Es war eigentlich komplett logisch das ich nicht zugab das ich damit eigentlich nur Tom meinte, aber das wäre auch irgendwie doof gekommen.
Und vor Twincestern war man nie sicher. Aber wenn man es objektiv betrachtete mutierte ich schon selbst zu einem und fand die Vorstellung von mir und Tom nicht mal ansatzweise schlimm sondern eher toll, und das war für mich einfach nur beängstigend.

Das ist in meinen Gedanken versunken war merkte ich erst als ich Tom’s Augen an meiner Wange spürte und irritiert suchte ich seinen Blick der meinem auswich.
Ich verstand nicht warum Tom mir auswich. Nur weil ich ihn manchmal anzickte war es kein Grund mir auszuweichen.
Allgemein konnte man sagen ich verstand meinen eigenen Zwilling überhaupt nicht mehr. Weder sein Handeln noch seine Worte, und tief in meinem Inneren tat es weh das so zu spüren.

„Ich hab das abartige Verlangen nach Multivitaminsaft“ gab ich von mir und begriff selbst nicht warum ich so ein Verlangen danach hatte.
Ich mochte das Zeug noch nicht mal. Ich hasste es. Ich hasste die Farbe, das Etikett, den Geschmack. Ich musste es nur aus 50 Metern Entfernung sehen und mir wurde so unbeschreiblich schlecht, dass man es sich nicht vorstellen konnte.

Dementsprechend ungläubig starrte Tom mich auch an.
Um genau zu sein sah er mich an als wäre ich ein zerfleischtes Karnickel und mein beklopptes Zaubererherrchen würde lachend daneben stehen und sagen ich lebe gleich wieder.
Und wenn ich mir das so genau betrachtete hatte ich abartige Vergleiche was mich betraf. Welcher Mensch mit normalem Verstand und funktionierender Psyche kam schon auf die Idee, dass er aussehen würde wie ein zerfleischtes Karnickel?
An Weihnachten hätte ich einmal auf meine Familie, sprich meine bekloppte und Blümchenkleid tragende Tante Friede, hören und in Behandlung gehen sollen, weil der Stress mir eindeutig nicht gut tat.
Es fehlte ja nur noch das ich mir einbildete Bridget Jones zu sein und mich in meinen Verlegerboss verknallt zu haben, obwohl ich nicht mal bei einem Verlag arbeitete.

„Geht’s dir gut?“
„Ja…aber ich hab immer noch dieses Verlangen“

Tom löste sich aus seiner Starre und griff nach dem Telefon wo er mir eine Flasche Multivitaminsaft anorderte.
Das liebte ich so an meinem Zwilling. Er telefonierte in aller Herrgotts Frühe für mich, weil ich mich einfach nur scheiße anhörte.
Um genau zu sein hörte ich mich an wie eine verrostete Kreissäge aus dem zweiten Weltkrieg.
Jetzt bestand nur die Frage ob es da überhaupt schon Kreissägen gab.

In diesem Moment hielt ich es auch nicht für nötig Tom zu danken, denn für mich war das einfach selbstverständlich, dass er das für mich tat.
Hätte ich geahnt was an diesem Tag noch passieren sollte, wäre ich aus seinem Bett und aus seinem Zimmer geflüchtet ohne mich noch einmal umzudrehen.
Aber leider konnte ich nicht hellsehen.

Als es klopfte stand Tom auf und nahm die Flasche entgegen die er mir reichte.
Ich schraubte sie auf und trank unbehelligt daraus, und es erschien mir auch nicht als merkwürdig dem mir das Zeug auf einmal schmeckte.
Tom beobachtete das ganze nur mit äußerster Skepsis und ich zuckte während dem Trinken nur mit den Schultern.
Sollte er mir meine Abartigkeitsanfälle doch lassen.

Nachdem ich die halbe Flasche geleert hatte stellte ich sie am Boden ab ehe ich mich in die Kissen fallen ließ.
Keine Ahnung warum aber in diesem Moment wollte ich bei Tom bleiben, als ob ich es geahnt hätte das sich alles verändern würde.
Noch mehr als es sich schon verändert hatte.

Wir lagen stumm nebeneinander und starrten die Decke an. Früher hatten wir immer geredet und scheiße verzapft und nun lagen wir stumm nebeneinander und schwiegen uns an während die Stille um uns herum immer erdrückender wurde.
Wir hatten wohl eine gute Stunde so gelegen denn auf einmal klingelte Tom’s Handy das die Weckfunktion präsentierte und in einem unerträglichen Ton vor sich hin sang.
Ich machte ein gequältes Gesicht und Tom nahm sich die Zeit um sich umständlich umzudrehen und das mörderische Klingeln zu töten indem er es einfach mit der roten Taste abwürgte.

„Du musst los“ war das einzige was er zu mir sagte und ich nickte ergeben.
Trotzdem blieb ich noch gute drei Minuten liegen und seufzte als ich aufstand und meine Klamotten zusammen sammelte.
Ich musste mich in Tom’s Bad erst mal anziehen ehe ich über den Flur lief. Wer wusste schon wer um diese unhumane Urzeit draußen rum rannte. Twincestern, Fans und Paparazzi traute ich alles zu, genauso wie Gustav, diesem verdammten Frühaufsteher.

Also schleppte ich mich mit den Klamotten in Richtung Bad und warf aus Versehen einen Blätterhaufen nach unten der vor meinen Füßen liegen blieb.
Ein schweres Seufzen entglitt meinen Lippen und ich machte mich daran Tom’s Zeichnungen aufzusammeln wo er schnell aufsprang, was ich aber nicht wirklich verstand.
War doch nichts Schlimmes.
Zumindest war ich dieser Ansicht bis mir seine anscheinend neuste Zeichnung in die Hände fiel, und sie machte mich wütend. Sehr wütend sogar.
So wütend das ich aufstand und ihm das Blatt vor die Nase hielt als er vor mir zum stehen kam.
„Was soll das?“ fauchte ich sogleich auf 180 und spürte mein Blut schon in den Kopf wandern.
Allerdings nicht vor Scham sondern vor unbegreiflicher Wut und Hass.

„Hab nur gezeichnet“
Es kam so unterwürfig rüber wie Tom es anscheinend meinte denn er machte sich instinktiv klein, was wahrscheinlich auch gut so für ihn war.
„Gezeichnet also!“ schrie ich und besah mir noch mal die Zeichnung.
„Dich und mich, nackt und am rumlecken. Das nennst du NUR zeichnen?“ schrie ich weiter und ich war nicht gewillt damit aufzuhören.
Ich war Sänger, und ich hatte verdammt viel Luft in den Lungen.

„Das ist doch abartig und pervers. Mich anscheißen, weil ich mich informiere und du zeichnest so einen Dreck. Das ist nur noch abartig Tom“ schrie ich weiter und holte wieder Luft.
Leider gingen mir die Argumente außer ‚Abartig’ aus und ich zerriss aus einem Effekt heraus das Bild in vier Teile.
Es tat mir auch nicht leid, es war für mich in diesem Moment eine Genugtuung.
„Ich liebe dich nicht und werd dich auch nie lieben, falls du dir das einbildest. Ich bin doch nicht krank“ wetterte ich weiter.

Das nächste woran ich mich erinnern konnte war das ich am Boden lag und meine gesamte linke Gesichtshälfte schmerzte als wäre ich gegen einen Panzer gelaufen.
Tom hatte mir tatsächlich eine geschmiert, und das mit voller Wucht.
Meine Hand fand automatisch den Weg zu meiner Wange und ich drehte mich zu Tom um wo ich ihn fassungslos ansah.
„Hast du sie noch alle?“ wetterte ich wieder, da meine Wut um einiges angeschürt wurde.

„Du bist der abartige. Dir macht es Spaß auf den Gefühlen Anderer herum zu reiten. Du bist überheblich, arrogant und gemein. Du predigst dauernd von der großen Liebe und dabei bist du so kalt wie der Nordpol. Du hast es gar nicht verdient jemals in deinem Leben eine Freundin zu kriegen geschweige denn glücklich zu werden“ schrie Tom mich an und in mir erstarrte alles.
Warum sagte er so was?

„Du bist nicht mein Bruder. Du bist nur irgendein Popprinzchen das nur an sich selbst denkt. Du bist so egoistisch dass mir schlecht wird. Ich wünschte du wärst nicht mein Bruder, ich hasse dich“

Wenn man jetzt dachte ich würde zurückschlagen, dann irrte man sich.
Und wenn man dachte, ich würde jetzt losheulen, dann täuschte man sich ebenfalls.
Ich saß einfach nur da und starrte ihn an. Und im nächsten Moment rappelte ich mich auf, schnappte mir meine Klamotten und rannte in mein Zimmer wo ich die Türe zuschlug und mich gefasst anzog.
Ich hatte Aufnahmen und durfte mir verquollene Augen nicht leisten.
Also schlüpfte ich in meine Klamotten, warf Tom’s Shirt achtlos aufs Bett und zog mir nach dem Haare kämmen und abschminken eine Cap auf. Meine Sachen packte ich wahllos in meine Tasche und verließ mein Zimmer wo ich mir ein an der Straße angekommen ein Taxi nahm und mich zum Studio fahren ließ.

Die Gedanken an Tom verdrängte ich. Oder ich versuchte es, denn es funktionierte nicht. Es tat weh zu wissen was Tom über mich dachte, was er sich wünschte.
Er wünschte sich ich wäre nicht sein Bruder. Und ich gab ihm Recht. In diesem Moment wünschte ich mir auch er hätte einen besseren Bruder als mich.

Meine Aufnahen begannen wie abgesprochen um 10.00 Uhr und ich schrie mir bei ‚Totgeliebt’ förmlich die Stimmbäder aus dem Rachen so das der Tontechniker mich nach einer halben Stunde bat eine Pause für seine Ohren einzulegen.
In den Pausen saß ich nur apathisch im Raum und hielt meine Colaflasche fest. Ich trank nicht mal daraus ich hielt sie einfach nur fest, weil ich etwas brauchte, an das ich mich klammern konnte.

Wirklich mitbekommen wie die Zeit verstrichen war hatte ich nicht.
Ich merkte es erst als ich darauf angesprochen wurde doch zurück ins Hotel zu fahren da wir 20.00 schon längst durch hatten.
Den ganzen Tag war ich im Tonstudio gestanden und hatte mir meinen Schmerz rausgeschrien. Aber mir ging es immer noch nicht besser. Stattdessen fühlte ich mich schlechter, weil mir von Minute zu Minute schmerzhafter bewusst wurde, dass Tom es so gemeint hatte wie er es sagte.
Und das tat einfach nur noch weh.

Wie ich ins Hotel kam wusste ich nicht mehr.
Ich ging in mein Zimmer und zog mich bis auf die Boxer aus wo ich mich ins Bett kuschelte und in die Dunkelheit starrte die entstand als ich auch die letzte Lichtquelle löschte. Es tat mir doch leid. Warum hatte ich nicht bemerkt dass ich mich so verändert hatte? Oder kam es Tom nur so vor?

Mein Blick fiel auf ein schwarzes Knäuel auf meinem Bett das ich nach langem überlegen und einigem tasten als Tom’s Shirt identifizierte.
Vorsichtig als ob ich es zerbrechen könnte, zog ich es zu mir und vergrub mein Gesicht darin ehe ich anfing zu weinen.
Wann ich das letzte Mal geweint hatte wusste ich nicht einmal mehr. Aber ich schämte mich dafür an Tom’s Shirt zu hängen und mich aus zu weinen.
Trotzdem schlief ich irgendwann ein und umklammerte das Stück Stoff als wäre es das letzte das mich retten könnte.


An diesem Tag hätte ich die Aufnahmen, Aufnahmen sein lassen sollen.
An diesem Tag hätte ich bei meinem Bruder bleiben und auf ihn aufpassen sollen.
An diesem Tag hätte ich mir nicht die Seele aus dem Leib singen sollen.
An diesem Tag hätte ich mich nicht hilflos an das Stück Stoff klammern sollen, sondern zu Tom gehen.

An diesem einen Tag hätte ich bemerken müssen, dass mit Tom definitiv etwas nicht stimmte und seine Seele zerstörte.
An diesem einen Tag hätte ich bemerken müssen, dass Tom genauso wie ich in seinem Zimmer lag und weinte.
An diesem einen Tag hätte ich bemerken müssen, dass mein Bruder sich endgültig aufgab nur um mich zu retten.
An diesem einen Tag hätte ich bemerken müssen, dass alles irgendwann ein Ende hat.


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