reflections

Crush Crush Crush – Kapitel 1

Krank






Es war wundervoll. Wir hatten nur noch 3 Auftritte und die auch nur im Fernsehen. Und einen davon durfte ich mit Tom alleine meistern. Das war der bei Johannes B. Kerner. TRL und Stefan Raab mussten wir im Team erledigen, wobei das sicher witzig werden würde wenn Tom wieder über Georg herzog.

Der heutige Tag war einfach nur wunderschön. Die Sonne schien, es hatte genau 10 Grad und die Vögel die nicht in den Winterurlaub geflogen waren zwitscherten. Gustav kochte, Georg beschäftigte sich ruhig und Tom saß neben mir und strich mir über den Rücken.
Und ich…ich hing über der Kloschüssel und kotzte mir die Seele aus dem Leib.

Wer dachte ich hatte einfach was Falsches gegessen lag total falsch. Ich war krank, mir war speiübel und ich hatte leichtes Fieber. Aber ansonsten ging es mir gut. Mal abgesehen davon das mir schwindlig war und ich manche Dinge doppelt sah ging es mir auch relativ gut.
Was mir allerdings nicht passte war das heute der Kontrollanruf unserer Mutter bevorstand und ich keinen Peil hatte wie ich mich als gesund verkaufen könnte.

Ob Tom eine zündende Idee hatte wagte ich zu bezweifeln. Was Anrufe unserer Mutter anging musste immer noch ich mein Hirn einschalten da Tom einfach nichts Brauchbares einfiel. Aber alles in Allem machte er seine Sache relativ gut. Er gab vor das ich auf dem Klo, beim einkaufen oder bei Aufnahmen wäre, wenn ich keinen Elan hatte mich mit unserer liebreizenden Mutter auseinander zu setzen.
Und sie kaufte es ihm auch alles ab. Warum sollte ihr geliebter Sohn sie auch belügen? Sie war eben einer der wenigen Menschen die dachten das die Verbindung zur Mutter stärker war als die zu seinem Zwilling der einem den Kopf runterreißen konnte wenn man nicht log.
Zwar hätte ich das nie getan aber ich fand es praktisch Tom in dem Glauben zu lassen. Er machte es immerhin nicht anders bei mir. Von daher waren wir eigentlich auf der gleichen Überholspur.

„Bill? Willst du Zähneputzen?“ kam die Frage links von mir wo Tom auf dem Boden hockte und mir mit einer Hand die Haare zurück hielt während die andere unablässig über meinen Rücken wanderte und mir somit das Gefühl von Wärme gab.
Ein Nicken von mir folgte und ich betätigte die Klospülung ehe ich den Klodeckel runterklappte und mich darauf setzte.
Mein Zwilling war so frei mir sogar Zahnpasta auf die Zahnbürste zu pressen und sie mir hinzuhalten.

Ein stummes Danke über einen Blick zu ihm und ich steckte mir das Ding in den Mund wo ich anfing mit nicht sehr viel Elan meine Zähne zu schrubben um diesen widerlichen Geschmack aus der Fresse zu kriegen.
Wenn ich etwas mehr hasste als antibakteriellen Schutzlack beim Zahnarzt dann war es Kotzgeschmack in meinem Mund. Darauf konnte ich getrost verzichten. Vor allem weil ich es dann für unmöglich hielt jemals wieder das Zimmer zu verlassen in dem ich mich befand und unter Menschen zu gehen.

Tom beobachtete mich skeptisch bei meinen fahrigen hin und her Bewegungen in meiner Mundhöhle und kam wohl zu dem Schluss das ich kurz davor war auf dem Klodeckel und mit der Zahnbürste im Mund das Zeitliche zu segnen, denn er nahm mir die Zahnbürste aus der Hand und begann meine Zähne zu putzen was mir einen unverständlichen Protestlaut entlockte.

Ich konnte mich noch gut daran erinnern als Thomas Gottschalk und ich mit ein paar anderen merkwürdigen Leuten – darunter auch Peter Maffay – auf seinem Sofa saßen und er zwei Fans von mir lang und breit erklärte das er den Tag als unser Tourmanager damit verbringen würde uns zu quälen und wir uns gegenseitig die Zähne zu putzen hatten.
Und genau daran erinnerte mich Tom gerade was mich das Gesicht verziehen ließ.

Nach einer unendlichen Weile nahm Tom meine Zahnbürste wieder aus meinem Mund und spülte sie ab ehe er mir den Zahnputzbecher hinhielt und mich somit stumm aufforderte meinen Mund auszuspülen.
Das tat ich auch und ließ mich dann gegen die Wand sinken wo ich zusammensackte wie ein nasser Kartoffelsack.

„Komm schon Bill…bis ins Bett schaffst dus noch“ versuchte Tom mich zu motivieren was nicht wirklich funktionierte.
Ich wollte auf der Stelle schlafen. Und nicht erst diese verdammten 2 Meter zu meinem Bett laufen müssen.
Tom sah das anscheinend anders, denn er zog mich hoch und schliff mich aus dem Badezimmer in mein Schlafzimmer wo er mich ins Bett verfrachtete.
Nachdem er mich zugedeckt hatte eilte auch schon Gustav herein und stellte eine komische Suppe und einen Eimer neben mir ab.
Der Eimer war wahrscheinlich zum kotzen da…was ich mit der Suppe anfangen sollte war mir jedoch unklar.

„Die solltest du essen, dann geht’s dir sicher wieder besser“ klärte unser Drummer mich auch gleich auf und ich fragte mich ob ich ihm erst vor die Füße kotzen musste.
Wenn ich schon an Essen dachte wurde mir schlecht. Das einzige wovon ich mich zur Zeit ernährte waren Zigaretten – die mir nicht schmeckten – und Cola – die auch nicht schmeckte, weil meine Geschmacksnerven alles als Schimmel interpretierten – und das war meiner Meinung nach genug.

„Ich glaube nicht das er was essen will“ gab Georg seinen Senf dazu und marschierte fröhlich zu mir ins Zimmer.
Ich fragte mich zu diesem Zeitpunkt ob die mich eigentlich schlafen lassen wollten oder mir auf die Nerven gehen. Ich beschloss das Möglichkeit zwei die plausibelste war.
„Man, jetzt verpisst euch doch mal. Er braucht Ruhe“
Wenigstens mein Zwilling verstand mich. Auf den konnte ich jetzt nur noch zählen. Der eine versuchte mich mit seiner Fröhlichkeit anzustecken – was nicht funzte – und der andere versuchte mich zum essen zu bewegen – was ebenfalls nicht funktionierte – und ich…war machtlos gegen diesen ganzen Scheiß.

Aber irgendwann würde meine Rache kommen. Irgendwann war einer von denen krank und dann würde ich demjenigen so auf den Sack gehen dass er es nie wieder wurde oder aber mich beim nächsten Mal einfach in Frieden sterben ließ.
Ich wollte doch nur Gevatter Tod die knochigen Flossen schütteln und mich ins Jenseits verpissen. War das denn so schwer zu verstehen. Anscheinend.

Tom schob Gustav und Georg genervt aus meinem Zimmer und knallte die Türe zu ehe er sie abschloss und sich zu mir bewegte wo er unschlüssig vor dem Bett stehen blieb.
Er hatte keine Ahnung wo er sich hinsetzen sollte das er in Reichweite war und doch weit genug weg das er mich nicht nervte.
Wobei ich ihm letzten Punkt hoch anrechnete.

Während er in seiner Gedankenwelt versunken war rutschte ich an den äußersten Rand meines Bettes – Doppelbett muss ich das erwähnen? – und zupfte an seinem Shirt was zur Folge hatte das er mich verstört anblickte.
„Komm her“ nuschelte ich deshalb – der erste Satz seit dem vor einer Stunde das ich kotzen müsste – und deutete auf die andere Doppelbetthälfte.

Mein Bruder starrte mich an und schien die Möglichkeiten abzuwiegen wie wahrscheinlich es war das ich das jetzt im Fieberwahn von mir gab und ihn später schreiend und kreischend mit dem Kotzeimer aus dem Bett prügelte.
Trotzdem krabbelte er über mich drüber und legte sich auf die andere Seite, was mich dazu veranlasste mich auf die andere Seite zu drehen und mich an ihn zu quetschen.

Ich war krank, ich konnte immerhin alles auf das Fieber schieben sollte es zu peinlich werden für meinen Geschmack.
Tom dachte sich anscheinend auch nichts dabei, denn er legte einen Arm um mich und strich mir wieder über den Rücken was ich mit einem Seufzen kommentierte.
„Danke“ kam es über meine Lippen und die Bewegungen auf meinem Rücken kamen kurz ins stocken.
„Wofür?“

Die Frage ließ mich leicht lächeln. Tom hatte noch nie wirklich verstanden wofür und warum ich mich in manchen Situationen bedankte. Aber das war vielleicht auch ganz gut so, sonst hätte er mich für unzurechnungsfähig erklärt.
„Fürs Zähneputzen“
Mein Blick wanderte nach oben und ich bemerkte das Tom sich angestrengt ein Lachen verkniff was ich mit einem Schmollmund kommentierte.
In meinem jetzigen Zustand über mich zu lachen war doch einfach nur noch fies.

„Schon gut, Kleiner“
Wer von uns der Kleine war musste ich nicht extra ausführen.
Trotzdem ließ ich diesen Kommentar über mich ergehen und kuschelte mich wieder an Tom wo ich wohlig seufzte und die Augen schloss.
Diese Wärme und die Geborgenheit die ich im Moment mein Eigen nennen durfte konnte nur Tom mir geben.
Keine Freundin hatte das zustande gebracht und ich war froh darüber.
Denn wäre es anders gewesen hätte ich mir Sorgen um unsere Zwillingsverbindung gemacht. Und das wollte ich dann doch nicht wirklich.

„Nacht“ flüsterte Tom leise und ich nickte nur schwach ehe ich in einen Schlaf fiel.
Und ausnahmsweise war der mal erholsam obwohl ich krank war. Aber vielleicht musste ich das auch erst mal werden um einmal richtig schlafen zu können.
Ich mochte Tom. Tom war mein Zwilling. Mein Gegenstück. Und ich hätte auch keine Ahnung gehabt was ich ohne ihn hätte machen sollen.


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