reflections

Zweisames Zerbrechen – Kapitel 11
Blutspur

 

Ja, schelte nur und fluche fort,
es wird sich Bessres nie ergeben.
Denn Trost ist ein absurdes Wort:
Wer nicht verzweifeln kann, der muss nicht leben..

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Keine Ahnung wie viel Zeit inzwischen vergangen war in der Tom und ich eine nach der anderen rauchten. Aber mir war noch immer nichts Sinnvolles eingefallen was ich hätte sagen können.

Ich wusste nicht mehr was ich zu meinem eigenen Zwilling sagen konnte. Ich persönlich empfand das als bitter. Und alles nur weil ich seinen Arsch vor ungebetenen Blicken der Außenwelt geschützt hatte.

Wie konnte ich nur so tief sinken. Allerdings bezweifelte ich das Tom in meiner Situation nicht genauso gehandelt hätte. Unter normalen Umständen.

Wirklich sicher in welchem Zustand er sich denn nun befand war ich mir nicht und das wurmte mich mehr als wenn ich etwas nicht wusste was alle anderen wussten. Und in diesem Fall wusste es wahrscheinlich keiner.

 

Ich beschloss aufzustehen, zu duschen und mich anzuziehen. Denn ich hatte Davids Schlachtruf durch mein armes Handy nicht vergessen. Warum musste ich mir so eine Scheiße alleine geben?

Ich wusste keine Antwort darauf und wäre mit dieser – hätte ich sie gewusst – wahrscheinlich auch nicht zufrieden gewesen.

Das war einfach Fakt. Ich war ein elendiger Perfektionist mit einem lila farbenen Auge. Das sollte mir mal einer nachmachen.

 

In Gedanken ging ich die Liste die David vorhin mir monoton runtergerasselt hatte noch mal durch und stellte fest das mir nichts anderes übrig blieb als mich zu schminken.

Auch zählte ich imaginär die Dinge auf die ich ohne Make up tun konnte ohne gleich am nächsten Tag in der Presse zu stehen.

Interview: Nein

Shooting: NEIN

Mich mit David unterhalten: AUF GAR KEINEN FALL

 

Soviel zu meiner Meinung das ich irgendwas ohne Make up dafür aber mit einer hübschen Farbe im Gesicht erledigen konnte.

Ich hatte keine Lust mich großartig zu stylen, aber mir blieb nichts anderes übrig.

Wenn ich nicht wollte dass nicht nur ich sondern auch der Rest unter Toms Schlagkraft litt musste ich wohl oder Übel zu Tonnenweise Schminke und Abdeckstift greifen.

Meiner Meinung nach war das schlimmer als ein Knutschfleck. Da hätte ich einen Schal anziehen und behaupten können das mir Schals neuerdings wahnsinnig gut gefielen. Die Klamottenindustrie hätte sich gefreut. Denn soviel ich das mitbekommen hatte rannten meine heißgeliebten Fans denen dann die Türen ein wenn ich irgendwas gut fand.

 

Also tat ich das was von mir verlangt wurde – und wofür ich einen gewissen Jemand am liebsten erschossen hätte – und wühlte mich aus der Bettdecke ehe ich mich ins Bad hievte und geräuschvoll die Tür hinter mir schloss.

Kaum unter der Dusche ließ ich einen Schrei aus meinen Stimmbändern, da das Wasser einfach zu heiß war und fluchte feucht fröhlich vor mich hin.

Meine Haare litten unter einer Extraportion Shampoo während ich damit beschäftigt war mir auszumalen wie lange ich brauchte um dieses verdammte Feilchen zu überschminken.

Sehr lange meiner Meinung nach. Und es war ja nicht so das ich ohne Feilchen nicht lange im Bad brauchte. Nur mit brauchte ich einfach nur noch länger. Das war frustrierend.

 

Nachdem ich fand dass ich genug geduscht hatte wickelte ich mir ein Handtuch um die Hüften und positionierte mich vor dem Spiegel wo ich akribisch meine Haare in Angriff nahm und einfach beschloss sie glatt zu fönen.

Mit geübten Bewegungen brachte ich diese in Form ohne dabei auf eben diese zu achten. Eigentlich starrte ich nur in den Spiegel.

Ich hatte das Gefühl etwas vergessen zu haben, dass mit Tom und mir zu tun hatte. Und ich hatte ebenso das Gefühl das ich nicht wollte dass ich mich daran erinnerte und es somit auch nicht wirklich konnte.

 

Ich wusste nur das ich vorhin als wir im Bett gelegen hatten ein Déjà Vu Erlebnis hatte. Mir kam die Situation so verdammt bekannt vor.

Was mir im Moment allerdings mehr Sorgen bereitete war die Tatsache das mein Herz gegen meine Rippen hämmerte als wolle es diese zersprengen.

Dass ich den Grund dafür nicht kannte machte mich rasend und so begann ich vor lauter Verzweiflung über mich selbst meine Schminke aufzutragen und dabei einfach abzuschalten.

Das konnte ich immer. Denn Schminken war eine Kunst. Es war eine Kunst das ein Auge genauso aussah wie das andere und nicht etwa größer oder kleiner.

Leider war mir aufgefallen das nicht jeder diese Kunst so beherrschte wie ich. Und noch mehr schauderte es mich das ich das ausgerechnet bei UNSEREN Fans feststellen musste.

 

Nachdem ich fand das meine lila Farbe gut übertüncht war kämmte ich meine Haare noch so das man bloß nichts davon sah und begab mich wieder in unser Zimmer wo Tom immer noch in derselben Position lag wie vorher. Nichts gegen Tom persönlich ab er war einfach ein fauler Sack.

Da ich aber auch einer war, machte das nicht wirklich etwas aus. Es fiel gar nicht auf. Außer natürlich wenn ich schuften musste und Tom sich noch bequem hundert Mal im Bett umdrehen konnte. Dann fiel es mir natürlich auf.

 

Ich sagte also nichts darüber. Und ich verlor ein keinen giftigen Kommentar darüber das Tom seine Lungen gerade mit dem Zigarettenrauch füllte der ursprünglich meiner war da er immerhin aus meiner Zigarettenschachtel stammte.

Alles halb so wild. Ich konnte jetzt eh nicht nach Kippen stinken, sonst würde morgen in irgendeinem Klatschblatt stehen das ich der totale Kettenraucher war und an Stimmbänderkrebs litt was dann wiederum tausende von Fans in Heularien ausbrechen ließ.

Darauf konnte ich wirklich verzichten.

 

So beschloss ich alles auf sich beruhen zu lassen und mich einfach anzuziehen was ich dann auch tat. Die Klamotten stimmten und ich befand das ich als ‚ganz passabel’ durchging.

Hätte ja auch sein können das ich absolut scheiße aussah und jeder der mir über den Weg lief einen Herzinfarkt erlitt und somit das halbe Hotel mit Toten gepflastert war.

Außer Tom natürlich. Denn der hatte mich schon schlimmer gesehen. Mit Augenringen bis zum Boden, Haaren wie ein explodiertes Sofakissen und Augen die kaum mehr zu sehen waren weil sie einfach verschwollen waren.

 

„Ich geh jetzt“ teilte ich meinem herzallerliebsten Zwilling mit, auch wenn er sich das wahrscheinlich schon dachte.

Irgendwas musste ich ja sagen.

„Dann geh doch“

 

Diese Antwort warf mich aus der Bahn. Ich hatte eindeutig etwas nicht mitbekommen. Warum Tom mich jetzt so schroff anmachte verstand ich nicht. Ebenso verstand ich nicht warum er mich nicht mal ansah. Ich hatte was falsch gemacht. Zumindest dachte ich das. Und egal was es war mir tat es Leid. Ich wollte mich nicht wieder mit ihm streiten. Zu groß war die Angst dass ich mich von ihm noch weiter entfernen könnte als ich es eh schon getan hatte.

 

Ich nickte nur und betrat den Hotelflur wo ich leise die Zimmertüre hinter mir schloss und mehr im Delirium als im zurechnungsfähigen Zustand meinen Arsch zum Aufzug bewegte und mit diesem runter in die Lobby wo mich halb der Schlag traf.

 

Nein, es standen keine hundert Fans vor der Aufzugtür. Vielmehr eine Dame die aussah wie aus der Barbiewelt entsprungen. Und dieses Wesen aus dem All lächelte mich an und streckte mir die Hand entgegen.

„Ich bin Natasha. Ich interview dich heute für die Popcorn“

 

Himmel, hilf! Was hatte ich mir da nur wieder eingebrockt.

Oder eher, was hatte David mir da eingebrockt? Konnte der sich diese Tussen nicht vorher angucken bevor er mich noch mehr traumatisierte als ich es eh schon war? Ja, ich hatte ein Trauma. Und das hatte auch was mit Barbiepuppen zu tun. Wer jetzt wissen will was…ich will nicht drüber reden. Das ist mein beschissenes Geheimnis…und wird es auch bleiben.

 

Trotzdem behielt ich meine Meinung da wo sie hingehörte. In meinem Hirn.

Dass ich mich auch noch widerstandslos mitziehen ließ in einen Raum der mir unheimlich war, machte mir dann schon mehr Sorgen.

Die Zelle war so groß wie man sich etwas in nem Knast vorstellte und es waren auch nur zwei Sessel vorhanden. In einem von Beiden ließ ich mich nieder und guckte Natalie…ne….Natasha auffordernd an die mich keck anlächelte.

 

Okay Billy, die Galle immer schön da behalten wo sie hingehört. In deinem Inneren.

 

„Okay…Bill, stimmt es das du zurzeit vergeben bist?“

Wo kamen eigentlich diese ganzen verdammten Gerüchte her.

„Nein, ich bin leider immer noch Solo“ antwortete ich mit einem Engelsgleichen Lächeln.

„Hast du denn nicht vor dich zu verlieben?“

„Doch schon. Ich wäre gern wieder verliebt. Aber leider haben wir im Moment zu wenig Zeit als das ich mich damit auseinandersetzen könnte“

 

Ich ahnte schon das dieses Interview eine Richtung einschlagen würde die mir gar nicht gefiel.

Und leider sollte ich Recht behalten. Nach zehn Minuten kam die Frage die ich so hasste.

 

„Wie nah stehen Tom und du euch denn?“

„Sehr nah. Also wir wissen alles voneinander und haben auch keine Geheimnisse.“

„Also könnte man sagen dass du keinem so vertraust wie Tom?“

Doch, meiner Haarbürste…aber das konnte ich ja schlecht sagen.

„Natürlich nicht. Tom und ich sind sozusagen eine Person. Wir sind innerlich total gleich“

„Wenn man euch so sieht hat man eher das Gefühl ein Liebespaar vor sich zu haben als ein Zwillingspaar“

 

Ging das mehreren Leuten so? Und wenn ja warum sagte mir da keine Sau was von? Das war ja wohl…

Ich musste mich stark beherrschen um nicht irgendeinen giftigen Kommentar auf ihr pinkes fast nicht vorhandenes Röckchen zu kotzen. Aber es funktionierte.

 

„Natürlich hat man das Gefühl. Tom und ich teilen ja auch alles. Es gibt fast nichts was wir ohneeinander machen. Außer vielleicht duschen, baden und aufs Klo gehen“

 

Natasha nickte verständnisvoll – oder zumindest sollte es so rüberkommen – und beendete nach weiteren fünfzehn Minuten das Interview ehe sie sich bedankte und mir mit ihren Krallen fast die Haut von den Händen schabte.

Soviel dazu das Frauen immer perfekt manikürte Fingernägel hätten.

 

Ich war froh den Raum verlassen zu können und wollte schon den Gang zum Fotoshooting gehen als mir einfiel das ich mein Handy im Zimmer hatte liegen lassen.

Und wenn ich nicht erreichbar war und mein heiß verehrter Herr Produzent das mitbekam war die Hölle los. Ich meine, ich könnte ja entführt werden und dann keinen anrufen können.

Meine Sorge bei einer Entführung bestand immer noch darin wie ich tot am besten aussah. Denn wenn mich wer entführte bezweifelte ich stark das dieser Jemand mich freiwillig leben ließ. Denn dafür kamen nun mal nur Hater in Frage.

 

Mit einem Seufzen ging ich zurück zum Aufzug und stieg in eben diesen ehe ich mich an die Wand lehnte und in die Spiegelwand glotzte.

Liebespaar…die hatte sie doch nicht mehr alle.

Tom und ich kamen bestimmt als alles rüber aber nicht als Liebespaar. Klar liebten wir uns, aber auf brüderliche Weise. Davon war ich genauso fest überzeugt wie das David irgendwann vom Pisaturm erschlagen wurde.

 

Das Geräusch des Fahrstuhls holte mich aus meinen Gedanken und ich ging etwas hektisch – da Zeitdruck – zu unserem Zimmer das ich mit der Schlüsselkarte aufschloss.

Ich hoffte einfach mal dass Tom nun bessere Laune hatte und mich nicht wieder so anfuhr.

 

„Tom, sorry, ich hab nur mein Handy…“

Der Satz blieb mir im Hals stecken bei dem Bild das sich mir bot.

Meine Gesichtszüge fühlten sich wahrscheinlich nicht nur entgleist an sondern waren es auch.

Und Tom starrte mich erschrocken und mit großen Augen an wie ein scheues Rehkitz dem man eine Waffe vorhielt.

 

Ich nahm Toms Gesichtszüge und diesen Ausdruck gar nicht wirklich wahr sondern starrte auf sein linkes Handgelenk über das sich feine, aber anscheinend sehr tiefe Schnitte schlängelten und aus denen die warme und rote Flüssigkeit floss.

In der rechten Hand hielt Tom eine Rasierklinge und ich wusste einfach nicht was ich sagen sollte.

Ich wusste es einfach nicht. Niemals hätte ich gedacht dass Tom so etwas tun würde. Zwar hatte ich mal davon gelesen, aber ich hatte niemals gedacht dass ausgerechnet mein Tom zu solchen Mitteln greifen würde.

 

Das Blut tropfte auf die Bettdecke und mein Blick wanderte zu seinen Augen die einfach nur blankes Entsetzen widerspiegelten. Entsetzen darüber das ich ihn bei seiner geheimen Tätigkeit erwischt hatte. Das ich rausgefunden hatte das er nicht so stark war wie ich immer dachte. Und wahrscheinlich auch darüber das ich einfach nur dastand und nichts tat.

 

„Was zur Hölle tust du da?“

Meine Stimme war laut und aggressiv mit einem überforderten Unterton.

Ich wusste doch nicht was ich jetzt noch tun sollte. Ich wusste einfach nicht wie ich Tom helfen konnte da wieder weg zu kommen.

 

Mein Körper handelte von alleine und ich schritt auf Tom zu wo ich ihm die Rasierklinge aus der Hand nahm und ihn wütend anfunkelte.

Wut war das einzige was ich jetzt noch verwenden konnte und worüber ich die Kontrolle behielt. Zumindest dachte ich das.

„Was soll der Mist verdammt noch mal?“ schrie ich ihn wieder an und irgendwo tat es mir auch Leid das zu tun.

 

„Das geht dich nichts an“

Es warf mich aus der Bahn. Das Tom mich genauso wütend anblitzte und mir somit verbot ihm das zu verbieten. Ihn anzuschreien und ihn somit irgendwie wieder zur Vernunft zu bringen.

Es ging hier nicht um ihn. Er wollte mir wehtun…zumindest fühlte es sich so an.

 

„Gib die her“ zischte ich nur nachdem Tom aufgestanden war und griff nach der Rasierklinge.

Dieses Drecksding sollte hier verschwinden. Aus diesem Zimmer, aus meinem Leben und aus dem Leben von Tom. Aus unserem Leben.

 

Das was ich spürte war ein Ruck der durch meinen Körper ging und einen leichten Schmerz an meinem Oberarm, als ich zu Boden ging und die Rasierklinge drei Meter von mir entfernt auf den Boden fiel.

Tom hatte mich geschubst und da er mich mit beiden Händen gestoßen hatte war unweigerlich die Rasierklinge auf meine Haut geraten, die nun ein feiner Schnitt zierte.

 

„Geh einfach wieder. Hau ab zu deinem scheiß Shooting und lass mich und mein Leben in Ruhe“ spuckte mein Zwilling mir entgegen und es tat weh.

Es fühlte sich an als wenn mein Herz rausgerissen wurde.

Das Tapsen verriet mir das Tom auf dem Weg zu seiner neuen besten Freundin war und ich rappelte mich unter ziemlicher Kraftanstrengung auf die Knie und robbte ihm hinterher.

 

Bevor er die Klinge zu fassen bekam schloss ich meine Hand darum, was nicht wirklich was brachte da Tom mein Handgelenk packte und versuchte sie wieder zu bekommen.

Die einzige Möglichkeit ihm das zu versagen war für mich meine Hand zu einer Faust zu ballen und den Schmerz zu ignorieren der entstand als sich die Klinge in meine Handfläche bohrte.

 

Denn eines hatte ich während der letzten Minuten verstanden. Warum ich Tom gemieden hatte war nicht, weil er mir auf die Nerven ging.

Es war schlicht und ergreifend so dass ich meinen Bruder nicht verlieren wollte. Und indem ich ihn liebte, anders liebte als man seinen Zwilling liebte, ging ich das Risiko ein ihn zu verlieren. Aber meine Distanz hatte das alles nur noch schneller bewirkt.

 

Ja, ich liebte ihn. Ich wollte ihn bei mir haben und ihn immer an meiner Seite spüren. Ich wollte dass sein Geruch in der Luft lag und ich wollte ihn verdammt noch mal berühren.

Das war meine Erkenntnis des Tages.

 

„Bill verdammt, gib sie her“

„Nein“

 

Dass Tom seinen Griff um mein Handgelenk lockerte nahm ich nicht wahr. Genauso wenig wie das ich den Teppichboden des Zimmers vollblutete da ich ums verrecken diese verdammte Klinge nicht loslassen wollte.

Nicht wenn sie Tom dazu brachte sich selbst zu verletzen.

 

„Du kriegst sie nicht. Nur über meine Leiche“

Meine Stimme war nur noch ein Schluchzen und ich rappelte mich auf die Beine ehe ich zur Tür flüchtete.

„Sie…“ damit hielt ich meine Hand in der die Klinge ruhte hoch.

„…tut dir doch genauso weh wie ich. Warum lässt du deine Wut nicht an mir aus sondern an dir selbst?“

 

Mit diesen Worten krachte die Zimmertüre hinter mir zu und ich rannte zu den Treppen die ich nach oben flüchtete.

Ich konnte jetzt keine Menschen mehr sehen. Ich konnte kein Shooting machen und auch nicht mit David reden.

Alleine sein war alles was ich wollte als ich mich auf dem Dach des Hotels niederließ und meine Beine mit den Armen umschlang ehe ich mein Gesicht darin verbarg.

 

Eigentlich hätte mir auffallen müssen, dass Tom mich mit einem ungläubigen Gesichtsaudruck gemustert hatte als ich mit der Klinge bei der Tür stand.
Eigentlich hätte mir auffallen müssen, dass Tom das nicht erst seit gestern machte.
Eigentlich hätte mir auffallen müssen, dass Tom so versucht hatte die Qual einer unerwiderten Liebe los zu werden.

 

Ich hätte bemerken müssen, dass er schon längst zerbrochen war.
Ich hätte bemerken müssen, dass er kaputt war und ich die Schuld daran trug.
Ich hätte bemerken müssen, dass er schon lange nicht mehr zu mir ehrlich war.

 

Aber mir ist in diesem Moment nicht aufgefallen das es schneite. Das es schneite und meine Klamotten die Nässe aufsogen.
Mir ist in diesem Moment auch nicht aufgefallen das der Schnitt in meiner Hand tiefer war als ich annahm, denn ich spürte nichts.
Und mir ist auch nicht aufgefallen das ich eine Blutspur hinterließ zu dem Ort an dem ich gegangen war.


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