reflections

Crush Crush Crush – Kapitel 2
Heiratsantrag

 

 

 

 

Meine Augenlider flackerten und ich konnte mich noch so sehr wehren, ich wachte natürlich auf und erlitt den Schock meines Lebens.

Eigentlich konnte man das weniger als Schock bezeichnen. Es war eher ein Verlustmoment, der mich erst richtig wach werden ließ.

Tom war nicht da.

 

Dieses kleine Drecksstück hatte mich einfach hier liegen lassen und war weiß der Geier wohin ausgeflogen.

Wenn ich den in die Finger bekam, konnte er was erleben. Wollten wir doch mal sehen wie gut ich ihm in meinem Zustand die Luftröhre abdrücken konnte.

 

Ich schwang meine Beine aus dem Bett und ignorierte den Schwindel der mich dabei überfiel während ich zu meiner Zimmertüre tapste uns sie aufriss.

In der Wohnung war alles dunkel und meine gepiercte Augenbraue wanderte nach oben und schüttelte meinem Haaransatz die Hand.

Das konnte doch wohl nicht.

 

Mein Weg führte in alle möglichen Schlafzimmer und zum Schluss in die Küche.

Doch es konnte wohl doch sein.

Die waren alle ausgeflogen.

Wollten die mich hier verrecken lassen oder so? Es war hier doch wohl keiner Sau entgangen wie scheiße es mir eigentlich ging. Und doch waren die in irgendeinen Club ausgeflogen.

Ne andere Erklärung gab es dafür nicht.

Es sei denn sie wurden allesamt entführt und mich hatten die Entführer nicht mitgenommen um ihren Paten eine Grippe zu ersparen. Sauerei.

 

Allerdings bezweifelte ich das die Jungs entführt worden waren.

Denn das waren wenn dann sehr ordentliche Entführer und hatten nach dem Kampf noch mal schnell aufgeräumt, durchgesaugt und mir einen liebevollen Brief in Gustavs Handschrift mit ‚Essen steht im Kühlschrank. Musst es nur aufwärmen’ hinterlassen.

Oder aber Tom hätte sie so lange zugetextet wie Autofahren denn nun richtig ging – obwohl er das noch nicht mal selber gescheit gebacken bekam – bis sie ihn inklusive der beiden Anhängsel raus geworfen hätten.

 

Also waren sie wohl in nem Club. Der eine fickte durch die Gegend, der zweite versuchte es zumindest und der dritte versuchte sie zusammen zu halten.

Ich musste jetzt nicht erwähnen welche Rolle wem zugeteilt war.

Die sollten mal nach Hause kommen ey. Ich würde meinen Schlüssel ins Schloss stecken und da auch lassen und dann die Klingel und das Telefon abdrehen.

Mal gucken wie kalt das heute noch wurde. Muhahahahahaha.

Nein, ich war nicht gestört. Ich war total normal.

 

Mein Weg führte zum Kühlschrank und ich riss ihn auf wo mir Spagetti entgegen grinsten.

Na wenigstens was, was ich auch essen konnte. Und nicht so nen Grünfutterscheiß wie sonst immer wenn einer krank war.

Ich hatte meine Hoffnung ja schon aufgegeben dass Gustav einmal nicht auf David hören würde.

Andererseits…hatte er wahrscheinlich doch auf ihn gehört.

Das bestätigte mir der Bioeimer in dem eine komische Pampe aus grün, orange und irgendwas anderem entgegengrinste die anscheinend eilig dort entsorgt worden war.

 

Mein Blick fiel wieder zu den Spagetti wo an der Tellerrückseite ein Zettel klebte.

‚Bruderherz, iss was vernünftiges. Und danach geh ins Bett. Wir sind bald wieder da’

Aha…also hatte Tom einfach mal das Essen ausgetauscht. Sehr praktisch. Braver Bruder.

Wenn er jetzt nur nicht in irgendeinem verseuchten Club rum sitzen würde. Das wäre toll. Halleluja.

 

Ich stopfte den Teller in die Mikrowelle und seufzte auf. Mein Blick fiel auf die Uhr und ich stellte erschlagen fest dass es vier Uhr morgens war.

Gott musste ich lange gepennt haben. Das war ja schon nicht mehr wirklich gesund.

Mit dem Essen und einem Tee bewaffnet steuerte ich das Wohnzimmer an und ließ mich aufs Sofa fallen. Das zappen durch die Kanäle der Glotze machte für mich persönlich den Abend noch perfekter. Oder eher gesagt den Morgen.

Wir wollten ja mal nicht untertreiben. Denn das war mal gar nicht meine Art.

 

Das Essen war gut und ich verspürte im Moment noch nicht den Drang meinen Kopf wieder über die Kloschüssel zu halten um ne Runde mit ihr zu flirten. Oder dem was da drinnen lauerte.

Nach einigem hin und her zog ich mir die Wolldecke vom Sessel und wickelte mich darin ein.

Ich konnte ja auch nicht den ganzen Tag im Bett rum liegen. Irgendwann würde mein Arsch noch in die Breite gehen, und das wollte ich nun wirklich vermeiden.

 

„Boah, Tom! Jetzt komm schon“

Mein Kopf wanderte Richtung Flur und ich hob wieder eine Augenbraue.

Scheiße ich hatte vergessen den Schlüssel stecken zu lassen. Jetzt war mein ganzer schöner Plan fürn Arsch.

 

„Georg, pass auf da ist die…“

Rums

„…Wand“

 

Aha, die Theorie mit dem Club hatte sich gerade bestätigt. Noch mehr als Gustav mit Tom im Arm ins Wohnzimmer kam und Georg hinterher wankte und sich dann auf den Sessel fallen ließ.

Tom schien auch ziemlich unsicher auf den Beinen. Denn als Gustav in losließ plumpste er erst mal auf den Allerwertesten.

Schönes Bild. Den wollte ich heute aber nicht bei mir pennen haben. So weit das ich meine Kloschüssel mit irgendjemandem teilte war ich noch nicht. Geht doch und sucht euch ne eigene. Ich hing über meiner nämlich zuerst drüber.

 

Gustav verkündete dass er mir neuen Tee machen würde und verschwand in der Küche während ich meinen Zwilling dabei beobachtete wie er auf allen Vieren auf mich zukroch.

Das machte mir jetzt natürlich auch überhaupt keine Angst. Verdammt, ich hatte Angst. Tom war im besoffenen Zustand doch mal überhaupt nicht zurechnungsfähig.

Hätte mich auch gewundert wenn er es wäre, denn dann hätte ich ja ein Problem weniger gehabt.

 

Als er mich erreicht hatte grabschte er ungeschickt nach meiner Hand und hielt sie fest ehe er sich mehr schlecht als recht vor mich hinkniete.

Mein Gesichtsausdruck war bestimmt auch für die Götter. Ich starrte ihn bestimmt an als wäre er geisteskrank.

Was er ja auch war, aber das sagte ich ihm nie. Denn ich wollte seine Illusionen ja nicht zerstören.

 

„Billy“ lallte es mir entgegen und ich runzelte die Stirn.

„Ja?“

 

Schweigen. Ganz toll, jetzt hatte er bestimmt vergessen was er fragen wollte. Was vielleicht auch ganz gut so war, denn ich wollte es irgendwie auch gar nicht wissen.

 

„Willsu mich heiratschen?“

Bitte wie?

„Willst…du…äh…mich …. Hei….heiraten?“

Nein, wie süß. Er versuchte es zumindest verständlich auszusprechen und…Moment mal.

 

„Nein“ war mein einziger Kommentar ehe ich meine Hand wieder zu mir nahm und den Kopf schüttelte ehe ich Gustav den Tee abnahm.

„Warum nich?“

„Du bist besoffen, frag mich im nüchternen Zustand“

 

Was ja eigentlich gelogen war. Erstens würde Tom mich das nie fragen und zweitens hatte er das bis morgen…oder eher später, eh schon wieder vergessen.

Was ich als positiv empfand, denn so musste ich keine Angst haben mich demnächst von nem Hochhaus stürzen zu müssen.

 

Mein Blick wanderte wieder zur Glotze und ich besah mir mit größter Aufmerksamkeit den Disney Toon Channel. Man konnte ja sagen was man wollte. Aber um vier…oder bald fünf Uhr morgens Zeichentrick zu glotzen war einfach der Himmel.

Wenn mein werter Bruder die Flossen von mir gelassen hätte und in diesem Moment nicht auf dem Sofa und somit an meinem Hals gehangen wäre.

 

Ich versuchte zu verstehen was er genau jetzt eigentlich von mir wollte und kam zu dem Schluss dass er kuscheln wollte.

Das tat er in diesem Zustand immer. Mein ergebenes Seufzen ließ ihn grinsen und mich ihn verfluchen. Und zwar dafür das er mich immer weich bekam.

 

Dass Tom nach Alkohol stank störte mich, aber mein Magen blieb ruhig. Vorerst zumindest. Spätestens in ein paar Stunden hing ich sowieso wieder vornüber.

Und das war einfach mal nur noch ätzend.

 

„Ich geh ins Bett“ teilte ich Gustav mit der es gerade vollbracht hatte Georg irgendwie vom Sessel zu ziehen um ihn in sein Zimmer zu werfen.

Dieser nickte nur angestrengt und versuchte nicht unter Georgs Gewicht einzuklappen. Also für mich wäre das ja nichts.

Das wäre mir viel zu anstrengend.

 

„Billy“

Das Quengeln erregte meine Aufmerksamkeit und ich drehte mich um wo ich Tom sah der schmollend auf dem Sofa hockte und die Arme nach mir ausgestreckt hatte.

Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Wie viel hatte der Intus um mir so auf den Piss gehen zu können während ich mit meinen Krankheitserregern kämpfte?

Anscheinend einiges.

 

„Na komm schon“ meinte ich deswegen nur und betrachtete erstaunt wie Tom aufstand und wankend auf mich zukam wo er sich an mir festhielt um nicht irgendwo und irgendwie wieder umzufallen.

Erstaunlich das er die zwei Meter ohne Vorfall bestanden hatte.

 

Eigentlich hatte ich auch vorgehabt ins Bett zu gehen. Aber irgendwie…kam Tom nicht aus seinen Klamotten und lag stattdessen auf dem Boden rum wo er hin und her rollte und an seinem Shirt zog.

Was war ich denn für ein gutmütiges Arschloch? Meine Beine trugen mich zu ihm wo ich mich auf den Boden hockte und ihn in eine sitzende Position zwang. Die Kappe und die Schweißbänder warf ich einfach irgendwo hin ehe ich ihm sein Shirt auszog und somit auch gleich das Stirnband von Dannen ging.

 

Wenn meine Mutter mir noch einmal erzählte ich wäre anstrengend gewesen dann würde ich ihr es das nächste Mal überlassen Tom ins Bett zu kriegen.

Und ich würde mich einfach ins nächste Land absetzen und mir den Arsch ablachen.

 

„Tu mal Becken hoch“ forderte ich meinen Zwilling auf und zog ihm dann die Hose aus ehe ich die Schuhe und Socken ebenfalls in irgendeine Ecke warf.

Zufrieden schleppte ich mich wieder in mein Bett und hielt Tom eine Hand hin zu der er hinkrabbelte und ich ihm dabei half ins Bett zu kommen.

 

So schnell konnte ich gar nicht gucken war mein wertes Brüderchen auch schon eingepennt.

Und ich konnte natürlich nicht pennen. Wäre ja auch zu schön gewesen. Stattdessen musste mein armes Riechorgan Bier und diverses anderes Zeug verdauen und mir wurde davon einfach nur schlecht.

Und genau das veranlasste mich dazu mein Gesicht im Kissen zu vergraben und zu ignorieren das Tom gerade meinen Rücken als Kopfkissen missbrauchte.



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