reflections

Sexy, naughty, bitchy – Kapitel 1
Glücksbringer

 

 

 

 

 

Ich fror mir den Arsch ab. Um genau zu sein, fror ich mir in diesem Moment alles ab. Denn ich Genie stand an der Mauer gelehnt die unsere Schule umzäunte. Und ich wartete mindestens schon seit einer halben Stunde darauf dass der Rest meiner herzallerliebsten Clique seinen Arsch hierher bewegte um mich somit vor der Kälte zu erlösen. Weil dann konnte ich den nämlich ins Schulgebäude bewegen.

 

Warum ich mit meinen zarten 17 überhaupt vor der Schule stand und darauf wartete dass die drei Grazien ihre Ärsche hier her bewegten, war mir ein Rätsel.

Ich besuchte die 11. Klasse des Gymnasiums und war eigentlich nicht gewillt dort hin zu gehen. Da meine Eltern mir aber den Kopf abgerissen hätten, wenn ich nicht hingegangen wäre, zog ich es vor meinen Hintern jeden Morgen in eben jenes Gebäude des Schreckens zu bewegen.

 

„Hey, Bill! Wartest du schon lange?“ kam es rechts von mir und mein Kopf drehte sich in eben jene Richtung.

Dort kam Gustav gefolgt von Georg an. Das Schlusslicht bildete Tom der eher mehr dahin kroch als das er lief. Aber der tat sowieso nie was anderes, von daher musste man sich da keine Sorgen machen.

 

„Ne, erst seit ner halben Stunde“ gab ich sarkastisch von mir und verdrehte die Augen ehe mein Blick wieder zu Tom wanderte.

Der Junge sah aus wie frisch aus dem Friedhof entlaufen und meine Augenbrauen wanderten fragend nach oben.

 

„Tommy hatte ne heiße Nacht“ grinste Georg mich an und wackelte mit den Augenbrauen.

Aha. Na dann musste ich mir keine Sorgen machen. Denn das kam genauso oft vor wie das wir in Mathe einschliefen. Fast immer sozusagen.

Tom war nun mal derjenige von uns der am meisten Weiber abschleppte. Georg versuchte es zumindest und Gustav beschattete die Beiden meistens um mir dann alles haarklein zu erzählen.

Ich musste nicht erwähnen dass ich es eigentlich gar nicht wissen wollte. Mich störte das nur, denn ich war in solchen Situationen meistens mit irgendeinem heißen Typen beschäftigt den ich dann meiner Strichliste zufügen konnte.

 

Alles in allem waren wir eigentlich nicht gerade brav. Die Lehrer hassten uns und die Schüler rannten uns in Scharen hinterher, was dazu führte das wir jeden Valentinstag die Schule schwänzten um nicht von Geschenken erschlagen zu werden.

 

„Gehen wir rein, mir is kalt“ kam es genuschelt von Tom während ich eine Schmerztablette aus meiner Tasche wühlte und sie ihm mit meiner Colaflasche vor die Nase hielt.

Sein Blick hob sich und er brachte ein gequältes Grinsen zustande.

 

Während wir in die Schule gingen checkte ich aus den Augenwinkeln die unterschiedlichsten Typen ab und kam zu der Erkenntnis, das keiner dabei war der mich auch nur im geringsten ansprach. So ne scheiße aber auch.

Es war Freitag, und somit würden wir wieder in einem Club unseren Abend fristen. Und wenn ich ehrlich war hatte ich keine Lust die Nacht alleine zu verbringen.

 

Ja, ich war schlimm. Und meine Mutter dachte noch immer ich wäre Jungfrau. Was allerdings schon seit vier Jahren Vergangenheit war.

Meiner Meinung nach war das auch gut so, denn meine Mutter war nun mal nicht so wie andere Mütter.

 

Meine Mutter war Arnold Schwarzenegger. Der Arnold Schwarzenegger der Frauenbewegung. Ein weiblicher, männerüberrollender Bulldozer.

Die meiste Zeit saß sie in ihrem Arbeitszimmer und arbeitete an ihrem Newsletter. Bei diesem Newsletter handelte es sich um ein wöchentliches männerfeidliches Hetzblatt, das zu verfassen meine Mutter für ihre Pflicht hielt, da sie doch Präsidentin der Frauenbewegung war und überhaupt.

 

Irgendwie war mein Vater in die Fänge des Feminismus geraten und in die Rolle der pflichtbewussten Hausfrau gerutscht. Wie oft hatte ich ihn in die Küche marschieren sehen, in Boxershorts und einem Shirt mit rosa Aufdruck ‚Ich bin eine Frau, hört mein Brüllen’.

 

Meine älteste Schwester Maria – die 25 war -  war unglücklicherweise nicht nur verheiratet, sondern auch noch schwanger. Außerdem wollte sie nur noch Hausfrau und Mutter sein, wo sie unweigerlich dem Berufsleben den Rücken zukehrte. Was meiner Mutter gar nicht passte, da dass streng gegen ihre abartigen Feminismusregeln verstieß.

 

Meine 23-jährige Schwester Brigitte war Anwältin und somit der Stolz meiner Mutter. Genauso wie ich.

Ich verstand mich mit Mädchen nicht nur besser als mit Jungs, lackierte Fingernägel so gut wie Keiner und war ein absoluter 1,0-Durschnitt Schüler, sondern zu ihrer großen Freude Single und stockschwul.

 

Was sie jedoch an mir hasste, war die Tatsache, dass ich keine beste Freundin hatte. Stattdessen erfreute sich das größte Sportass der Schule und Weiberheld schlecht hin über den Titel mein bester Freund zu sein.

Meine Mutter hasste Tom abgrundtief.

Soviel zu meiner Familiensituation.

 

In der Schule angekommen stöhnte es neben mir einmal kurz auf und ich konnte an der Stimme unweigerlich erkennen dass es Tom war, und somit wanderte mein Blick fragend zu ihm.

„Vanessa“ kam es über seine Lippen und er nickte in die Richtung in der besagte stand.

 

Vanessa war ein merkwürdiges Subjekt mit einer Zahnspange und einer Hornbrille. Über ihre Klamotten wollte ich gar nicht reden.

Zu allem Übel stand sie auch noch auf Tom. Was dem nicht passte und mir schon gar nicht. Tom war mein bester Freund und hatte das auch zu bleiben. Da konnte ich so schwul sein wie ich wollte aber was die Beziehung anging würde ich wie ein Weib meine Krallen ausfahren und verteidigen.

 

Ich kannte Tom schon seit der siebten Klasse und wir hatten uns auf Anhieb verstanden. Er war das Ass im Basketball und bei allen beliebt.

Ich war bei allen beliebt weil ich gut aussah und in fast allen Fächern – ausgenommen Sport – einiges auf dem Kasten hatte.

 

In einvernehmlichem Verständnis beschlossen wir in unsere Klassenräume zu hechten um uns vor unliebsamen Verehrern oder eben Verehrerinnen zu retten. Da Tom und ich in eine Klasse gingen hatten wir denselben Fluchtweg.

Genau 58 Stufen nach oben ins erste Stockwerk. Gustav und Georg mussten in den zweiten und hatten somit natürlich mehr Stufen zurückzulegen als wir. Was wir ja amüsant fanden.

 

Georg war in der 13. und Gustav in der 12. Klasse. Allgemein fand ich es nicht gerade sehr tröstlich das Georg nächstes Jahr nen Abgang machte und das Jahr drauf Gustav. Und wir dann ein Jahr lang allein diesen Verrückten ausgeliefert waren.

Andererseits war es nun mal so das ich dann mehr an Tom kleben konnte wenn der keinen mehr hatte mit dem er sich über Weiber unterhalten konnte.

 

Auf dem Sprint nach oben wich ich einem Rosenstrauß aus den Jens mir hinstreckte und wechselte die Seite als mir eine Pralinenschachtel von Rosa hingehalten wurde.

Tom ging es nicht anders. Die Arme Sau bekam halt nur unnützliches Zeug wie Kondome oder Gleitgel hingehalten…wobei ich letzteres besser gebrauchen konnte als er.

 

Im Klassenzimmer angekommen sahen wir uns nur an und verdrehten die Augen.

Manchmal konnte es schon nerven so gut auszusehen.

Und nein, ich war nicht eingebildet. Ich war einfach nur realistisch.

 

„Du kommst doch heute Nachmittag zu meinem Spiel oder?“ wurde ich von Tom gefragt als ich meine Sachen auspackte und sah ihn an ehe ich nickte.

„Gut…ansonsten verlieren wir nämlich. Ich brauch meinen Glücksbringer schon“

 

In solchen Momenten war ich froh dass ich verlernt hatte wie das funktionierte rot zu werden.

Tom hätte es nämlich sonst immer wieder geschafft. Und eigentlich war er in Sachen Beuteschema genau mein Typ. Nur eben mein bester Freund und somit tabu. Die Welt war doch einfach nur scheiße.



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung