reflections

Sexy, naughty, bitchy – Kapitel 2
Basketball

 

 

 

 

 

Der Schultag ging schleppend vor sich hin und ich war kurz davor einen Verzweiflungsschrei von mir zu geben.

Gott sei Dank wurde ich von der erlösenden Schulklingel daran gehindert. Dass mein Stimmorgan alles andere als leise war wusste jeder. Und das lag nicht nur am Singen. Meine Mutter – dieser Bulldozer – hatte mir in ihrer männerfeindlichen Einstellung beigebracht wie man eben diese dominierte.

Ich glaube sie hatte zu diesem Zeitpunkt vergessen dass ich ebenfalls mal zu einem mutieren würde. Immerhin war ich da erst sieben und definitiv noch nicht stockschwul.

 

Tom und ich bewegten uns mit einigen Komplikationen bezüglich diverser Fangeschenke nach unten zum Getränkeautomaten wo wir wie immer auf Gustav und Georg warteten.

Gustav alleine kam immer pünktlich. Mit Georg an der Seite allerdings nie. Denn immerhin musste er dafür sorgen dass Georg überhaupt mal auftauchte. Pünktlichkeit war einfach nicht sein Ding. Meins auch nicht wirklich.

 

Als die Beiden dann endlich mal bei uns angekommen waren unterhielten wir uns über diverse Dinge wie zum Beispiel Mathe. Dass ich eine Leuchte war wusste leider auch so gut wie jeder. Und meine Hoffnung dass Georg es irgendwann mal aufgrund von Alzheimer vergessen würde hatte ich schon lange begraben.

Das hieß für mich immer jeden zweiten Mittwoch dass ich ihm Nachhilfe geben durfte. Wohl mal angemerkt an alle die es vergessen haben, ich war zwei Klassen unter ihm.

 

Während Gustav sich eine Cola aus dem Automaten zog ging Janine mit zwei ihrer Freundinnen vorbei. Janine war in unserer Parallelklasse und eines der Mädchen die sich gut aussehend aber dumm nennen durften. So wie die meisten hier. Von mir mal abgesehen. Nein, keine Selbstverliebtheit nur die Realität.

 

„Geiler Arsch“ gab Georg seinen Kommentar dazu ab und grinste.

„Klappe Georg“ kam es auch gleich zurück und ich verkniff mir mit sehr viel Mühe ein Grinsen.

„Moment mal woher weißt du wie ich heiße?“

„Wir waren mal zwei Tage zusammen“ kam es und bog um die Ecke.

 

Bei aller Freundschaft aber ich konnte mir das Lachen einfach nicht verkneifen genauso wenig wie Gustav oder Tom.

Georgs Gesichtsfarbe wechselte in ein schönes rot was mich noch mehr lachen ließ.

 

„Man Georg…das war….genial“ feixte Tom neben mir und benutzte mich dreist als Stütze um nicht wegen einem Lachkrampf zu Boden zu gehen.

 

Kaum das wir wenigstens einigermaßen wieder atmen konnten machten wir uns auf den Weg nach draußen. Warum sollten wir auch länger in der Schule bleiben als nötig? Das war nun wirklich nicht unser Ding. Außerdem musste ich noch immer etwas finden mit dem ich mich heute Abend beschäftigen konnte.

„Ach Jungs, da fällt mir ein. Wir können heute nicht in den Club gehen. Heute Abend ist doch der Faschingsball und ihr habt versprochen mit mir dahin zugehen“ kam es von Gustav und wir erstarrten in unseren Bewegungen.

 

Das hatte ich nun wirklich total verpeilt. Und alle anderen anscheinend auch so wie ihre Minen aussahen.

Aber wir hatten es nun mal versprochen.

„Klar, wir treffen uns dann da“ kam es von Tom und Georg nickte.

 

„Gut…ich muss dann nach Hause. Man sieht sich heute Abend“ damit verschwand Gustav dicht gefolgt von Georg um die Ecke und ich blieb neben Tom stehen.

Immerhin fungierte ich hier als Maskottchen und somit musste ich mir das Basketballspiel das in einer Stunde stattfinden würde nun mal geben.

 

„Du machst keinen begeisterten Ausdruck“ kam es rechts von mir und ich sah Tom leidend an.

„Gegenfrage. Hast du was zum anziehen?“

 

Seine Gesichtszüge entgleisten und er knirschte mit den Zähnen. Also nein. Ich nämlich auch nicht. Das heißt ich musste mir wirklich was einfallen lassen. Denn bis das Spiel zu Ende war hatte ich bestimmt keine Zeit mir um mir irgendwas für heute Abend zu besorgen. Vor allem deswegen, weil ich keinen Peil davon hatte als was ich überhaupt gehen sollte. Das war doch einfach nur noch frustrierend.

 

Ein Ruck teilte mir mit das Tom sich in Bewegung gesetzt hatte und mich mit zur Sporthalle schliff.

Himmel, ich brauchte ein Outfit. Tom konnte wenigstens als Basketballspieler gehen aber als was sollte ich denn gehen? Es war immerhin Verkleidungspflicht. Meine Nerven. Sie waren schon mal besser.

 

Während Tom in den Umkleiden verschwand quälte ich mich durch dutzende von Zuschauern und blöden Weibern die Tom besabbern wollten und quetschte mich auf einen der Stühle in der ersten Reihe.

Das heißt bis der Mann in Schwarz – um genau zu sein der Coach – auftauchte und mich wieder weg schliff.

 

Warum mich heute jeder durch die Gegend zog verstand ich nicht wirklich. Noch weniger verstand ich aber was ich auf der Mannschaftsbank zu suchen hatte. Die Wahrscheinlichkeit dass ich hier von einem Ball abgeschossen wurde erhöhte sich immerhin um hundert Prozent und ich war nicht scharf darauf meine hübsche Visage zu verlieren.

 

„Tom sagt du bringst Glück. Also bleib da sitzen oder du bereust es“ kam es mürrisch von Herrn Men in Black und ich machte mich automatisch eine Nummer kleiner.

Hilfe, der machte einem ja Angst. Außerdem hatte ich das Gefühl einem Mafiaboss gegenüber zu stehen. Oder eben neben ihm zu sitzen.

 

Die Mannschaft tanzte an und mein Blick auf die Uhr bestätigte mir dass diese Sportaffen nicht lesen konnten. Oder das Spiel einfach vorgezogen worden war.

Letzteres hielt ich für wahrscheinlicher da Tom auf alle Fälle lesen konnte. Sonst wäre ich nicht mit ihm befreundet gewesen.

 

„Geht da raus und fegt sie weg“ brüllte Men in Black Verschnitt schlecht hin und ich hatte Angst dass mein Trommelfell das nicht überlebte.

Selbst schreien alles schön und gut. Aber andere Menschen sollten bitte an mein Gehör denken auch wenn ich nicht das Gleiche bei ihnen tat.

 

Nach guten fünfzehn Minuten hatte sich die Angst dass ich von einem Ball getroffen werden könnte in Luft aufgelöst und ich versuchte wenigstens die Spielregeln zu verstehen. Was nicht hieß das es wirklich funktionierte.

Für Sport war ich einfach nicht geschaffen. Das einzige was ich von diesem Spiel verstand war das es einen Punkt gab wenn man den Ball in den Gegnerkorb warf. Was Tom ziemlich gut machte. Eigentlich musste der sich noch nicht mal wirklich anstrengen. Zumindest hatte ich so die Auffassung.

 

Allgemein verstand ich nicht wie ne Gruppe Jungs einem einzigen Ball hinterher rennen konnte. Das war dasselbe wie beim Fußball. Was war der Sinn der ganzen Sache?

Anstatt mich mit der Quantenphysik zu beschäftigen sollte ich eventuell mal ein Buch über Basketball in mein Hirn stopfen. Wäre vielleicht sinnvoll wenn ich verstehen wollte worüber Tom sprach wenn er Fachausdrücke aus dem Sport benutzte.

Denn anders blieb mir nichts anderes übrig als immer zu nicken und im Recht zu geben. Und das war definitiv gegen meine Natur.

 

Ein Ausruf von Tom ließ mich hochgucken und ich sah was Großes, Oranges vor mir ehe es mich im Gesicht traf und ich nach hinten umkippte und liegen blieb.

Alles wurde schwarz und ich sah in meinem Traum rosa, fickende Hasen durch die Luft fliegen. Hilfe!

 

Als ich wieder zu mir kam blinzelte ich erst mal verstört und wunderte mich dass ich nicht durch die Nase atmen konnte.

Meine Finger tasteten sie ab und ich zog zwei Tempos aus der Nase die mit Blut getränkt waren. Okay, Nasenbluten.

Warum noch mal?

 

Das war bestimmt dieses orange Ding von vorhin.

Mein Oberkörper wollte sich gerade aufrichten als ich schon ein paar Köpfe über mir hatte die mich ansahen und dann das quatschen anfingen ob es mir gut ginge und weiß was ich noch was.

 

Einen davon identifizierte ich als den von Tom.

„Warum lieg ich hier eigentlich rum?“

Das würde mich mal interessieren.

„Marc dieser Trottel is zu blöd nen Ball zu werfen und hat ihn dir ins Gesicht geklatscht“ gab Tom mürrisch von sich und half mir hoch.

 

Ich lag in der Umkleide. Das stellte ich daran fest das hier alle halb nackt durch die Gegend hüpften, Klamotten rumlagen und an der Tür das Wort ‚Umkleide` stand.

Soviel zu meiner grenzenlosen Intelligenz.

Und soviel auch zu meiner ‚nicht begründeten’ Angst einen Ball in die Fresse zu kriegen.

 

„Wie schlimm ist es?“ kam daher meine Frage und ich musste mir von den Jungs anhören dass ich absolut gesund war und verzog das Gesicht.

„Dein Make up sitzt noch und man sieht nichts“ kam es von Tom.

Wenigstens verstand einer was ich wissen wollte.

War ja auch nicht zuviel verlangt. Und es tat auch gar nicht weh…au….okay, vielleicht doch.

„Ich zieh mich schnell an dann gehen wir“ gab Tom von sich und warf das Handtuch das er noch eben um die Hüfte gehabt hatte in die Ecke.

 

„Ähm..ich geh alleine. Ich muss eh noch gucken was ich heute Abend anziehe. Ich hol dich ab“ kam es von mir ehe ich mir meine Tasche schnappte und fluchtartig den Raum und die Schule verließ.

Heilige scheiße…

Ich musste dieses Bild sofort aus meinem Kopf verbannen. Klappte nur nicht.

 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung