reflections

Sexy, naughty, bitchy – Kapitel 3
Kostümfrage

 

 

 

 

 

Meine Beine trugen mich rennend in die Innenstadt und blieben erst stehen als ich aus Versehen gegen einen Briefkasten knallte der hinter der Ecke stand um die ich gebogen war.

Es tat auch gar nicht weh.

Zur Feststellung dass heute definitiv nicht mein Tag war, war ich ja schon am Morgen gekommen als ich mir den Arsch abfrieren musste. Aber das mit dem Ball und dieser liebliche hässlich gelbe Briefkasten bestätigten es mir noch einmal. Und ich war dankbar nicht verrückt zu werden.

Denn das letzte was ich jetzt gebrauchen konnte waren merkwürdige weiße Männchen die mir hinterherliefen und mich unbedingt in eine Hab-mich-lieb-Jacke stecken wollten.

 

Aber jetzt wo ich stand konnte ich wenigstens meine Lungen beruhigen und mir einreden dass Tom sein Handtuch nicht in irgendeine Ecke der Umkleide geworfen und mir seinen Arsch gezeigt hatte.

Das war reine Fiktion die durch die Gehirndurchweichung aufgrund des Balltreffers entstanden war. Pure Einbildung.

Apropos Pure Einbildung.

Spielten die heute Abend eigentlich wieder Pur? Bitte nicht. Mir reichte das schon vom Vorjahr. Und dem davor, dem davor, dem davor, dem davor und dem davor und….ja, ich glaub man verstand was ich mitteilen wollte.

 

Die Faschingsfete wurde von Gustavs Eltern geschmissen und diese waren nun mal abartige Purfans.

Warum ich mich jedes Mal breit schlagen ließ mit auf diese beschissene Fete zu gehen war mir ein Rätsel. Wahrscheinlich deswegen weil Gustav mein Freund war und ich einfach eine abartig soziale Ader hatte für deren Vererbung einzig und allein mein Vater zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Ich hasste ihn dafür.

Wenigstens konnte ich mich damit trösten das mein Arschlochgen mindestens genauso groß war und ich somit nicht nur ein Sozialarbeiter der freundschaftlichen Gesellschaft war.

Sehr beruhigend.

 

Aber um zu meinem neusten und im Moment größten Problem zurück zu kommen.

Was zur Hölle sollte ich bitte anziehen?

Ich könnte als rosa Hase gehen. Allerdings hatte mir mein Komatraum von vorhin gereicht um rosa Hasen für alle Ewigkeiten zu meiden.

Ich war doch kein Fickhase.

Okay, vielleicht doch, aber eindeutig kein Hase. Ficken ja, Hase nein!

 

Natürlich konnte ich mich auch so wie letztes Jahr als Vampir verkleiden. Allerdings kam ich zu dem Entschluss das dass eindeutig keine gute Idee war. Als Vampir hatte ich noch mehr Verehrer und Verehrerinnen am Arsch kleben als so schon. Und darauf war ich nicht gerade besonders scharf. Von daher schied das auch aus.

Ich konnte ja schon von Glück sagen das diese blöde Fete kein Maskenball war wie eigentlich geplant. Gustav hatte – keine Ahnung wie da der Junge kein Durchsetzungsvermögen besaß – seine Eltern davon überzeugen können das ein Maskenball ein endloses Fiasko mit sich bringen könnte wenn ein Maskierter mit einer Maskierten poppte und sich herausstellte das diese Dame zufällig die Frau seines besten Freundes war.

 

Aber zurück zur Kleiderfrage. Mein Weg führte mich in ein Klamottengeschäft – das definitiv keine Faschingskleidung besaß, halleluja – und ich beschloss die Kleiderfrage auf wann anders zu verschieben.

Zum Beispiel auf eine halbe Stunde vor Aufbruch um dann abzusagen mit der Ausrede ich hätte Migräne bekommen als ich versucht hatte ein Outfit zu finden.

Wenn das beim Sex funktionierte musste das ja auch so gehen befand ich und wühlte mich durch die Klamottenstände ehe mir die leuchtende Idee kam.

 

Mein Lächeln wuchs in unendliche Breite und ich sammelte die Klamotten ein die ich brauchte um zu dieser – wie schon oft erwähnt beschissenen – Fete zu erscheinen. Wollten wir doch mal sehen ob das funktionierte. Gut genug aussehen tat ich sowieso.

 

Auf dem Weg nach Hause ging ich im Kopf die Skizzen von meinem Kostüm durch und ignorierte die Menschen die mich anstarrten als wäre ich geistesgestört. Ich schob das jetzt einfach mal auf mein Grinsen.

Das konnte schon manchmal beängstigend sein. Zumindest behauptete das Georg im nüchternen Zustand. Im besoffenen Zustand erzählte er mir immerhin ich wäre unwiderstehlich und das er mal gerne ein Rendevouz mit mir auf dem Klo hätte.

Und wer jetzt denkt ich wäre darauf eingegangen der irrt sich. Nie im Leben. So was wie Würde und Stolz besaß ich ja dann doch noch.

 

Kaum betrat ich unseren Hausflur schoss mir auch schon meine Mutter entgegen die mit einem grünen Flyer vor meiner Nase herumwedelte und Luft holte.

Nein, sie versuchte nicht zu atmen. Sie sammelte Energie um Gorilla zu spielen.

 

„Die Party“ damit drückte sie mir das Blatt ins Gesicht das ich wage als die Einladung zu Gustavs Fete identifizierte.

Niemand benutzte so ein hässliches Grün für eine Einladung, außer er und seine Eltern.

 

„Ich hab gehört du gehst da hin. Mit TOM?“

Aha, dass der Wind von da kam hätte ich mir gleich denken können.

Wie schon erwähnt hasste meine Mutter Tom abrundtief weil sie der festen Überzeugung war, dass Tom ein Arschloch war.

In gewisser Weise war er das auch, zumindest was Frauen betraf. Was mir gelinde gesagt scheißegal war.

 

„Klar, wie jedes Jahr“ kam es deswegen von mir und ich umrundete sie um zur Küche zu gelangen.

Mein Vater stand in seiner Vollbusigen Schürze vor dem Herd und starrte ins Backrohr in dem ein Kuchen vor sich hin backte.

„Sie ist der festen Überzeugung das er dich nur ins Bett kriegen will und dann das Land verlässt“ gab mir mein Vater im Flüsterton zu verstehen und ich nickte ergiebig.

 

Himmel hilf, hatte die Frau in den letzten Jahren den Planeten verlassen.

„Jennifer, Tom ist stockhetero und ich stockschwul. Was schließen wir daraus? Wir werden nie im Bett landen vorausgesetzt Tom lässt sich nicht sein Hirn rausoperieren oder erleidet eine Gehirnwäsche“ gab ich von mir und verdrehte die Augen ehe ich mir ein Red Bull aus dem Kühlschrank fischte und sie Augenbrauen hebend ansah.

 

Ich nannte sie Jennifer seit ich zehn war. Meine Mutter befand das der Begriff ‚Mama’ und alles was dem ähnelte dafür stand das sie hinter dem Herd saß, zur Kirche ging und sich um ihre Kinder kümmerte. Also Frauen diskriminierend.

Deswegen hatte sie uns eingetrichtert sie nur noch bei ihrem Vornamen zu nennen.

Wo es bei anderen – wie zum Beispiel Tom – ein Fluchglas gab wo man immer zehn Cent bzw. Pfennig  rein werfen musste wenn man geflucht hatte, so gab es bei uns ein Mamaglas.

Soviel zu meiner gesunden und normalen Kindheit.

 

Bevor meine Mutter noch etwa sagen konnte flüchtete ich in mein Zimmer und kippte voller Elan die Tüte mit meinem ‚Kostüm’ auf dem Bett aus ehe ich meinen sexy Arsch zur Anlage bewegte und diese aufdrehte.

Sofort dröhnte „Move along“ von The All American Rejects durch die Lautsprecher und ich fühlte mich gleich in meinem Element.

Jetzt musste ich nur noch raus finden wie das alles funktionierte aber doch noch irgendwie gut aussah.

 

Zumindest beschloss ich vorher zu duschen und mich danach darum zu kümmern. So schwer konnte das ja nicht sein. Außerdem war ich geboren dafür.

Nachdem ich die Dusche verlassen und einen halben Herzinfarkt bei dem Blick auf die Uhr bekommen hatte beschloss ich dass es Zeit war mich da rein zu quetschen.

 

Nachdem ich es vollbracht hatte grinste ich nur als ich mich im Spiegel betrachtete und flüchtete ins Bad um wenigstens noch mein Make up hinzukriegen ehe ich Tom abholen musste.

Wobei mir immer noch rätselhaft war als was der sich verkleidete. Obwohl Basketballspieler ja eigentlich das einfachste wäre hatte ich das Gefühl das ausgerechnet Tom sich damit nicht zufrieden gab. Keine Ahnung woher das kam, wahrscheinlich Eingebung oder so. Immerhin waren wir in den letzten Jahren zu so was wie Siamesischen Zwillingen mutiert. Das wir überhaupt noch was alleine machten – mal abgesehen vom pissen – war sowieso ein Wunder.

 

Mein Make up und meine Haare als gut befunden schnappte ich mir eine Jacke die ich mir überzog und holte meine Tasche ehe ich die Treppen runter trampelte und noch ein ‚Ciao’ in die Küche warf und das Haus verließ.

Zu Tom war das Gott sei Dank nicht weit. Wäre auch noch schöner gewesen. Da hätte ich mich nämlich sehr aufwendig bewegen müssen, und darauf stand ich nicht sonderlich.

 

Bei Tom angekommen klingelte ich erst mal Sturm – blöde Angewohnheit von mir – und wartete während ich mir eine Zigarette anzündete und wartete dass der gnädige Herr seinen Arsch zu mir bewegte.

Was er auch tat und mir einen halben Herzinfarkt einjagte. Himmel…was war das denn?

„Ich geh als Zuhälter“ erklärte er auch sofort und schmiss die Haustür zu ehe er sich in Bewegung setzte und mich musterte.

„Zwei Geile und ein Gedanke“ grinste er mich dann an und ich musste lachen. Stimmte schon.

 

Mein Kostüm bestand aus einem schwarzen eng anliegenden Shirt das ich zerrissen hatte, einer Jeans die auf Höhe der Oberschenkelmitte abgeschnitten war, und Overkneestümpfe in schwarz und Chucks in weiß. Sozusagen die perfekte männliche Schlampe.

 

„Was glaubst du als was Gustav geht?“ kam es von Tom

„Mönch“ kam es von mir zurück und ich zog an meiner Zigarette ehe ich mich bei Tom einhängte der mir gerade so schön seinen Arm hinhielt.

Nein, es war mir gar nicht kalt. Ich tat bloß so. Haha, wie lustig.

 

„Und Georg?“

„Als unsichtbarer Geist“

Von Tom kam ein Glucksen und ein Kopfschütteln ehe wir schweigend weiter gingen.

 

„Ach du liebe Scheiße“

Dieser Ausruf kam von uns Beiden gleichzeitig als wir vor der Gemeindehalle ankamen und Georg erspähten der mit Natasha am reden war.

„Was ist das denn?“ fragte Tom und hob beide Augenbrauen.

 

Dieses Kostüm stand Georg wirklich hervorragend. Absolut erste Sahne und wirklich sehr passend.

„Ein Gorilla“



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