reflections

Ich wurde wiedergeboren – Kapitel 5
Wookie, Wookie in the Kitchen!

Es gibt keine Verrückten oder Gestörten,
es gibt nur Teletubbies!

Der Morgen kam meiner Ansicht nach viel zu früh. Ich hatte wirklich kein Problem damit wenn es hell wurde. Ich mochte das sogar lieber als im Dunkeln in die Schule zu rennen. Aber wenn ich schon mal beschlossen hatte zu schwänzen und somit ausschlafen konnte, hatte die Sonne gefälligst nicht in mein Gesicht zu scheinen.

Leider Gottes nahm die mich für überhaupt nicht voll und tat eben natürlich genau das. Wie ich es hasste.

Zu allem Überfluss hatte ich Trottel gestern vergessen die Vorhänge in Reitas Zimmer zu zuziehen. Und somit hatte das Fräulein mit den vorwitzigen Strahlen natürlich erst Recht freie Bahn was meine Laune nun schon auf den Nullpunkt sinken ließ.

Meine Augen öffneten sich nur widerwillig und ich blinzelte erst mal eine Runde ehe ich mich umsah und kurz murrte.

Ich hatte beim besten Willen wirklich nichts gegen Umarmungen – soweit sie von den richtigen Leuten waren – aber das mir jemand meinen Bauch zerquetschte konnte ich einfach nicht tolerieren. Reita tat leider eben genau dies, was mich erst mal dazu veranlasste seine Hand zu nehmen um den Arm der um mich lag zu entfernen. Funktionierte auch so weit ganz gut.

Und theoretisch wäre ich jetzt auch ganz gemütlich und langsam aufgewacht.

Wenn ich nicht schon kerzengerade im Bett gesessen wäre weil etwas ziemlich laut und ohrenbetäubend zerdepperte. Allen Anschein nach kam dieses suspekte Geräusch aus der Küche.

Mein Blick huschte zu Reitas Wecker, der sich auch schon regte und murrte – also Reita nicht der Wecker – und ich stellte fest das Kai längst in der Schule war. Um genau zu sein ganze zwanzig Minuten. Wer zur Hölle turnte also zu so einer unhumanen Uhrzeit in der Küche rum. Mein erster Gedanke waren Einbrecher die unbedingt diese tolle Teflonpfanne haben wollten die Kai sich neu zugelegt hatte.

Dieser Gedanke wurde aber schnell zu Nichte gemacht als ich Aoi laut fluchen hörte. Also war er wohl in der Küche.

„Was macht er da?“ kam die gegrummelte Frage neben mir und ich sah zu Reita der mich total verpennt ansah. Gott, wir Idioten hatten in Klamotten gepennt. Das fiel mir erst jetzt auf.

Die Zeit hätten wir uns ruhig noch nehmen können gestern Abend. Aber wahrscheinlich waren wir alle viel zu überrollt wegen dieser verdammten Prügelei. Wo Reita eigentlich das meiste eingesteckt hatte.

Mein Blick huschte zu seinem Gesicht und ich zog meine Augenbrauen zusammen ehe ich nach seinem Kinn grabschte und den Kopf so rumdrehte das ich mir sein Gesicht anglubschen konnte. Schöne Farbe, wirklich. Aber lila war ja dann doch eher Uruhas Ding.

Aber Gnade Gott man nannte seine Klamotten lila. Sie waren nicht lila sondern purple.

„Willst du mir das Genick brechen oder was?“ knurrte Reita mich auch gleich an und ich grinste leicht ehe ich ihm einen Kuss auf die lädierte Wange hauchte.

„Nö, lieg halt nicht so verrenkt“

Mit diesem Kommentar stieg ich aus dem Bett und streckte mich erst Mal.

„Wo gehst du hin?“

„Gucken was der macht. Jetzt bin ich ja doch neugierig.“

Aoi betrat die Küche prinzipiell nur dann wenn Kai rief das dass Essen fertig war. Ansonsten nie. Sogar den Kaffee ließ der feine Herr sich bringen. So ein Leben wollte ich dann doch bitte auch mal haben.

„Ich komm mit“ nuschelte es hinter mir und gähnte ehe es seine Beine aus dem Bett schwang und hinter mir her zur Küche tapste.

Was ich dort sah verschlug mir allerdings die Sprache. Reita anscheinend auch denn der hörte sogar das murren auf.

Aoi und Uruha standen mit Schürzen bekleidet in der Küche – die Aussah wie Deutschland 1942 – und kochten. Oder zumindest versuchten sie zu kochen. Denn außer Kai waren alle von uns in dieser Hinsicht unbegabt. Wir kannten ja nicht mal den Unterschied zwischen einem Pfannenwender und einem Schneebesen. Vor allem da der Schneebesen gar nicht wie ein Besen aussah sondern wie ein komisches Ding mit vielen komischen Drähten die irgendwie verschlungen waren um unten rund zu bleiben. Wer dieses Ding kannte, wusste was ich meinte.

„Was macht ihr da?“

Die Frage von Reita war allerdings berechtigt. Ich hätte wirklich mit allem gerechnet. Auch das Uruha anfing uns zu erzählen das er Purple hässlich fand, aber das war dann doch etwas das mein heiles Weltbild zusammen krachen ließ.

Dieses Bild in einem Traum konnte ich noch nicht mal verkraften, aber in der Realität war das ja wirklich noch schlimmer.

„Na wir kochen. Wir wollen Kai heute Mittag überraschen und dann alle zusammen am Nachmittag zum shoppen gehen“ erklärte Uruha salbungsvoll und ich legte den Kopf in den Nacken um Reita ansehen zu können der hinter mir stand.

„Findest du das auch gerade unheimlich?“ kam deswegen die trockene Frage als Gegenfrage auf meinen Blick und ich nickte nur leicht ehe ich mir die beiden Aliens besah die, die Gestalt unserer Freunde angenommen hatten.

„Und ihr werdet uns dabei helfen“ setzte Aoi noch hinterher und meine Augen weiteten sich auf Tellergröße ehe ich ihm den Vogel zeigte.

Der hatte sie doch nicht mehr alle. Ich würde ich auf keinen Fall in so ein Teil quetschen und den ganzen Vormittag vorm Herd stehen. So weit kams ja noch. Kai in allen Ehren, aber das war was für Weiber.

Ich wusste nicht wie die Beiden uns dazu überredet hatten doch mitzumachen. Aber wir standen in voller Montur und mit Schürze vor dieser verdammten Arbeitsplatte und kochten. Während Aoi und Uruha angestrengt das Kochbuch studierten und sich darüber stritten was denn nun mit einem gewissen Fachausdruck gemeint wäre hackte ich Gemüse. Und Reita die arme Sau schälte Kartoffeln, was ihm sichtlich missfiel.

„Warum machen wir das noch mal?“ fragte mich mein bester Freund nach einer Weile und ich murrte nur.

„Vielleicht weil sie uns angedroht haben deinen Bass im Klo zu versenken und Die zu erzählen dass ich immer noch unsterblich in ihn verliebt wäre“ rätselte ich dann.

„Die schrecken echt vor nichts zurück. Und ich hab gedacht sie wären einigermaßen in Ordnung“

„Ich weiß was du meinst, aber so kann man sich täuschen. Wir hätten auf Kai hören sollen als er uns versuchte einzubläuen ‚Der Schein trügt immer’“ murrte ich dann und wir seufzten synchron.

Manchmal waren mir die anderen wirklich recht unheimlich.

„Ich hab’s, vermengen heißt unterrühren“ rief Uruha triumphierend und ich verdrehte nur die Augen. Das hatte ich ihm vor einer halben Stunde schon mal erzählt und er hatte das als Blödsinn abgetan. So konnte man sich irren. Aber ich wollte ihm seine Illusion das er von ganz alleine drauf gekommen war auch nicht zerstören. Sonst war das Erfolgserlebnis des Tages schon wieder im Arsch. Und das konnte sogar ich nicht mal bringen.

„Sag mal, seid ihr sicher das dass Zeug wirklich bei 250 Grad in den Ofen muss?“ fragte Reita nach einer Weile wo wir zugeschaut hatten wie die beiden Idioten die ganze Matsche – es war wirklich Matsche nichts anderes – in eine Form gepackt und das Dingens dann bei oben genannter Temperatur in den Ofen geschoben hatten.

Ich war mir um ehrlich zu sein auch nicht sicher ob das Ding wirklich bei so ner Hitze brodeln musste. Aber meine Meinung war zum Thema kochen noch nie erwünscht gewesen. Die von Reita auch nicht.

„Natürlich, seid ihr mal ruhig. Ihr könnt gar nicht kochen“ murrte Uruha zurück und Reita hob eine Augenbraue.

„Wir können Soßen kochen“

„Das zählt nicht Rei“ mischte sich nun auch Aoi ein und ich seufzte kurz ehe ich zum Finalschlag ausholte.

„Ihr beide könnt auch nicht kochen.“

Murren von Aoi und Uruha das keine Sau verstand. Um genau zu sein musste das auch keiner verstehen da ihre Gesichter genug Auskunft über ihren angepissten Gemütszustand machten.

Scheiße war’s.

Der Schluss sah so aus das wir alle auf den Stühlen am Esstisch hockten und in den Ofen glotzten wo das Zeug schon gefährliche Blasen schlug.

Himmel, irgendwie hatte ich dabei ein ganz ungutes Gefühl.

„Muss das so sein?“ fragte ich deswegen einfach mal in die Runde und erntete von allen ein Schulterzucken.

Das war übrigens durchaus hilfreich. Vor allem da im nächsten Moment ein lauter Knall ertönte und Rauch uns die Sicht versperrte.

Ich konnte Reitas Position nur deswegen ausmachen weil er genauso hustete wie der Rest von uns.

Geistesgegenwärtig taumelte Uruha zum Fenster und riss eben jenes auf um den Rauch abziehen zu lassen.

Um ehrlich zu sein hatte mir die Welt im Rauch besser gefallen als das was ich da sah. Überall in der Küche lag, hing und glibberte diese Masse rum die vorher noch im Ofen fröhlich vor sich hingeblubbert hatte. Und was schloss man daraus?

Die Küche sah jetzt nicht nur so aus wie Deutschland 1942 und Polen nachdem es von russischen Schützenpanzern überrollt wurde. Nein, es sah aus wie Hiroshima nach der Atombombe. Absolut katastrophal und nicht wieder zu erkennen.

„Was machen wir jetzt?“

Das ausgerechnet Uruha so eine Frage stellen musste ließ mich ernsthaft an seinem Verstand zweifeln. Schon wieder Mal.

„Aufräumen was denn sonst. Habt ihr mal auf die Uhr geschaut?“ zickte Aoi auch gleich in den Raum und unsere Blicke wanderten zur Wanduhr wo wir wahrscheinlich alle still und heimlich einen Herzinfarkt erlitten ohne es uns anmerken zu lassen.

In einer Stunde, höchstens zwei, würde Kai wieder auf der Matte stehen. Und wenn der dann seine geheiligte Küche so vorfand waren wir alle tot. Kai hatte für viel Verständnis, aber nicht dafür. Und er konnte grausam werden. Sehr grausam. Auch wenn er so lieb und knufflig aussah war er im inneren wenn es um seine Küche ging doch eine Bestie.

„Ich hol das Putzzeug“ nuschelte Reita nur und begab sich ins Bad.

Eigentlich wollte ich ja schon mal anfangen die Kacke wegzuwischen als es an der Tür klingelte und ich mich seufzend auf den Weg dorthin machte.

Bitte lass es nur den Postboten sein oder die Oma von nebenan, betete ich im Stillen und öffnete die Türe wo mich gleich der nächste Schlag traf.

„Was willst du denn hier?“ war die einzige Frage ich ordentlich formulieren konnte ehe sich besagte Person an mir vorbeiquetschte und in die Wohnung spazierte.

„Deine Hausaufgaben bringen natürlich. Wie siehst du eigentlich aus?“

Reita der gerade aus dem Bad kam – mit Putzzeug bewaffnet, übrigens ein total geiler Anblick in der rosa Schürze – blieb abrupt stehen und starrte das kleine Etwas an das nun zwischen uns stand.

„Kyo, ich wurde von den anderen gezwungen mitzukochen. Die scheiße ist in die Luft geflogen und ich hab nun wirklich gar keine Zeit mich mit dir auseinander zu setzen“ knurrte ich.

„Ich glaub was der Kurze sagen will is verpiss dich“ knurrte Reita gleich mit und verzog sich in die Küche wo die anderen Beiden schon in voller Panik dabei waren das Chaos zu beseitigen.

„Ich muss mit dir reden“

Oh Gott, nicht schon wieder dieser Satz. Ich hasste ihn. Wie so viele andere.

Trotzdem nickte ich und verschwand mit Kyo einfach im Wohnzimmer wo ich ihn abwartend ansah und mit dem Fuß auf den Boden klopfte.

„Die will dich dazu bringen wieder mit ihm zusammen zu sein. Er durchforstet gerade alle Jahrbücher und Briefe was er von dir hat um nen Grund zu finden den er als Druckmittel verwenden kann“ ratterte Kyo dann runter und ich sah ihn bedröppelt an. Gut das zu wissen.

„Das ist schön…darf ich jetzt nur fragen warum du mir eigentlich hilfst?“

Die Frage war meiner Meinung nach mehr als berechtigt.

„Hat Die dir mal von seinem Ex erzählt den er vor dir hatte?“ kam die Gegenfrage und ich runzelte die Stirn.

„Ja, schon. Das er sich geritzt hat und…ach du Scheiße…Kyo ne.“

„Doch, das war ich. Mit mir hat er dieselbe Scheiße gemacht wie mit dir. Und deswegen wird ich dir helfen ihn fertig zu machen. Das ich dich nicht leiden kann stimmt schon irgendwie…du bist gestört und total der Teletubbie auf Extasy, aber…andererseits mag ich dich doch.“

Ich war eindeutig im falschen Film. Ich träumte noch und gleich würde Kai uns aufwecken und uns vollmeckern dass wir zu spät zur Schule kommen würden.

Alles würde so sein wie immer. Oder auch nicht.

„Ähm Kyo…“

„Ja, schon gut. Ich geh ja. Aber eins noch…mach das Arschloch fertig. Ich wird dir Infos besorgen wo ich nur kann. Schon vergessen…ich hass dich ja angeblich abgrundtief“ grinste mir der Gnom entgegen ehe er aus dem Wohnzimmer verschwand und ich die Haustür hörte.

Das war ein Albtraum. Das war wirklich einer. Ich war eigentlich bis jetzt immer der Meinung gewesen ich wäre das einzige arme Arschloch auf der Welt gewesen. Aber jetzt waren wir ja schon zu Zweit. Wie scheiße war das denn?

„Das ist ja ein Albtraum“ kam es von der Tür und ich guckte in eben jene Richtung wo Aoi, Uruha und Reita ihre Köpfe hervor steckten. Das konnte man allerdings laut sagen.

„Warum sagt er das denn nicht gleich?“ murrte Ruha und zog eine Schnute was mich dazu veranlasste die Augenbraue zu heben.

„Hör auf Ente zu spielen, wir müssen die Küche retten. Oder zumindest das was davon noch übrig ist“ quiekte ich und man konnte förmlich die Staubwolke sehen – würde Kai nicht jeden Tag mit dem Sauger durch die Bude rennen – die die Drei hinterließen als sie in die Küche eilten. Ich rannte brav hinterher und so begann der Großputz.

Das heißt, er sollte beginnen.

„Was habt ihr mit meiner Küche gemacht?“

Unsere Köpfe ruckten zur Küchentür in der Kai stand und sein Heiligtum schlecht hin betrachtete.

Was machte der hier?

„Was machst du hier?“ begann Aoi meine Gedanken zu lesen und glubschte Kai ziemlich dümmlich an.

„Ich hatte früher Schluss“ kam es nur abwesend ehe wieder Leben in ihn zurückkehrte.

„WAS HABT IHR EIGENTLICH MIT MEINER KÜCHE GEMACHT?“

Ähm….ja.

Hallo Bestie.



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