reflections

My Code for you! – Kapitel 1
9

Liebe auf den ersten Blick existiert nicht.
Aber Liebe zu einer Seele die noch so weit weg erscheint,
gibt es.

Es war inzwischen drei Jahre her seit ich auf Aoi getroffen war. Und im Großen und Ganzen war ich immer noch froh darüber.

Das einzige das mein Glück deswegen überschattete war größer als ich, blond und trug nen Nasentanga. Nebenbei war es noch ein arrogantes Arschloch und ich war mir sicher dass ich diesen Typen irgendwann im nächsten Bottich ertränken würde.

Reita.

Wenn ich diesen Namen schon hörte stellten sich bei mir die Nackenhaare auf und eine fette Gänsehaut breitete sich über mir aus. Ich konnte ihn nicht ab. Er war…ähm…ja Reita eben.

Wenn ich so darüber nachdachte konnte er mich auch nicht leiden. Schon vom ersten Augenblick in dem er mich gesehen hatte konnte er das nicht. Das hatte ich schon des Öfteren gemerkt. Zum Beispiel wenn unsere Gangs wieder aneinander gerieten und Reita sich prinzipiell auf mich versteifte.

Aoi war unser Anführer, also hätte er logischerweise auf den losgehen müssen. Aber nein, immer war ich derjenige der Reita ungebeten vor sich stehen hatte. Grausam.

„Ruki, ey, hörst du mir eigentlich zu?“

Mein Blick huschte erschrocken nach rechts wo Aoi neben mir herlief und mich schmollend musterte. Ich hatte mal wieder nicht zugehört.

Immer wenn ich in Gedanken war bekam ich nichts davon mit was den Mund meines besten Freundes verließ. Irgendwie traurig.

Dass allerdings immer Reita in den Gedanken aufkreuzen musste machte mich halb wahnsinnig. Verdammte Scheiße, konnte der sich nicht wo anders hin verpissen.

„Sorry, was hast du gesagt?“ fragte ich dann verplant und grinste schief.

Aoi war die Gutmütigkeit in Person. Mal abgesehen von den Momenten in denen er auf die Eagels traf. Dann war alles aus.

„Ich sagte, dass ich mich jetzt dann vom Acker mache und mich um Nahrung kümmere bevor Kai mir den Kopf runter reißt“

Ein Nicken von meiner Seite folgte und im nächsten Moment kämpfte ich mit meiner Luftzufuhr als Aoi mich drückte und sich dann aus dem Staub machte.

Himmel, musste er immer versuchen mich zu ermorden? Das kam bestimmt nicht gut wenn ich tot und platt an seinem Shirt hing. Wie wollte er das denn bitte Kai erklären der mich dann da runter waschen musste?

Meine Gedankengänge waren vor ein paar Jahren auch schon mal sinnvoller gewesen. So um die  Zeit rum als ich Aoi noch nicht kannte. Und dann hatte die Verblödung einfach ihren Lauf genommen ohne mich vorher zu fragen. Frechheit.

Da ich nun keinen Plan hatte was ich machen sollte, tat ich einfach das was ich sonst auch tat wenn ich keinen Plan hatte. Ich ging in den Park und hockte mich da auf irgendeine Bank wo ich meinen mp3-Player in die Ohren stopfte und die Augen schloss.

Es war Sommer und man konnte es richtig gut draußen aushalten. Vielleicht ein bisschen zu warm, aber für mich ging das in Ordnung. Lieber in der Sonne braten, als von Kai gebraten zu werden wenn er heraus fand dass ich mein Ohrloch schon wieder geweitet hatte. Da kriegte der gute Junge immer Zustände vom Feinsten. Und das wollte ich mir jetzt auf keinen Fall antun.

Während ich so auf der Bank hing dachte ich über verschiedene Dinge nach. Zum Beispiel warum Reita so auf mich fixiert war. Das war doch schon nicht mehr lustig. Zu allem Überfluss hatte ich bei unserer letzten Begegnung in der Menge auch noch mein Handy verloren was mich reichlich anpisste. Wie sollte ich denn jetzt Kontakt zur Außenwelt halten? Zwar kannte ich außer der Gang sowieso keinen, aber es ging hier ums Prinzip.

Wobei mir wieder bei Prinzip einfiel, warum zur Hölle dachte ich jetzt schon wieder an Reita?

Immer wenn man einen Psychologen brauchte war keiner in der Nähe. War doch alles scheiße.

Natürlich bemerkte ich nichts um mich herum. Was die meiste Zeit meines Lebens von Nachteil war. Denn so geriet ich immer wieder in Schwierigkeiten. Und darauf konnte ich wirklich getrost verzichten.

Zumindest kam ich zu der Erkenntnis als sich zwei Hände vor meine Augen legten und ich zusammen zuckte.

Welcher Depp erschreckte mich eigentlich so. Konnte eigentlich nur Aoi sein. Er war der einzige der zu solchen kindischen Handlungen fähig war.

„Moah, Aoi! Nimm deine Flossen weg“ maulte ich deswegen und knurrte kurz. Konnte ja wohl nicht wahr sein das ich mich nicht mal fünf Minuten entspannen konnte.

„Okay“ tönte es hinter mir und ich zuckte so heftig zusammen das ich mir sicher war mir irgendwo einen Nerv eingeklemmt zu haben.

Denn leider Gottes war das nicht die Stimme von Aoi. Und das machte mich noch irrer im Kopf als ich eh schon war.

Was mich übrigens dazu veranlasste aufzuspringen und mich umzudrehen.

„Reita!“ gab ich fassungslos von mir und trat automatisch einen Schritt zurück. Auch wenn die Bank zwischen uns stand…Reita hatte längere Beine, der kam da locker drüber.

„Ja, so heiß ich“

Was für ein Scherzkeks. Ich würde mich totlachen wenn ich möglichst weit weg von ihm war.

Locker luftig ging dieser verdammte Nasentanga um die Bank herum und ließ sich zu meiner Verwirrung darauf fallen wo er eine Augenbraue hob.

Ich konnte seine Augen beim besten Willen nicht erkennen. Könnte auch an der Sonnenbrille gelegen haben.

„Starr mich nicht an wie ein Mondkalb. Hinsetzen“ kam es im Befehlston und er deutete neben sich wo ich ihm nur den Vogel zeigte.

Ich war doch nicht total lebensmüde. So weit kams ja noch das ich mich neben den da hockte.

Ein bisschen an meinem Leben hing ich ja dann doch noch.

Leider Gottes war Reita da anderer Meinung und grabschte nach meinem Handgelenk ehe er mich neben sich auf die Bank zog und mir einen Gegenstand vor die Nase hielt.

„Hier“ war der einzige Kommentar dazu ehe er sich eine Kippe anzündete und ich ihn entgeistert anstarrte.

Der Typ brachte mir doch tatsächlich mein Handy. Wortlos nahm ich das Ding entgegen und betrachtete es. Das war das einzige was mir an Beschäftigung einfiel.

Hilfe, irgendwas stimmte hier nicht.

„Danke“ quetschte ich dann nur hervor und hob eine Augenbraue.

Warum brachte der mir mein Handy wieder? Ich verstand grad nichts. Hilfe, erklärte mir das doch einer.

Ich glaube meine Verwirrung konnte man mir ziemlich gut ansehen. Reita anzugucken vermied ich hartnäckig.

„Passt schon“ gab dieser von sich und zog an seiner Zigarette.

„Man sieht sich“ murrte er dann nur und stand auf ehe er aus dem Park verschwand.

Meine Gedanken überschlugen sich fast und ich sackte auf der Bank zusammen. Verdammt, wie sollte ich denn jetzt den anderen erklären wie ich an mein Handy gekommen war? Ich konnte ja schlecht sagen ‚Ey, Reita war so nett und hat’s mir vorbei gebracht.’

Aoi würde durchdrehen. Aus irgendeinem Grund bekam er immer Zuckungen wenn er nur den Namen hörte. Der arme tat mir echt leid.

Nach einer Weile beschloss ich meinen Arsch doch lieber aus dem Park zu bewegen. Wer wusste denn schon ob Reita noch mal zurück kam mit der genialen Idee mir eine auf die Fresse hauen zu müssen? Eben, keiner. Von daher erschien mir diese Idee als sehr vorteilhaft.

Meine Beine führten mich automatisch ins Einkaufsviertel und ich beschloss, der Verwirrung zum Trotz, einfach Klamotten zu kaufen.

Das war nicht nur sehr praktisch von wegen, weil meine meisten Klamotten eh im Arsch waren, sondern auch noch eine passende Ablenkung von meinem Wirrwarr im Kopf.

In meinem Lieblingsladen wühlte ich mich durch die Shirts und verschwand dann in einer Kabine wo ich mir eines überzog und mich dann vor den Spiegel stellte.

Es war rot mit komischen weißen Mustern drauf und ich betrachtete mich keine Ahnung wie lange eh ich wieder einmal zusammen zuckte.

„Rot steht dir übrigens gar nicht“

Durch den Spiegel starrte ich Reita an der selbst an einem Shirt rumzupfte und ich knurrte nur.

„Das Teil da steht dir auch nicht, also maul nicht“ fauchte ich dann und verengte meine Augen zu Schlitzen.

Himmel, traf ich den denn heute überall? Das war doch nicht mehr normal. Um genau zu sein schädigte es meine Psyche.

„Meinst du?“

Hätte ich jetzt was getrunken wäre ich erbärmlich daran erstickt. Ich drehte mich langsam um und hob eine Augenbraue wo ich genau in Reitas Gesicht sah der erst mich musterte und dann das Shirt das er an hatte.

„Äh…nein. Streifen sind so…die stehn dir nicht“ gab ich dann verpeilt von mir und der Nasentanga nickte nur ehe er das Shirt auszog und ich am liebsten in Ohnmacht gefallen wäre.

Musste der sich hier vor mir halb entblößen? So schnell ich konnte war ich wieder in meiner Umkleide und lehnte mich da an die Wand ehe ich beschloss so schnell wie möglich – mal wieder – zu flüchten. Ich zog das Shirt aus, legte es wieder brav zusammen und zog mein eigenes wieder an. Das konnte ja wohl nicht wahr sein. Dieser verdammte Punk. Wie ich ihn hasste.

Ich ging aus der Umkleide und legte die Shirts wieder zurück ehe ich den Laden verließ und einige Meter weiter vor einer Eisdiele stehn blieb. Erstens weil ich Lust auf Eis hatte und zweitens weil mich etwas am Kopf traf das sich als Tüte mit Inhalt heraus stellte. Ich betrachtete das Ding und danach den Inhalt ehe ich dümmlich blinzelte. Da war das Shirt das ich anhatte drin. Nur eben in schwarz.

„Ich finde schwarz steht dir besser“ kam es hinter mir und ich drehte meinen Kopf um ehe ich eine Augenbraue hob.

Das wurde ja immer unheimlicher.

„Behalts“ meinte Reita Schulter zuckend und ging an mir vorbei wo ich es für angebracht hielt Goldfisch zu spielen. Mund auf und wieder zu ohne einen Ton von mir zu geben.

Wenn ich vor ein paar Stunden noch dachte Reita brachte mich durcheinander, dann war das hier wohl der Gipfel. Das war kein durcheinander bringen mehr sondern ein…keine Ahnung.

„Eis!“ kam es dann aus meinem Mund und Nasentanga drehte sich zu mir um wo er eine Augenbraue hob.

„Magst du Eis? Ich lad dich ein“

Wenn Aoi das jemals rauskriegen würde wäre ich einen Kopf kürzer. Oder es wären nur noch meine Einzelteile übrig.

Während ich mir auf die Unterlippe biss und lieber den Boden anstarrte – der nebenbei geputzt gehörte – starrte Reita mich an als wäre ich vom Mars.

„Okay“ gab er dann nach und mein Blick wanderte erst wieder nach oben als er mir einen Schubs Richtung Eisdiele verpasste was ich mit einem Murren hinnahm.

Ich hatte nicht mal eine Ahnung davon was das eigentlich sollte. Immerhin waren wir Feinde und kloppten uns fast jede Nacht die Fresse ein. Und jetzt hingen wir schon fast wie Freunde aufeinander. Was absolut absurd war, denn Reita und ich waren auf keinen Fall Freunde. Wäre ja noch schöner gewesen.

Während wir uns an einem Tisch niederließen dachte ich darüber nach warum Reita eigentlich so war wie er war. Das ergab doch keinen Sinn das er erst versuchte mir die Fresse einzukloppen und sich dann verhielt wie…keine Ahnung was.

Als der Kellner kam bestellten wir und schwiegen uns dann an. Konnte ja auch von Vorteil sein.

Ob ich mich für das Shirt bedanken sollte? Wahrscheinlich schon wenn ich so was wie Erziehung besaß.

„Ähm…“

„Schon gut“

Okay, jetzt konnte der auch noch Gedanken lesen, das war ja langsam wirklich unheimlich. Zumindest kam es mir so vor. Zwar war ich ein riesiger Fan von Horrorfilmen, aber das hier war mir wirklich zu gruslig.

Als unsere Eisbecher vor uns abgestellt wurden stocherten wir erst einmal darin herum während wir uns – wie sollte es anders sein – schon wieder anschwiegen.

Herrliche Konversation. Hörte man meinen Sarkasmus?

Oh Gott, was sollte ich denn jetzt reden? Sollte ich überhaupt reden? Und wenn ja worüber?

Ich glaube man hatte mir meine Verzweiflung förmlich angesehen, denn siehe da Reita begann zu sprechen. Faszinierend.

„Warum trägst du eigentlich immer dieses ganze Zeug da?“ kam es von ihm ehe er sich einen Löffel Eis in den Mund schob.

Mein Blick fiel auf meine Handgelenke an denen unzählige Armbänder und Nietenketten hingen ehe ich eine Augenbraue hob.

„Mh…so halt“

War zwar glatt gelogen, aber das ging ihn meiner Meinung nichts an. Dem einzigen den ich bis jetzt von meiner Vergangenheit erzählt hatte war Uruha. Und dabei würde es auch bleiben. Zumindest war ich fest überzeugt davon.

Reita nickte zu meiner Überraschung nur und bohrte nicht weiter nach was ich mit einem fragenden Gesichtsaudruck kommentierte.

„Wenn du es nicht sagen willst, frag ich auch nicht“ war die einzige Antwort von ihm ehe er sich wieder seinem Eis widmete was mich leicht grinsen ließ.

Diese Reaktion war mir nur willkommen. Zumindest Momentan.

Und langsam aber sicher hatte ich so das Gefühl das Reita gar nicht so scheiße war wie ich angenommen hatte.

Ich hatte keine Ahnung wie lange wir in dieser Eisdiele eigentlich zugebracht hatten aber es war sicher lange genug gewesen. Unser Eis war vertilgt worden und wir hatten nicht wirklich die Absicht zu reden. Zumindest ging es mir so.

Nachdem ich dann irgendwann gezahlt hatte stand ich auf und schnappte mir die Tüte mit dem Shirt ehe ich unschlüssig stehen blieb.

Was sollte ich denn jetzt machen?

„Wir…sehn uns“ sagte ich deswegen einfach nur und verschwand im Eiltempo nach Hause.

Dass der Tag absolut verwirrend war empfand ich als nicht gerade berauschend. Und kaum hatte ich die Lagerhalle betreten in der wir sozusagen wohnten wurde ich auch schon belagert.

„Kannst du mir mal sagen wo du warst?“ donnerte Aoi auch gleich so dass ich zusammen zuckte und die Augen verdrehte.

„Shoppen“ murrte ich deswegen nur was ihn zu beruhigen schien.

„Taki hat gesagt er hätte dich mit Reita Eis essen sehen“ meinte Uruha dann heiter flockig und ich hätte am liebsten aufgeschrieen, was ich doch lieber unterließ.

„Ja klar, und Schweine können fliegen“ antwortete ich trocken und schlich mich in mein Zimmer.

Eigentlich hatte ich ziemlich was dagegen meine Freunde anzulügen. Aber was sollte ich denn sonst machen? Ihnen erzählen das ich Reita im Park getroffen hatte, dann noch Mal beim shoppen und das wir dann Eis essen waren? Ganz sicher nicht. Lebensmüde war ich nun mal nicht und ich hatte auch keinen Bock mir irgendwelche Predigten anzuhören.

„In einer halben Stunde müssen wir los“ rief mir Aoi hinterher und ich wusste schon was er meinte.

Ein Zusammentreffen mit den Eagels.

Da hätte ich zu Reita auch gleich ‚Bis später’ sagen können. Man ey.



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