reflections

Lovefool – Kapitel 2
Unerwarteter Besuch

 

 

 

 

Keine Ahnung wie lange ich schon als Strifys Matratze herhielt aber langsam und sicher wurde der Junge doch ziemlich schwer. Und meiner Meinung nach half mir das nicht gerade dabei meine Skier aus meiner Wirbelsäule zu entfernen.

Deswegen schnappte ich mir auch seine Schultern und drückte ihn ein gutes Stück von mir weg. Was übrigens ein Fehler war, denn er brach sofort in Gekreische aus.

 

„Du magst mich gar niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiicht!“

 

Was das damit zu tun hatte wusste ich nicht wirklich, aber ich nahm stark an das er mein Wegdrücken falsch interpretiert hatte. Wäre ja auch nicht das erste Mal gewesen. Zu dumm das mein heiß geliebter Sänger nicht wütend sondern frustriert war. Wenn er wütend gewesen wäre hätte ich ihm nur ein paar Gläser in die Hand drücken müssen die mir meine Mutter geschenkt hatte und er wäre wieder normal. Um die Gläser würde es mir nicht mal Leid tun. Meine Mutter hatte allgemein einen abartigen Geschmack von daher waren die Gläser grottenhässlich.

Genauso wie das Hemd das sie mir zu Weihnachten geschenkt hatte. Pink. Nicht rosa sondern PINK! Welcher normale Mensch außer Weiber die aussahen wie Barbiepuppen zogen das bitteschön an? Ich auf jeden nicht. Deswegen gammelte es jetzt auch in irgendeinem Sack für Altkleider rum.

 

„Natürlich mag ich dich, das weißt du doch“ versuchte ich es einfach mal auf der sensiblen Ebene, die mir mal überhaupt nicht lag.

 

„Ja klar und deswegen drückst du mich weg“

 

Das war’s mit meiner Sensibilität.

„Verdammt du Hornochse. Ich hab die Skier in meiner Wirbelsäule und das tut weh verflucht. Da wird ich mich ja wohl noch von befreien dürfen oder soll ich erst Luminor anrufen und ihn fragen ob das okay wäre?“

 

Vielleicht war das auch zu boshaft. Oder eben auch nicht. Meiner Meinung nach war ich eh mehr als einfühlsam.

„Tschuldigung“

Zumindest hörte er schon mal auf zu kreischen wie ein Kleinkind. Das war ja schon mal positiv.

„Jetzt lass erst mal Kaffee machen hier und den Racheplan besprechen“ kam es seufzend über meine Lippen und ich rappelte mich hoch ehe ich mein Zeug einfach in mein Zimmer warf und dann die Tür zuknallte. Sonst kam unser hoch begabter – ich lach mich tot – Sänger noch auf die Idee meine Bude aufzuräumen und darauf konnte ich getrost verzichten.

 

„Was für einen Racheplan?“

Um die Situation gerade mal zu erläutern. Strify sah mich an wie ein treudoofer Welpe der nicht wusste wie man Dosenfutter zerkaute.

Und um ehrlich zu sein stand ihm dieser Blick hervorragend. Zumindest passte er zu seiner Frisur die aussah wie ein explodiertes Sofakissen.

Eigentlich sollte ich meine Klappe halten, denn ich sah in der Früh noch schlimmer aus. Um genau zu sein wie eine explodierte Klobürste.

 

„Na du willst die Schlampe doch nicht so ungeschoren davon kommen lassen oder?“

„Sie ist keine Schlampe sondern meine Freundin“

„Ex-Freundin“

 

Okay, falsches Wort.

„Wäääääääääääää“

Und im Bad war er und ich hörte den Schlüssel klacken. Vielleicht sollte ich mal ein Seminar über Sensibilität belegen. Gab’s so was eigentlich? Wenn ja wo fand es statt und vor allem wie viel meiner Freizeit musste ich darin investieren. Hoffentlich nicht zu viel. Vielleicht gab es so was ja an der Uni oder in der Hauptschule. Oder ich sollte mal den Psychologen meiner Mutter anrufen und fragen ob er so was in seinem Sortiment hatte.

 

„Strify jetzt stell dich nicht an wie ein pubertierender Teenie und schwing deinen Arsch da raus damit wir die Lage besprechen“

„Ich will aber nicht drüber reden“

„Morgen wirst du drüber reden müssen“

„Wieso?“

 

Wie erklärte ich ihm dass jetzt am besten ohne das er mir einen Herzinfarkt bekam und ich nicht ins Bad konnte. Das war nämlich das was ich am wenigsten wollte. Wie sollte ich mir da in der Früh die Haare machen? Okay, das war jetzt böse. Eigentlich sollte ich mir ja Sorgen um Strify machen und nicht um meine Haare.

 

„Weil ich die Anderen angerufen habe und die morgen wahrscheinlich auf einem Haufen hier ankommen“

Die Badtüre wurde aufgerissen und ich starrte in zwei Servierplatten.

War ein Witz.

Um genau zu sein guckte ich in Strifys blaue Äuglein. Aber sie hatten die Größe und die Form von Servierplatten.

 

„Das ist ein Witz“

„Nein“

„Sag mir dass es ein Witz ist“

„Öhm…nein“

„Ich werde sterben“

„Gott du bist so ne Dramaqueen“

„Und du bist der Teufel, wie kannst du mir das antun“

„Na soll ich dich seelenklemptnern?“

„Um Gottes Willen NEIN“

 

Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht und ich nickte nur.

Dann sollten wir jetzt Lagebesprechung machen bevor Luminor seinen Arsch aus dem Flieger bewegt und anfängt dich zu therapieren und dir womöglich noch Fencheltee reinkippt.

 

Wenigstens funktionierte das jetzt und Strify folgte mir widerstandslos ins Wohnzimmer und hockte sich auf die Couch während ich im Schrank wühlte und Gläser zu Tage beförderte.

„Was machst du?“

„Gläser und Sekt holen damit ich mich besaufen kann“

„Ich wurde verlassen“

Das war wahr.

„Und ich muss es mir anhören“

 

Das war natürlich überhaupt nicht nett, wie Shin es jetzt ausdrücken würde. Aber gewisse Situationen erforderten gewisse Maßnahmen. Und diese war eine davon.

Wenn ich nämlich etwas nicht ertragen konnte, dann war es wenn ich mit irgendeinem Scheiß zugemüllt wurde, der obendrein noch was mit der ach so tollen Liebe zu tun hatte.

 

„Also was könnte ich tun damit ich mich besser fühle?“

Meiner Meinung nach war Strify in der „Nicht-wahr-haben-wollen-Phase“.

Das hieß so viel wie er verstand noch nicht wirklich das er verlassen wurde und suchte für alles eine logische und harmlose Erklärung. Zumindest in seinem Inneren. Außen würde er das nie tun, es sei denn er hätte den Schutz der Anderen Drei das ich ihm nicht an den Hals sprang.

 

„Du könntest ihr halb verweste Weintrauben mit ner Horde Fruchtfliegen drauf, hübsch verpackt, per Kurier nach Hause schicken.“

Strify nickte.

„Oder du könntest eine Anzeige in der Zeitung aufgeben wie: „Suche Mann fürs Leben. Aussehen und Hygiene egal.“ Und dann hau die Nummer drunter“

Strify nickte wieder.

„Oder du beklebst ihr Fahrrad mit Silikonaufklebern wie: „Ich bremse auch für Lesben““

 

„Du glaubst dann geht’s mir besser?“

„Keine Ahnung, mir ging’s danach besser“

„Dann warst du es der Yus BMW mit Aufklebern beklebt hat?“

„Das bleibt unter uns kapiert?“

 

Strify grinste leicht und ich ebenfalls. Das war das schöne daran wenn man Strify in seinem jetzigen Zustand etwas anvertraute. Man konnte sich sicher sein das er es wieder vergaß.

 

Eine Stunde und ne dreiviertel Flasche Sekt später wechselte Strify in die „Wutphase“ über.

Hieß so viel wie das er die Tussi abgrundtief hasste und über sie lästerte bis zum Umfallen.

„Und sie hat auch immer so lang im Bad gebraucht obwohl sie danach noch beschissener aussah als vorher“

Das meinte ich damit.

Dass er noch keine Gläser zerworfen hatte wunderte mich zwar aber ich hatte diese hässlichen Dinger von meiner Mutter einfach sicherheitshalber gleich neben ihm abgestellt und alles was irgendwie zerbrechlich war und einigermaßen gut aussah in Sicherheit gebracht während er die Hälfte der Sektflasche allein geleert hatte.

 

„Du Kiro sag mal…warum bist du eigentlich nie verliebt?“

Das diese Frage mich aus der Bahn warf musste man jetzt nicht erwähnen oder?

„Keine Ahnung, will nicht“

„Ich glaube du hängst einfach zu sehr an mir?“

 

Bitte was? Meiner Meinung nach hatte Strify einfach zu viel Sekt intus um noch seine Gehirnzellen – oder das was davon noch übrig war – zu benutzen.

„Bist du geschnappt über?“

„Na ja…du kannst nicht abstreiten das du zur Furie wirst wenn mich einer scheiße anmacht“

„Was verständlich ist, du bist immerhin unser Sänger. Wir brauchen dich, weil wir alle singen wie ne Kuh auf der Weide“

 

Nach diesem Satz lagen wir Beide lachend auf dem Boden. Manchmal hatte ich Phasen in denen ich mich über meine eigenen Sprüche kaputt lachte.

Das war nicht beabsichtigt aber meiner Meinung nach lag es einfach den Promille.

„Was machen wir jetzt?“

„Keine Ahnung“

 

Ich wollte gerade was sagen als es an der Tür klingelte. Meine Hoffnung wuchs das einer der Anderen bereits die Haustür erreicht und einfach keine freie Hand hatte um aufzusperren.

Nachdem ich die Tür allerdings geöffnet hatte war ich der Meinung ich hätte mich von einer Lawine verschütten lassen sollen.

„Wie du wieder aussiehst. Wie der letzte Asoziale“

„Hallo Mama“

 

Gestraft war kein Ausdruck. Gott hasste mich und ich konnte voller Stolz behaupten dass das auf Gegenseitigkeit beruhte.

Meine Mutter quetschte sich an mir vorbei und inspizierte den Flur ehe sie ins Wohnzimmer ging und Strify betrachtete und sich dann im Wohnzimmer umsah.

„Du wohnst also immer noch mit diesen Verrückten zusammen und haust in so einer heruntergekommen Bude“

 

Wie sie mich hier gefunden hatte war mir ehrlich gesagt ein Rätsel und ich wollte es auch nicht wissen, da ich mich sonst nur aufregen hätte müssen.

Ihr geblümtes Kostüm und der Strohhut auf ihren Dauerwellen machten meine jetzige Laune auch nicht wirklich besser. Es klingelte auch schon wieder und ich überlegte mir ob ich es einfach tun sollte.

Mich auf den Boden legen und tot stellen. Das hatte mir schon einige Male das Leben und meinen Stolz gerettet.

Trotzdem öffnete ich die Tür.

 

„Junge, wie schön dich zu sehen. Bist du geschrumpft? Und wie du aussiehst so blass und keine Muskeln. Ich muss dich eindeutig mal in das Manndasein einweihen“ sprachs und quetschte sich an mir vorbei zu meiner Mutter ins Wohnzimmer.

 

„Mama, Papa…was zur Hölle tut ihr hier?“

„Dich besuchen. Wir wollten eine Woche bleiben.“

 

Strify und ich sahen uns an und ich war der Ohnmacht nahe. Womit hatte ich eigentlich so ein Scheißleben verdient? Irgendwas hatte ich eindeutig falsch gemacht. Wenn ich mich nur daran erinnern könnte.

„Oh  Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“

 

„Hast du was gesagt Junge?“

„Ja…..ihr könnt nicht bleiben“….sonst bring ich mich um.


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