reflections

Will you merry me? – Kapitel 2
Schwiegereltern und andere Probleme

 

 

 

 

 

Mein Blick huschte über die ganzen Gäste aber ich konnte das Wesen das zu uns gesprochen hatte nicht ausfindig machen.

Leider hatte ich das dumme Gefühl die Beine in die Hand nehmen und rennen zu müssen. Der Rest von uns leider Gottes nicht.

Allerdings war es auch zu spät es ihnen mitzuteilen denn es kam ein sehr aufgeregter und bis zu den Ohren grinsender Eric auf uns zugeeilt.

 

„Ich bin so aufgeregt. Was is wenn was schief geht?“

In diesem Moment beschloss ich mich auszuklinken und einfach nicht zuzuhören. Stattdessen zündete ich mir lieber eine Zigarette an und starrte in die Gegend.

 

Die Kirche lag direkt an der Hauptstraße neben einer Bushaltestelle. Die Wiese war mit Hundescheiße übersäht und ich konnte beim besten Willen nicht entdecken wo der nächste Imbiss war. Ich hatte verdammten Hunger, und wenn ich Hunger hatte dann wurde ich unausstehlich.

Wer mir das nicht glaubt könnte ruhig die Anderen fragen, denn diese armen Geschöpfe hatten mich schon oft so erlebt. Und auch meine Anfälle die damit verbunden waren.

Was hätte ich darum gegeben in meinem BMW zu sitzen und ne Runde auf der Autobahn zu fahren. Das hätte mich sicher wieder in einen normalen und für andere Menschen zumutbaren Zustand versetzt. Ging jedoch nicht.

 

Ein Zupfen an meinem Ärmel lies mich aus meinen Gedanken hochschrecken und ich sah in das Gesicht von Strify.

Manchmal fragte ich mich ob das nicht doch Kontaktlinsen waren die er da in seine Augen quetschte. Solche blauen Augen hatte doch kein normaler Mensch. Andererseits war er sogar zu doof seine Manschettenknöpfe an den Anzug zu bringen, von daher hatte sich die Frage erledigt.

 

„Wir sollen in die Kirche gehen. Die Trauung fängt gleich an“

Himmel, warum wurde ich eigentlich so gestraft? Allerdings sah Strify auch nicht gerade sehr glücklich aus. Ebenso wenig wie Yu. Die anderen Beiden schienen sich auch noch darauf zu freuen. Das einzige auf das ich mich freute war das Essen. Soviel ich das verinnerlicht hatte würden wir da an einem Tisch mit Eric und seiner Braut sitzen.

 

Wir hatten diese Frau noch nie gesehen geschweige denn mal am Tele gehabt. Aber die Liebe musste ja sehr groß sein wenn man jemanden heiratete den man nicht mal zwei Monate kannte. Für mich zwar unvorstellbar, aber in der Beziehung war ich sowieso unterentwickelt. Ich hielt nicht viel von Beziehungen, von Vertrauen schon mal gar nicht. Der einzige der mein uneingeschränktes Vertrauen erhielt war Strify.

Das heißt wenn ich denn mal so weit am Boden war das ich unbedingt mit jemanden über mein Seelenleben reden musste.

 

Wir latschten also in die Kirche und 3/5 von uns waren alles andere als glücklich. Juckte aber keinen, da die Menschheit allgemein ziemlich egoistisch war und nur an sich dachte. War zwar dasselbe hörte sich aber besser an.

Kaum das wir die Kirche betraten wurden wir angestarrt als kämen wir vom Mond. Ich persönlich fand diese Vorstellung zwar witzig aber wirklich wohl fühlte ich mich unter den Blicken der Zombiefraktion auch nicht.

 

Eigentlich wäre Flucht das einzig wahre gewesen. Ging aber auch nicht da wir ganz vorne saßen und somit nicht ungesehen flüchten konnten. Außerdem hatte ich keine Lust mich mit einem Fiat rum zu schlagen der wahrscheinlich nicht mal ansprang.

Denn bevor Luminor los fuhr fing er immer an ganz liebevoll mit dem Ding zu reden und das er es doch lieb hatte und es doch bitte anspringen sollte. Bin ich froh dass ich solche Probleme nicht hatte.

 

Eric stand schon beim Altar und lächelte während mir fast die Galle hoch kam. Strify inspizierte lieber seine Fingernägel und Yu fing an die Anzahl der verschiedenen Blumen in sein Hirn zu bekommen. Luminor und Shin bestaunten den Altar und die Kreuze und was weiß ich was da noch rumhing.

Und dann kam endlich das Orgelspiel und alle drehten sich um. Sogar ich war zu neugierig um mir das jetzt entgehen zu lassen.

Okay, das war eine glatte Lüge.

Ich wollte nur wissen ob die Braut über ihr Kleid stolperte und sich auf die Fresse legte. Das wäre eine Entschädigung für die Herfahrt gewesen.

 

Das erste das ich sah waren zwei Mädchen, ungefähr in unserem Alter die Blumen verstreuten und einen ernsten Gesichtsausdruck machten. Entweder die konnten nicht lachen oder sie waren so angepisst wie ich. War ja nicht unwahrscheinlich.

Nach ihnen kam eine Weile nichts und dann ein alter Mann – wahrscheinlich der Brautvater – und an seinem Arm konnte ich schon die Hand der Braut erkennen.

Ich war mir deswegen so sicher weil ein weißer Ärmel dran hing.

 

Was allerdings dann kam werde ich wohl in meinem ganzen Leben niemals verkraften. Yu und die Anderen wahrscheinlich auch nicht.

Etwas Kleines – ja, sogar kleiner als ich, macht das mal nach – dickes und etwas Unförmiges kam herein. Meiner Ansicht nach die Braut, denn sie trug das Brautkleid.

„Wo is die Braut?“ kam Luminors Frage etwas unpassend und ich rammte ihm den Ellenbogen in die Rippen.

„Schnellchecker! DAS ist die Braut“

Mich trafen vier entgeisterte Blicke und Yu sank auf der Bank zusammen und jammerte etwas davon dass Eric ihm das nicht antun könnte.

Soviel zu unserem Egoismus.

 

Das kleine Wesen war im Gesicht von einem Schleier bedeckt, was ich gut fand so musste ich das Gesicht nicht gleich sehen und konnte somit auch nicht schreiend aus der Kirche rennen.

Beim Altar angekommen stellte es sich auf ein Höckerchen um besser zu Eric hoch zu gucken, denn es ging ihm ja nur knapp über die Hüfte.

Gott, da war ich ja wirklich größer.

 

Die Trauung verlief ohne Probleme und Strify überreichte brav die Ringe.

Bei dem Satz: „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ beugten wir uns alle unweigerlich nach vorne um das Gesicht sehen zu können.

Als das nämlich enthüllt wurde krallte sich Strify nicht gerade sanft in meinen Unterarm und dem Rest von uns vielen fast die Augen raus.

Das Wesen…Tschuldigung die Braut, sah aus wie ein Kobold aus Harry Potter.

Nicht das ich Harry Potter Fan wäre, aber ich hatte genug in der Familie die sich das mit Freuden reinzogen.

 

Somit wussten wir alle was auf uns zu kam und waren nicht gerade begeistert. Sogar Luminor und Shin fanden das es nicht gerade prickelnd war so was in unserer Band WG rum rennen zu haben. Und ich war froh dass wir endlich mal alle einer Meinung waren.

Yus einziges Problem war das er befürchtete niemals mehr Sex haben zu können wenn er ständig daran denken musste dass ihm Erics Frau begegnete. Das war nämlich mehr als abtörnend.

Und ich verstand ihn in der Hinsicht sogar.

 

Wieder aus der Kirche draußen kam es soweit das Yu, Strify und ich uns eine Zigarette anzündeten um den Schock verdauen zu können.

„Kiro, kannst du mir ne Zigarette leihen?“

Mein Blick wanderte gute 15 Zentimeter nach oben und traf auf Luminors Gesicht.

„Du bist Nichtraucher“

„Dann fang ich jetzt an“

Schulter zuckend reichte ich ihm eine Zigarette die er sogar rauchte ohne zu ersticken.

 

Eigentlich war ich der Meinung etwas gegen diese Ehe unternehmen zu müssen, aber Shin meinte das wir Erics Glück nicht zerstören könnten.

Ich war da anderer Meinung aber die interessierte sowieso keinen.

Von daher beschloss ich die Klappe zu halten und mich lieber auf das Essen zu freuen zu dem wir fuhren.

Wir konnten uns wenigstens nicht mehr verfahren da wir einfach nur den anderen folgen mussten. Ich fand das sehr praktisch, Strify nicht denn der wollte lieber nach Hause und in den Gelben Seiten nach einem geeigneten Psychologen suchen bei dem er seinen Schock verarbeiten konnte.

 

Um sein Stimmorgan abzustellen schlug ich vor das wir eine Gruppentherapie machen würden und er war so überglücklich das er versuchte mir die Luft abzuschnüren während er mich umarmte.

 

Das Gasthaus fand ich toll. Es war groß und das Essen war einfach nur geil. Die Speiskarte war so was wie die Unendliche Geschichte.

Leider Gottes litt ich unter Entscheidungsschwierigkeiten was Essen betraf. Ich konnte mich einfach nie einigen was ich essen sollte oder wollte.

Die einfachste Lösung war daher diejenige einfach dasselbe wie Strify zu bestellen. Tat ich dann auch.

Sprich Wiener Schnitzel mit haufenweise Pommes.

 

Neben mich setzte sich ein Mann und neben Yu, der ganz außen saß, eine dicker Frau.

Beide sahen uns ziemlich eindringlich an und Strify fing an auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen.

Er konnte es nun mal nicht ab so durchbohrt zu werden. Ich auch nicht. Nur wurde ich nicht nervös sondern aggressiv.

„Müssen sie uns eigentlich so angaffen?“ fauchte ich nach neben mich und zündete mir eine Zigarette an.

Beruhigung. Sofort!

 

„Wenn euer Manager meine Tochter unglücklich macht dann könnt ihr was erleben. Wir werden euch kriegen“ texte er mir im italienischen Akzent entgegen und Yu verschluckte sich an seinem Bier.

 

Himmel, jetzt hatte Eric auch noch ne Mafiabosstochter geheiratet. Wenn der sie irgendwie unglücklich machte dann würden uns die Füße einbetoniert werden und wir würden im nächst gelegenen Fluss bei den Fischen enden.

Nur weil unser Manager zu blöd war sich ne richtige Frau zu angeln.

 

Das war jetzt natürlich überhaupt nicht schlimm. Eric hatte nämlich ein Händchen dafür Frauen in den Wahnsinn zu treiben.

Das hieß, entweder wir verließen das Land so schnell wie möglich und legten uns andere Namen zu oder wir wurden Fischfutter.

Keins von Beiden sprach mich wirklich an.

 

„Hörn sie. Wir sehen Eric wirklich selten und außerdem können wir doch nichts dafür wenn er sie verletzten sollte“ versuchte Luminor zu schlichten und ich grinste.

„Wenn ihre Tochter so blöd ist und ihn heiratet kann ich auch nicht krank dafür sein. Hätte sie mich vorher gefragt hätte ich ihr abgeraten. SS. Selbst Schuld“ gab ich von mir und trank einen Schluck von meinem Colaweizen.

 

Strify neben mir erlitt fast einen Nervenzusammenbruch aufgrund meiner Meinung und auch die Anderen guckten mich an als wäre ich geistesgestört.

Der Brautvater lachte doch jedoch nur und haute mir auf die Schulter das ich dachte mein Schulterblatt hätte die besten Tage schon hinter sich gehabt.

„Du gefällst mir. Ihr seid doch nicht solche Waschlappen wie Eric“ lachte er weiter.

 

Sein Lachen erinnerte mich irgendwie an nen alten Schiffskapitän.

Was er wahrscheinlich auch mal gewesen war. Wer wusste das schon.

Mein Blick wanderte zu Strify der immer noch kollabierte und ich grinste nur ehe ich ihm einfach den Strohhalm seines Getränks in den Mund steckte.

Er brauchte doch einfach nur Alkohol warum verstand das denn keiner.

 

Allgemein war die Stimmung ziemlich gut. Die Schwiegereltern waren ganz cool drauf und die Frau quetschte Luminor bestimmt über eine Stunde aus wie er das denn mit seinem Augenbrauen Gezupfe hinbekam. Der war ganz Happy dass irgendjemand seine Arbeit zu schätzen wusste und ich war so erledigt das ich nur noch schlafen wollte.

Was ich zum Schluss auch tat. Nämlich halb auf Strify.



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