reflections

Suqars – Kapitel 1
Be my Thunder!

Jeder Weg kann lang sein,
wenn man keinen hat der mitgeht.
Und doch hat jeder einsamste Weg,
irgendwann ein Ende und ein schönes Gefühl erweckt.

Mein Weg war lang und beschwerlich. Bis ich es geschafft hatte eine einigermaßen vorhandene Band zu gründen war einige Zeit vergangen.

Um genau zu sein ganze 2 Jahre in der ich wie verrückt in der Schule rumgerannt war um nach passenden Mitgliedern zu suchen.

Inzwischen hatte ich alles. Yu, eine Stufe unter mir übernahm die Gitarre. Shin, 2 Stufen unter mir die Drums und Luminor, so alt das er schon gar nicht mehr auf meiner Schule war übernahm Keyboard und Gesang. Ich selbst stand am Mikro, da ich in Sachen Instrumente und Noten der absolute Versager war.

Das einzige was mir nun nur noch fehlte war ein Bassist. Und diese Spezies war anscheinend wirklich schwer her zu kriegen.

Wir hatten uns alles Mögliche angetan um an einen vernünftigen Bassisten zu kommen der einigermaßen okay war. Wir selbst waren auch nicht wirklich gut, aber diese Bassisten die wir uns vor einer halben Stunde angehört hatten konnte man echt nur noch auf den Mond schießen. Wobei ich mir nicht mal sicher war ob wir nicht genauso schlecht waren wie diese Subjekte.

„Und was machen wir nun?“ kam es von Shin der rechts neben mir auf den Treppen saß und genauso Löcher in die Luft starrte wie der Rest von uns.

Das war eine gute und berechtigte Frage auf die ich keine Antwort hatte, weswegen ich mit den Schultern zuckte.

Ich hatte wirklich keine Ahnung. Ohne Bassisten waren wir verloren. Unsere Karriere war zu Ende bevor sie überhaupt nur Ansatzweise angefangen hatte.

„Ich muss auf jeden Fall jetzt los zu meinem Job. Wenn was ist ruft mich an“ gab Luminor noch von sich was ich mit einem Nicken kommentierte.

Yu verließ uns ebenfalls bald, da er eigentlich Hausarrest hatte und zu Hause sein musste bevor seine Eltern davon Wind bekamen das er es überhaupt gewagt hatte durchs Klofenster zu kriechen um bei der Probe zu erscheinen.

„Ich bring dich noch heim“ wandte ich mich an Shin und dieser nickte nur ehe wir nebeneinander herliefen und uns anschwiegen.

So gesprächig ich auch war, es wurmte mich einfach tierisch das wir keinen Bassisten gefunden hatten.

„Sag mal, was machen wir denn wenn wir keinen finden?“ wurde ich von Shin gefragt und zuckte mit den Schultern.

Die Frage an sich war schon der reinste Horror. Aber die Vorstellung die noch dazu kam verursachte bei mir Kopfschmerzen der übelsten Sorte.

„Ich find schon noch einen. Und wenns das letzte ist was ich tue“ grinste ich dann und piekste Shin in die Seite was er mit einem empörten Quietschen kommentierte ehe er vor seiner Haustür stehen blieb und mir noch mal winkte.

Manchmal beneidete ich die Jungs richtig. Meine Eltern waren nie zu Hause. Es war absolut egal wo ich hinging, mit wem und wann ich wiederkam.

Um genau zu sein würde mich nicht mal jemand vermissen wenn ich auf einmal von so einem verrückten Massenmörder abgeschlachtet werden würde.

Irgendwie war die Tatsache alleine schon traurig.

Und da ich mit mir eh nichts Besseres zum Anfangen wusste beschloss ich einfach noch eine Weile durch die Gegend zu laufen. Konnte nicht schaden ein bisschen draußen zu bleiben.

Auch wenn es gerade das Pissen anfing und ich alles andere als begeistert darüber war.

Ich hatte keinen Peil wo genau ich eigentlich in Berlin war. Es war dunkel und nass und zu allem Überfluss hörte ich auch noch dauernd ein lautes Scheppern als ob jemand irgendwo immer dagegen donnern würde.

Leider war ich auch von Natur aus ein ziemlich verrückter Mensch und beschloss deshalb auch dem Geräusch nach zu gehen. Was mich durch hunderte von dunklen Gassen und über einen leeren, verkommenen Hinterhof führte.

Eigentlich war ich ja ein Fan von Horrorfilmen und so. Aber das hier war selbst mir zu gruselig. Vor allem weil ich Gewitter nicht ausstehen konnte. Und gerade hatte so eines eingesetzt. Ich hasste es. Keine Ahnung warum aber ich hatte panische Angst davor, weswegen ich mich an die Hauswand drückte und mich nach dem Scheppern umsah. Leider Gottes konnte man ohne Beleuchtung nicht wirklich viel sehen.

Und eigentlich wollte ich auch schon umdrehen und wieder verschwinden als es blitzte und ich etwas sah was mir den Atem raubte.

Am Himmel flog einer auf einem Skateboard. Okay, er machte gerade anscheinend einen Stund auf der Bahn. Deswegen sah es auch aus wie als wenn er fliegen würde. Aber der Anblick war einfach…atemberaubend und wunderschön.

Hörte sich vielleicht schwul an, und war es in diesem Moment wahrscheinlich auch.

Mit einem lauten Krachen landete er wieder auf der Rampe und blieb einfach stehen während er sich eine Haare anscheinend zurück strich.

Als ein erneuter Blitz zuckte kreischte ich nur auf und hockte mich automatisch auf den Boden.

Wenn ich Glück hatte dann hatte mich der Typ nicht gehört und somit auch nicht gesehen. Was eigentlich schon peinlich werden würde. Ich wollte nicht als Angsthase da stehen und nicht mal die Jungs wussten etwas davon. Und das sollte gefälligst auch so bleiben.

„Hey, was machst du da?“ knurrte etwas vor mir und ich zuckte zusammen ehe ich nach oben sah.

Leider konnte ich sein Gesicht nicht erkennen aber die Stimme kam mir verflucht noch mal bekannt vor.

„Ich wollte…“ fing ich an und zuckte bei dem Donner wieder zusammen. Wie ich es doch hasste so schwach und schwul rüber zu kommen.

Ich war nicht schwul und wollte es auch nicht werden. Aber leider kam ich so nun mal rüber.

Mit einem Ruck wurde ich hochgezogen und von der Type mitgezogen. Keine Ahnung was der eigentlich mit mir vorhatte, aber es war mir auch egal. Schlimmer konnte es immerhin nicht werden. Und vermissen würde mich wie schon mal erwähnt eh niemand.

Zu meiner Überraschung wurde ich bloß auf die Hauptstraße gezogen und dort losgelassen wo ich zu dem Typen schaute und mir fast die Augen rausfielen.

Ich hatte zwar keinen Peil wie er eigentlich hieß aber ich hatte ihn in der Schule schon öfter gesehen. Er war eine Stufe über mir und wurde von alles und jedem förmlich angebetet. Er war der Star im Skateboarden und in Sport allgemein. Seine Noten in anderen Fächern dagegen waren mehr als grottig soviel ich gehört hatte.

„Angst vor Gewitter oder was? Das ist echt mal schwul“ murrte er mich an und ich ließ den Kopf hängen ehe ich wieder zusammenzuckte und mich an die nächst beste Mauer quetschte.

Das Wesen vor mir schüttelte stattdessen nur den Kopf und machte sich vom Acker. Sehr höflich übrigens.

Ich hatte keine Ahnung wo ich eigentlich war geschweige denn aus welcher Richtung ich vorher gekommen war und dann wurde ich auch noch von ihm alleine gelassen. Besser konnte mein Leben ja fast gar nicht werden. Außer ich wurde nun gekidnappt und an ein Bordell verkauft. Was eigentlich schon von der Vorstellung alleine her absolut schwachsinnig war, denn wer wollte mich schon haben?

Während ich im Selbstmitleid versank – und das konnte ich gut – bemerkte ich nicht wirklich wie sich mir etwas oder besser gesagt jemand näherte.

Ich merkte es erst als ich auf einmal nichts mehr erkennen konnte woraus ich schloss dass irgendwas vor meinem Gesicht hing.

Etwas verwirrt zog ich das etwas herunter und es stellte sich eindeutig als schwarze Lederjacke heraus.

„Zieh schon an sonst holst du dir den Tod“ knurrte es wieder und ich sah in die Augen von…ähm…ja ihm eben.

Da ich den Namen immer noch nicht wusste schwieg ich einfach mal.

„Und steh endlich auf, ich bring dich. Sonst wirst du noch überfahrn oder so“

Verwirrt stand ich auf und glubschte ihn an als wäre ich oder eben er geisteskrank.

„Ich will dir damit mitteilen dass ich dich nach Hause bring. Also beweg deinen Hintern Strify oder ich verpass dir nen Tritt“

Meine Augen sahen bestimmt aus wie Servierplatten. Woher kannte der eigentlich meinen Namen? Und warum kannte er meinen und ich seinen nicht? Wie unfair war das denn?

„Na du bist der berühmteste Schwule der ganzen Schule“

„Ich bin nicht schwul“ murrte ich und zog eine Schnute.

„Hab ich auch nicht gedacht. Ich bin Kiro“ quatschte es und zog mir einfach die Jacke an ehe ich ihn verpeilt anglubschte.

Nachdem ich ihm die Adresse von mir genannt hatte liefen wir schweigend nebeneinander her und Kiro – wenigstens musste ich ihn jetzt nicht immer Typ nennen – rauchte eine Zigarette nach der anderen. Zudem war mir aufgefallen das er kleiner ist als ich. Was irgendwie absurd aussah, da er ja eigentlich älter war. Und ich dachte im Moment einfach nur Schrott wie mir gerade auffiel.

Ich blieb vor dem Haus in dem ich mit meinen Eltern rein theoretisch wohnte stehen und zog Kiros Jacke aus die ich ihm wieder gab.

„Okay, bis denn“ kam es dann von ihm und ich drehte mich zu ihm um ehe ich ihn am Arm festhielt.

„Mh…bleib doch. Es is ja schon ziemlich spät und….“

„Du hast Schiss alleine. Schon gut“ grinste es mir entgegen und mein Gesicht sah bestimmt aus wie das von einer Ampel.

Warum musste ich auch so meine Fresse aufreißen? Der Typ hielt mich doch jetzt garantiert für absolut schwul.

Im Haus angekommen machte ich mich auf den Weg in mein Zimmer und registrierte das Kiro mir folgte. Was mich wiederum dazu brachte noch nervöser zu werden.

„Sag mal…ich hab gehört ihr sucht nen Bassisten?“

Reflexartig drehte ich mich zu ihm um und fand mich nur noch wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt wieder.

„Ähm…ja suchen wir. Warum?“

„Darum“ nuschelte Kiro und kam mir etwas näher.



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