reflections

The Stupid Story – Kapitel 2
Hallo, Zwilling!

 

 

 

 

 

 

Ich guckte Strify verständnislos an und zuckte mit den Schultern ehe ich nickte. Auch wenn ich nicht so aussah, ich liebte shoppen. Es machte mir mal so gar nichts aus sieben Stunden am Stück durch irgendeine verdammte Innenstadt zu rennen und immer wieder dieselben Geschäfte auf den Kopf zu stellen bis ich irgendwann entweder kein Geld, kein Gefühl mehr in den Beinen oder aber keinen Bock mehr hatte und mich dann nach Hause bewegte.

 

„An deiner Stelle würde ich mir das gut überlegen. Strify is ein Weib in dieser Hinsicht. Der kann sieben Stunden am Stück shoppen und immer wieder dieselben Läden auf den Kopf stellen, bis er irgendwann keinen Bock mehr dazu hat“ erklärte mir Yu hastig und ich besah mir Strify ehe ich grinste und seine Hände in meine nahm.

 

„Hallo Zwilling“ grinste ich dann nur und Strify fing an zu strahlen wie ein Atomkraftwerk. Anscheinend hatte er verstanden was ich ihm damit mitteilen wollte.

Mir war zwar klar dass ich im Moment und vor allem in dieser Pose ziemlich schwul aussehen musste aber das war mir eigentlich relativ. Solang ich kein rosa trug und anfing zu reden wie Winnietouch aus der Schuh des Manitu war ich beruhigt.

 

„Ich hab irgendwie das Gefühl das wir nun zwei so Shoppingsüchtige im Haus haben“ murmelte Luminor links neben mir und ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen ehe ich Strifys Hand losließ und mich dann wieder anständig aufs Sofa hockte.

Nebenbei zündete ich mir eine Zigarette an und inhalierte den Rauch während ich diversen Gesprächen über diverse Nachbarn lauschte. Schien ja sehr interessant zu werden.

 

Zumindest erfuhr ich dass wir in einem modernen Altersheim wohnten. Okay, es war kein Altersheim, aber außer uns wohnten hier nur Leute die schon jenseits des Verfallsdatums lebten. Was mir persönlich irgendwie gruselig erschien. Ich hatte wirklich nichts gegen alte Leute. Solange sie tot waren oder sich möglichst weit entfernt von mir aufhielten.

Gut, ich gebs zu, ich hatte ein Trauma von alten Menschen. Was bei meiner Oma bei aller Liebe auch kein Wunder ist. Wenn einem zwölf Jahre lang die Wangen in die Länge gezogen wurden wunderte das wahrscheinlich keinen.

 

Während das Thema von verwesten Menschen zu dem heutigen Abendprogramm überging konzentrierte ich mich darauf mein Handy zu ignorieren das gewaltig das klingeln angefangen hatte. Und an dem Klingelton von Christian ‚Es ist geil ein Arschloch zu sein’ erkannte ich auch sofort das irgendein Mensch der bei mir zu Hause wohnte wohl einen Terroranfall bekommen hatte und somit versuchte mich zu erreichen, nur um mir dann durchs Handy zu kriechen um mich zu erwürgen.

 

„Sag mal Kiro is das deins?“

Mein Blick verfinsterte sich automatisch und ich gab einen mürrischen und zustimmenden Laut zugleich von mir.

Die Blicke meiner neuen Mitbewohner wechselten untereinander ehe sie wieder alle mich trafen mit einem fragenden Ausdruck dahinter.

„Willst du nicht dran gehen?“ kam es dann von Shin zögerlich und ich schüttelte den Kopf.

So weit war ich mit meinen Plänen noch nicht. Ich musste mir einen Plan überlegen was ich ihnen als Grund auftischen konnte das ich mich still und heimlich verdrückt hatte. Und den Grund den die Alten hören wollten war garantiert nicht ‚Ihr geht mir auf den Senkel’. Denn ich glaube sie kämen sogar in ihrem verkorksten Alter auf die Idee mein Handy orten zu lassen um mich dann nach Hause zu zerren und unter Folter zu verlangen mit wem ich was wann und warum getan hatte. Darauf war ich nicht scharf, also beschloss ich einfach so zu tun als hätte ich mein Handy das erste Mal in meinem Leben auf lautlos gestellt.

 

Leider Gottes war einer der Mitbewohner – nämlich Strify – da anderer Meinung und wühlte frecherweise in meiner Tasche herum bis er besagtes Instrument das einem die Stimmen aus der Welt brachte – oder eben auch die Folter – gefunden hatte.

Natürlich war es damit nicht getan, denn mein Seelenverwandter betätigte auch noch den grünen Knopf und hielt sich mein Foltergerät ans Ohr ehe er ein lang gezogenes „Jaaaa~?“ von sich gab.

 

Ich wollte gar nicht wissen was nun ablaufen würde. Das demonstrierte ich auch indem ich meine Hände auf die Ohren legte.

Allerdings nicht lange da mich die entsetzten Gesichter der Anderen auf die Idee brachten das ich vielleicht doch zuhören sollte was mein heiß geliebter Shoppingfreak so von sich gab während am anderen Ende der Leitung wohl eine Mutter hing. Konnte nur sie sein, da mein Vater das Telefon nicht zu benutzen hatte.

 

„Ich? Ich bin Strify“

Stille

„Ne, Kiro is nicht da“

Stille

„Der is einkaufen.“

Stille

„Moah, keine Ahnung. Kondome, Gleitgel, Chips…was weiß ich was der kauft“

 

Okay, ich hatte gerade ein bisschen Angst. Ich wollte gar nicht wissen was meine Mutter gerade dachte das ich tat. Vor allem wenn ich es nicht tat.

Und irgendwie konnte ich mich auch nicht entscheiden ob ich wissen wollte was Strify da meiner Mutter auftischte oder doch lieber nicht.

 

„Was ich bin?“

Stille

„Ich bin Kiros Liebhaber und würde mich nun gern wieder ins Bett verkriechen. Gute Nacht“

 

Damit legte er auf und guckte mich an während ich ihn anstarrte. Das konnte doch wohl nicht wahr sein.

„Ähm…sorry?“ kam es dann irgendwann nach ziemlich langem Schweigen. Eigentlich hätte ich Strify auch böse sein müssen. Er machte mich bei meinen Eltern schwul und somit bei dem ganzen Kaff in dem ich davor gelebt hatte.

Aber mir fiel natürlich nichts Besseres ein als loszulachen. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Weinen? Ganz sicher nicht. Erstens heulte ich ziemlich ungern und zweitens hatte ich keinen Bock mein Make up zu ersauen. Also lachte ich halt einfach. Vor allem aber auch deswegen weil ich mir das Gesicht meiner Mutter vorstellen musste.

 

„Kiro?“

„Schon okay, das war zu geil“ feierte ich weiter und registrierte wie Yu ebenfalls in mein Gelächter mit einstimmte.

Zum Glück saß ich auf dem Sofa. Denn Strify war anscheinend so erleichtert über die Tatsache das seine Shoppingtour mit mir morgen nicht den Bach runter gegangen war aufgrund seines Manövers das er sich auf mich schmiss und ich irgendwie unter ihm auf dem Sofa zum liegen kam wo ich schön brav weiter vor mich hingackerte.

 

Eins musste man mir lassen. Ich war zwar so ne Art Kettenraucher aber ich hatte ne verdammt gute Lungenkapazität.

„Strify du erquetscht den ja mit deinem Gewicht“ gackerte Yu und Strify auf mir schnappte empört nach Luft, was mich dazu veranlasste mir das nächst beste Kissen zu schnappen und Yu ins Gesicht zu donnern.

„Lass doch Streifchen in Ruhe. Ich find ihn ja eher leicht“ grinste ich dann und Luminor prustete los.

„Tja Yu, jetzt is anscheinend nichts mehr mit Strify ärgern“

 

Entweder ich bildete es mir ein oder ich hörte so etwas wie Schadenfreude in Luminors Stimme. Aber die war ja bekanntlich die schönste Freude, auch wenn dafür irgendwann mal die Rache von Oben kam. Kleine Sünden bestrafte Gott ja angeblich sofort, hatte meine Oma mir immer gepredigt und mich so zu einem ungläubigen erzogen ohne es zu wissen.

 

Irgendwann nachdem wir uns alle eingekriegt hatten beschlossen wir kurzerhand uns aufzuteilen. Zwei würden in die Videothek rennen und Filme besorgen, zwei die Nahrung und das Gesöff das dazu fehlte und einer würde schon mal das Wohnzimmer so gestalten wie man es nun mal für einen DVD Abend brauchte.

Das war die Abendbeschäftigung für heute. DVDs glotzen. Was mir persönlich ziemlich gefiel da ich eh nicht vorhatte mich großartig zu bewegen.

 

Nach einigem hin und her stand fest das Yu und Shin für das Futter verantwortlich waren und Strify und ich für den Film.

Es hatte lange gedauert. Denn eigentlich sollte ich mit Yu gehen und den Film besorgen. Strify bestand allerdings darauf mit mir zu gehen und so kam es zu einer kleinen Kabbelei zwischen den Beiden ehe Luminor – ganz die Mutti – ein Machtwort sprach und somit wieder Ruhe in der Irrenanstalt einkehrte.

 

Nachdem wir es geschafft hatten unsere Ärsche aus der Wohnung zu bewegen latschten Strify und ich nebeneinander her und schwiegen uns an.

Bei der Videothek angekommen waren Strify und ich eindeutig nicht einer Meinung was wir nun für Filme mitnehmen sollten.

Streifchen war dafür das wir uns eine Liebeskomödie oder zumindest einen Actionfilm rein zogen. Meine Meinung war das ein Horrorfilm das amüsanteste war was mir heute passieren konnte.

 

Daraus resultierte das wir gute vierzig Minuten in der Videothek standen und uns darüber ausließen warum dieser und jener Film der beste wäre. Zum Schluss kamen wir zu dem Entschluss das wir einfach ‚Die Braut die sich nicht traut’, ‚Scary Movie 1’ sowie ‚The Ring 2’ und ‚Dawn of the Dead’ mitnahmen.

Die Entscheidung lag dann bei den anderen Drei.

 

Als wir die Videothek wieder verließen war unsere Laune nicht unbedingt die Beste als wir überrascht wurden. Nämlich von etwas das wir anscheinend Beide auf den Tod nicht ausstehen konnten. Es nannte sich Regen.

Okay, es regnete nicht. Aber es nieselte und das allein war schon Grund genug sich Sorgen um Haare und Make up zu machen.

 

„Schöne Scheiße“ murrte Strify neben mir und ich grinste leicht ehe ich mich dazu entschied seine Frisur zu ruinieren indem ich ihm meine Jacke auf den Kopf schmiss.

„Da, zieh an oder was weiß ich. Aber los jetzt, ich will nicht noch länger hier rumstehen“ war deswegen mein einziger Kommentar und ich betrat die Straße ehe ich den Weg zur Wohnung einschlug und registrierte das Strify mir folgte und mich misstrauisch begutachtete.

 

„Dir is aber nich kalt nur im Tanktop oder?“

Die Frage klang irgendwie sarkastisch und ich musste lachen.

„Nein, mir ist nicht kalt. Um genau zu sein ist mir eigentlich immer warm“

Was noch nicht mal gelogen war. Ich trug die Jacken eher aus stylischen Gründen. Und weil ich nicht riskieren wollte noch brauner zu werden als ich es eh schon war.

 

Ich bildete mir ein so etwas wie ein leises ‚Danke’ gehört zu haben was mich nur nicken ließ.

Umso glücklicher war ich als wir wieder in der Wohnung ankamen. Innerlich notierte ich mir Luminor morgen nach einem Schlüssel für die Wohnung zu fragen, sollte ich auf die geniale Idee kommen etwas allein zu unternehmen. Aber ich war einfach zu faul um mich da heute noch drum zu kümmern.

Nachdem wir den Hausflur betreten hatten gab mir Strify meine Jacke wieder und ich hängte sie an den Haken ehe ich ihm ins Wohnzimmer folgte wo wir von drei Augenpaaren angestarrt wurden.

 

„Wo wart ihr denn so lange?“ wollte Luminor auch gleich wissen und ich murrte nur unverständliches Zeug synchron mit Strify vor mich her.

„Die konnten sich bestimmt nicht einigen“ lachte Yu und ich wusste wirklich nicht ob Strify und ich nicht vielleicht doch verschollene Brüder oder so waren. Irgendwie war es ja schon gruselig wie wir uns benahmen. Glich ja schon fast einem Klonungsversuch.

 

„Aussuchen tut ihr“ grinste Strify dann und warf Yu die Tüte mit den DVDs zu.

Während ich mich auf das Sofa fallen ließ schmiss Strify sich zwischen mich und Shin und blieb ebenfalls regungslos sitzen.

Und das alles von einem zehn Minuten Fußweg. Gott, waren wir Memmen.



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